Austria

Ein Lied gegen die Krise

Auf Lieblingslied.at können sich Menschen, die in Coronazeiten belastet sind, ein Lied wünschen. Musiktherapeuten rufen zurück und tragen es vor.

Und dann dringt der Songtext von Miley Cyrus‘ „Malibu“ plötzlich aus dem Computer. „Is it supposed to be this hot all summer long?”. Doch es ist nicht Miley, sondern Martin Jakel-Kopecny, der mit der Gitarre in der Hand den Song in die Kamera singt. „We are just like the waves that flow back and forth”. Wirklich gut, obwohl er das Lied davor nicht kannte und gerade einmal zwei Tage Zeit hatte, den Song einzustudieren.
Martin Jakel-Kopecny ist Musiktherapeut.

Im Brotberuf übt er seine Tätigkeit in der psychiatrischen Abteilung in einem Wiener Krankenhaus aus, nebenbei ist er freiberuflich tätig. Im Lockdown ging letzteres nicht, also nutzte er seine Zeit, um sich bei Lieblingslied.at zu engagieren. Einfach auch, „weil ich die Idee super fand“. Lieblingslied.at ist ein Projekt des Österreichischer Berufsverband der MusiktherapeutInnen und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW). Es wurde im März, noch zu Lockdown-Hochzeiten, ins Leben gerufen, um Menschen, die etwa durch die Isolation belastet sind, eine kleine Auszeit und ein gutes Gefühl zu geben.

In Gedanken zurück an den Strand

Es ist ein Online-Projekt, das sich kostenlos an jene Menschen richtet, die einmal kurz für eine Stunde ein positives Erlebnis haben und in guten Erinnerungen schwelgen wollen. „Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber manchmal spielt es dein Lieblingslied“ lautet auch der Leitspruch. Der Spruch stand auf dem Kühlschrank von Thomas Stegemann, Leiter des Instituts für Musiktherapie an der MDW. Davor hatte ihm Musiktherapeut Manuel Goditsch erzählt, dass er während der Coronakrise im Wohnhaus einen Zettel aushängte, auf dem sich jeder sein Lieblingslied wünschen konnte. Die Lieder trug Goditsch dann auf seinem Balkon vor.

Diese Idee, beschlossen sie, könne man größer aufziehen und so entstand Lieblingslied.at, wie Anna Feichter, ebenfalls Musiktherapeutin und im Koordinationsteam tätig, später erzählen wird. Jeder, der sich angesprochen fühlt, kann sich mittlerweile melden und bekommt dann sein Lied vorgespielt und danach ein Gespräch mit dem Therapeuten. Die Aktion findet je nach Wunsch per Skype, Zoom oder Telefon statt. Auch über Email habe schon ein Termin stattgefunden.

Ressourcen aufzeigen

„Wie kam es den zu dem Liederwunsch?“, will Jakel-Kopecny dann auch gleich wissen. Daraus entsteht ein Gespräch über die Tage am Strand in Portugal und das Lied, das einen den Sommer begleitet hat, obwohl man nie ein Miley-Cyrus-Fan war. Aber „Malibu“ schafft es bis heute, alles zurückzubringen. Den Strand, die Wellen, das Surfboard, die Freunde. Ein kleiner gedanklicher Ausbruch in einer virusinfizierten Zeit. „Wie haben Sie denn den Lockdown erlebt?“, fragt er weiter und so kommen wir vom Strand an die Grenzen von Wohnungen, an die Belastungen und Vorteile von Homeoffice. Er fragt nach Freunden, nach Ressourcen und hält es für eine gute Idee, das Homeoffice auch mal nach draußen zu verlegen.

Genau darauf will er hinaus, erklärt er. Ressourcen aufzeigen, positive Erinnerungen zurückholen. „Wir sind ein präventives Angebot, wir machen keine Krisenintervention.“ Auch wenn niemand alleine gelassen werde, der sich in einer Krise befände. Rund 25 Menschen hätten das Angebot bisher angenommen, erzählt Anna Feichter. Eher ältere Menschen, aber auch schon ein Vater, der sich ein Lieblingslied für seinen achtjährigen Sohn gewünscht hat.

Popsongs, Volkslieder, Schlager

Meisten spiele er vor und singe selbst, sagt Jakel-Kopecny, manchmal höre man sich das Lied gemeinsam an. Dem Wunsch „Conquest of Paradise“ von Vangelis konnte er mit der Gitarre nämlich nicht nachkommen. Zwei Mal hat er schon Lieder von Freddy Quinn vorgetragen, einmal einen deutschen Popsong oder das alte Volkslied „Es waren zwei Königskinder“. Die Gespräche danach waren so unterschiedlich wie die Lieder. „Manche genießen einfach, das Lied zu hören und sind im Gespräch zurückhaltend. Andere sprudeln nur so vor sich hin“.

Insgesamt sind es 14 Therapeuten, die Liederwünsche entgegennehmen, sagt Anna Feichter. Wobei noch weitere hinzukommen, denn das Projekt soll noch länger gehen, auch, weil mittlerweile zwei Studien darüber laufen. Zwar werden die Alltagsbeschränkungen weniger, aber für viele, besonders für Risikogruppen, wird das Leben trotzdem nicht so sein wie vorher. „Gibt es einen Aspekt, bei dem sie die Krise positiv erlebt haben?“, will Jakel-Kopecny zum Abschluss noch wissen und wir plaudern noch ein bisschen. Als man auflegt, hat man das Lied vom Strand noch stundenlang im Ohr.

Zum Projekt

Lieblingslied.at heißt das Projekt, bei dem heimische Musiktherapeuten Menschen, die durch die Krise belastet sind, kostenlos deren Musikwunsch vorspielen. Danach gibt es noch ein Gespräch mit dem Therapeuten. Jeder, der will, kann sich unter lieblingslied.at online oder unter der Telefonnummer 0664/841 43 43 anmelden.

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