Austria

Forderung nach Coronatests durch Hausärzte wird lauter

Die neuen raschen Antigen-Tests könnten ein weiteres Mittel bei der Bekämpfung der Pandemie sein. "Wir müssen uns aber von dem Gedanken verabschieden, dass es ein Instrument gibt, dass alle Probleme löst."

Die Problematik mit 1450 sei laut ihm ein systemisches Problem, man brauche viel schlankere und effizientere Strukturen.

Das oberste Ziel müsse sein, dass ein erneuter Lockdown verhindert werde: "Dass wir so erfolgreich sind mit den Maßnahmen, dass wir keinen Lockdown mehr brauchen. Und dafür müssen wir einfach viel effizienter und rascher reagieren können."

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18.854 Tests wurden in Österreich in den letzten 24 Stunden durchgeführt - damit liegt die Gesamtzahl bereits bei 1.413.965. Jedoch: Bei der Hotline 1450 dauert es mitunter zwei bis drei Tage, bis ein Coronatest bei einem Verdachtsfall durchgeführt wird. Angesichts dieser langen Wartezeit forderten Mitglieder des Expertenrats des Gesundheitsministers im Ö1 Morgenjournal, dass es auch Hausärzten erlaubt sein sollte, gratis Corona-Tests anzubieten.

Ärztekammer und Ministerium stehen dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber. Im Ö1 Mittagsjournal sagte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres: "Es macht Sinn, dass niedergelassene Ärzte auch Tests nehmen." Derzeit gebe es beim Testen einen Engpass, das System habe seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Bereits in einigen Wochen könnten die Tests beim Hausarzt realisiert werden. "Ich denke, dass das relativ rasch funktionieren kann."

"Mittel, das wir unbedingt brauchen"

Um festzustellen, ob jemand Covid-19 oder etwa einen grippalen Infekt hat, muss es möglich sein, "dass Hausärzte Corona-Abstriche selbst machen oder vermitteln", sagte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Mitglied des Expertenrats des Gesundheitsministers.

"Das ist ein Mittel, das wir unbedingt brauchen. Man kann nicht ein Fieberkind zwei Tage lang zu Hause konservieren und sagen, na ja, warten wir einmal auf einen Test. Gilt genauso für Erwachsene", so Rabady gegenüber Ö1. Das gehöre zuerst angeschaut und ein gefährlicher Verlauf ausgeschlossen. Im Normalfall wisse man innerhalb von 24 Stunden Bescheid.

Rabady bietet diese Tests im Rahmen eines Forschungsprojektes in ihrer Praxis schon an - dies wäre aber auch in Hunderten Hausarztpraxen aufgrund der seit Jahrzehnten eingespielten Kontakte zu Labors möglich. Rabady: "Die meisten von uns haben eine gut funtionierende Laborlogistik. Da kommt am Vormittag ein Mitarbeiter des Labors vorbei (...) und wenn da etwas auffällig ist, rufen die an."

Weitere Ansteckungen könnten durch eigene Warteräume, extra Ordinationszeiten für Verdachtsfälle sowie Mund-Nasen-Schutz bei den Untersuchungen von Verdachtsfällen verhindert werden.

Durch die Unterstützung der Hausärzte könnte man vor allem in Großstädten wie Wien Druck aus der angespannten Corona-Situation herausnehmen. Das öffentliche Service, also 1450, könnte sich Rabady zufolge dann auf Contact-Tracing und Screening konzentrieren.

Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, stand dem Vorschlag im Gespräch mit der APA "grundsätzlich positiv gegenüber". "Man muss nur darauf achten, dass das Personal und andere Patienten nicht in die Gefahr einer Ansteckung gebracht werden", so Szekeres.

Patienten dürften etwa auf keinen Fall unangemeldet eine Ordination aufsuchen. Ob ein Arzt Corona-Tests durchführen will, liegt aber letztlich in dessen Ermessen. "Wir können niemanden dazu zwingen", sagte der Präsident.

Auch aus dem Gesundheitsministerium heißt es laut Morgenjournal, dass man den Vorschlag unterstütze. Es gebe Gespräche mit der Gesundheitskasse ÖGK, die Kosten solle der Bund übernehmen. Die beschlossene Aufstockung der Mittel für Schutzausrüstung sei eine Voraussetzung.

Nachholbedarf

Auch Virologe Christoph Steininger appellierte in der ZIB2, dass die Effektivität gesteigert werden müsse. Die steigenden Zahlen seien "Grund zur Sorge", so der Experte.

"Wir haben in den letzten Monaten in vielen Bereichen etwas verschlafen." Wichtig sei deshalb, dass man effizienter und rascher werde.

"Ich habe im Mai schon gefordert, dass es eine digitale Anbindung von Patienten und Personen, die sich testen lassen wollen, direkt ans EMs gibt", sagte Steininger. "Da sehe ich Nachholbedarf."

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