Austria

Kinder- und Jugendorganisationen verlangen Klarheit für Feriencamps

Die Organisationen verlangen Planungssicherheit für sich sowie die Eltern und Kinder.

Der Sommer naht, doch er ist für Familien derzeit kaum planbar. Denn noch weiß niemand, welche Formen der Kinderbetreuung möglich sein werden. Organisationen wie die Bundesjugendvertretung (BJV), SOS-Kinderdorf oder die Kinderfreunde machten am Dienstag darauf aufmerksam und forderten die Regierung auf, an Tempo zuzulegen. Ein wichtiger Punkt sind etwa detaillierte Regeln für Feriencamps.

"Wir rufen die Bundesregierung auf, beitragsfreie Ferienangebote und Betreuungsmöglichkeiten für alle Kinder sicherzustellen", forderte die BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits.

Sie betonte, dass Eltern und Jugendorganisationen jetzt Planungssicherheit brauchen würden. "Sind Kinder und Familien wirklich so unwichtig für die Bundesregierung? Denn schon wieder lassen sie Eltern im Ungewissen, wie Kinderbetreuung im Sommer aussehen soll", sagte Christian Oxonitsch, der Vorsitzende der Kinderfreunde.

Camps und Sommerlager

Viele Eltern werden sich in den Sommermonaten nur eingeschränkt um die eigenen Kinder kümmern können. Dies aus dem Grund, weil in den vergangenen Wochen häufig auch Urlaub konsumiert werden musste, um Kinder zu Hause zu betreuen. Großeltern fallen als Betreuungspersonen wiederum aufgrund gesundheitlicher Risiken vielfach weg. Camps und Sommerlager hätten daher gerade heuer eine wichtige Funktion.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte am Montag bekräftigt, dass man solche Betreuungsformen grundsätzlich ermöglichen wolle. "Wir sind gerade dabei, das zu finalisieren. Wir möchten da Wege finden in Richtung einer positiven Lösung", sagte der Minister. Doch für viele Anbieter läuft die Zeit davon.

"Solange es seitens der Regierung keine Richtlinien dazu gibt, können unsere ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen keine Angebote organisieren", erklärte Magdalena Bachleitner, ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Jugend Österreich. Einige Angebote wurden bereits abgesagt, weitere würden wohl zwangsläufig folgen müssen.

Nicht alle Fragen beantwortet

"Leider sind mit den jetzigen Regelungen für Jugendarbeit und Beherbergungsbetriebe nicht alle Fragen beantwortet. Kinder- und Jugendorganisationen haben weiter mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen, was zum Beispiel Übernachtungen in Zelten, Essensausgaben oder Abstandsregeln betrifft", sagte Isabella Steger aus dem BJV-Vorsitzteam.

Eine andere Möglichkeit zur Unterstützung der Eltern brachte SOS-Kinderdorf ins Spiel. "Wir schlagen schon lange eine vierwöchige Betreuungskarenz für Eltern schulpflichtiger Kinder vor", so Geschäftsführer Christian Moser. Mit dieser Karenz könnten Eltern nach Zustimmung des Arbeitgebers bis zu vier Wochen pro Jahr ihre Kinder zu Hause betreuen und analog zur Pflege- oder Bildungskarenz ein Karenzgeld beziehen.

Positive Aussichten für betroffene Familien gab es am Dienstag aus der Diözese St. Pölten. Denn durch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen sei eine Wiederaufnahme des Omadienstes des Katholischen Familienverbands wieder möglich, teilte dieser mit. "Unter gewissen Umständen kann eine Betreuung durch eine unserer Leihomas wieder möglich sein", hieß es in einer Aussendung. Angehörigen von Risikogruppen ist eine Aufnahme der Betreuung jedoch nicht möglich.

Betreuungsbedarf für 180.000 Kinder 

Die Arbeiterkammer (AK) schätzt, dass sich für mindestens 180.000 Kinder im Pflichtschulalter ein zusätzlicher Betreuungsbedarf im Sommer ergeben wird. Das würden Berechnungen auf Basis einer Umfrage des IFES-Instituts zeigen, hieß es in einer Aussendung. "Die Bundesregierung muss ein Hilfspaket für die Eltern schnüren", forderte AK-Wien-Bildungsexpertin Melitta Aschauer.

Es brauche nicht nur rasch Klarheit über die Corona-Regeln, unter denen Betreuungsformen angeboten werden können, sondern auch die Zusage, dass solche flächendeckend und beitragsfrei zur Verfügung gestellt werden können. Jungen Erwachsenen, die in einer Sozialberuf-Ausbildung sind, sollte angeboten werden, in der Ferienbetreuung mitzuarbeiten. Das könnte auch als Pflichtpraktikum gewertet werden, schlug die AK vor.

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