Austria

Erotik und die "wa(h)re" Liebe: Lilo Wanders wird 65

Der deutsche Travestiestar feiert am 22. September Geburtstag. Auch wenn es ruhiger um Wanders wurde - still ist sie keineswegs.

Sie brachte Millionen deutscher Fernsehzuschauer ungefilterte Wahrheiten über Sex und die Pornoindustrie näher und war Wegbereiterin der alternativen Hamburger Theaterszene: Die Travestiekünstlerin Lilo Wanders, mit bürgerlichem Namen Ernst-Johann Reinhardt, wird am 22. September 65 Jahre alt.

Rund um die selten um launige Sprüche und offene Worte zu erotischen Themen verlegene Diva wurde es in jüngster Zeit etwas ruhiger, aber sie tourt nach wie vor mit Shows wie "Sex ist immer noch ihr Hobby" durchs Land. Lilo Wanders wurde nun einmal zur Rolle des Lebens für Reinhardt, "und das ist Fluch und Segen zugleich", sagt er aktuell im dpa-Interview.

Fluch und Segen

Natürlich habe sie ihm das Rampenlicht und damit das Leben mit seiner Familie ermöglicht, die ungeachtet von Reinhardts Homosexualität aus Ehefrau Brigitte, drei gemeinsamen Kindern, einem Hund und zwei Katzen auf einem großzügigen Bauernhof bei Hamburg besteht. Doch sie habe ihn auch eingeengt. "Es ist auch ein Fluch, weil man mir nie mehr zugetraut hat. Wenn mein Leben rund wäre, hätte ich gern mehr schöne Rollen gespielt."

Reinhardt wurde am 22. September 1955 in Celle geboren und versuchte es zunächst mit einem bürgerlichen Beruf - das Studium zum Bibliothekswissenschafter aber brach er ab. In Bremen traf er als junger Mann einem Schwulenchor bei und ging mit einer schwulen Theatergruppe auf Tour. In den 80ern kam der Kleinkünstler dann nach Hamburg, wo er sich niederließ.

In der Hansestadt mit ihrem berühmten Rotlichtviertel gehörte Reinhardt zu den Begründern einer alternativen Theaterszene, die zum Durchbruch vieler Klein- und Travestiekünstler wird. Mit Corny Littmann, den er aus gemeinsamer Arbeit in einer freien Theatergruppe kennt, eröffnete er 1988 in einem früheren Tanzlokal auf der damals noch verrufenen Reeperbahn das Schmidt Theater. Mit schrägen Revues machte sich das Haus einen Namen.

Reinhardt steuert ab 1984 zum Schmidt-Programm seine Kunstfigur Lilo Wanders bei - die Persiflage einer alternden Theaterdiva, der er seither treu blieb. Auch andere Comedykünstler wie Jutta Wübbe als Putzfrau Marlene Jaschke und die Dragqueen Olivia Jones wurden durch das Schmidt bekannt. Die Entdeckung von Jones geht auf Reinhardts Konto. Die TV-Übertragung der Schmidt-"Mitternachtsshow" machte Wanders & Co. ab 1989 deutschlandweit zu Ikonen wilder anarchischer Unterhaltung wie auch der Homosexuellenbewegung.

1994 gewann der Sender Vox Wanders als Moderatorin der Sendung "Wa(h)re Liebe", die in den folgenden Jahren ein großer Erfolg wurde. Die Sendung war ein Novum in der deutschen Fernsehlandschaft und widmete sich in ungekannter Direktheit den Themen Sex, Liebe und Pornoindustrie.

2004 folgte das Aus für "Wa(h)re Liebe", anschließend wurde es deutlich ruhiger um Wanders, die allerdings weiterhin auf Theatertourneen geht und hin und wieder bei Gastauftritten in Fernsehserien oder Fernsehshows zu sehen ist. Außerdem bietet sie zusammen mit ihrer alten Weggefährtin Olivia Jones geführte Stadtteilrundgänge für Touristen durch Hamburg-St. Pauli an.

Eine "tragende Männerrolle in einem Fernsehfilm" wäre jedoch immer noch reizvoll, unterstreicht Reinhardt gegenüber der dpa: "Damit ich mal zeigen kann, was ich wirklich kann." Am liebsten wäre er "Tatort"-Kommissar. "Gern schräg, aber eben nicht definiert als Schwuler. Das ist alles, was ich immer gekriegt habe." So hat er 2002 als Barkeeper im Fernsehfilm "Was für eine Nacht" Christoph Waltz bezirzt und 2016 im Wolfgang-Petersen-Film "Vier gegen die Bank" als "sehr schwuler" Maskenbildner Til Schweiger und Jan-Josef Liefers geschminkt. "Eine Minute. Aber das haben sie dann rausgeschnitten. Das habe ich auch eingesehen. Die Szene war leider am Ende für den Film überflüssig."

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