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Switzerland

«Aeschbacher» und «Schawinski» abgesägt: Verstummt der Talk bei SRF für immer?

Talk ist Trumpf – aber nicht bei uns: Am Freitag feierten die Moderatoren Barbara Schöneberger (45) und Hubertus Meyer-Burckhardt (63) die Königin aller Gesprächsformate – das 40-Jahr-Jubiläum der «NDR Talk Show». Auch in seiner 856. Sendung zeigte das hervorragend harmonierende Paar, wann und wie das klassische Fernsehen seine Trümpfe ausspielen kann – wenn es direkt, authentisch und vor allem unterhaltsam ist.

Wann genau Schawinski beim SRF geht, ist noch offen

Man ist verwundert: Während die ARD ihr Angebot an Talkshows gerade massiv ausbaut, zieht das Schweizer Fernsehen bei diesen eher billigen Formaten einen Stecker nach dem anderen. Ende  2018 wurde «Aeschbacher» abgesägt – nach 18 erfolgreichen Jahren. Und jetzt fällt auch «Schawinski» dem Spardruck zum Opfer. Wann genau der Montags-Talk von Roger Schawinski (74) ausläuft, ist noch unklar. Er will ein Projekt starten, offenbar im Ausland – nicht im Medienbereich.

Unterhaltsamer Ausklang mit hochkarätigen Gästen 

«Talkshows waren immer Begegnungsorte. Sie ermöglichen es einem breiten Publikum, andere Lebensentwürfe unmittelbar und authentisch kennenzulernen», sagt Kurt Aeschbacher (70) zu SonntagsBlick. «Sie helfen auch heute in einer digitalen Welt, dass man sich über gesellschaftliche Entwicklungen eine Meinung bilden kann. Und sie geben Musikern, Autoren und anderen Künstlern eine Chance, über ihre Arbeit zu berichten.»

Genau das fehlt jetzt bei SRF. Hier ist nicht die Rede von Sendungen wie «Club» oder «Arena» – sondern von einem Genre, in dem geistreich, witzig und oft auch unterhaltend palavert wird und das erst noch günstig produziert werden kann. Auch Schawinski sorgte eben nicht nur mit seinen Polit-Gesprächen, sondern auch in leichteren Talks für einen unterhaltsamen Ausklang am Montagabend – wenn er Leute wie Thomas Gottschalk (69), Polo Hofer (†72) oder Hazel Brugger (25) zu Gast hatte.

ARD und ZDF im Talk-Fieber

SRF zieht der Konversation also den Stecker. Ganz anders die ARD: Sendungen, die bisher freitags in den dritten Programmen ausgestrahlt wurden, laufen neu auch im Ersten. Unter dem gemeinsamen Label  «Talk am Dienstag» werden die Sendungen «3nach9», die «NDR Talk Show» und der «Kölner Treff» jeweils am späteren Dienstagabend im Hauptkanal wiederholt. Komplettiert wird die Talkshow-Offensive durch das neue Format «Hier spricht Berlin» mit den Moderatorinnen Jessy Wellmer (39) und Eva-Maria Lemke (37), das der RBB beisteuert. 

Damit wird in der ARD praktisch täglich getalkt: Am Montag läuft auf bestem Sendeplatz (21 Uhr) «Hart aber fair» mit Frank Plasberg (62), am Mittwoch um 22.45 Uhr ist auch noch «Maischberger» programmiert. Auch im ZDF wird eifrig getalkt – allein von Dienstag bis Donnerstag spätabends mit Markus Lanz (50), wo spannende Menschen ihre Geschichten erzählen. Der Sender kennt die Bedürfnisse des Publikums. Roger Schawinski formuliert es gegenüber SonntagsBlick so: «Talkshows sind für die Profilierung jedes Senders unglaublich wichtig.»

Radio-SRF-Talkshow «Persönlich» ist ein Dauerbrenner

SRF hat jetzt vor allem ein Problem damit, wie es auf aktuelle Ereignisse schnell reagieren und aktuelle Protagonisten aufbieten will. Kürzlich hatte beim CS-Skandal der «Club» kläglich versagt und mit einem «Bettmümpfeli» über Wunderkinder gelangweilt. Und die «Arena» ist derzeit von den Wahlen besetzt. Schawinski war der Einzige, der das Thema bei SRF letzten Montag vertiefte. Was wäre ohne ihn passiert?

Die SRF-Radioabteilung macht es besser: Dort gibt es immerhin noch die legendäre Sendung «Persönlich». Am 4. April 1976 begrüsste Charles Clerc (76) zu einer «neuen Sendung, die eigentlich eine uralte Sendung ist, nämlich ein Gespräch». Die Show, in der immer wieder auch Leute aus Sport und Kultur auftreten, hält sich bis heute rüstig. Stolze 474'000 Menschen hören sich den Evergreen jeden Sonntagmorgen an.

«Wichtiger Stellenwert in einer offenen Gesellschaft»

Für Talk-Legende Kurt Aeschbacher ist klar: «Talkshows haben auch in Zukunft einen wichtigen Stellenwert in einer offenen Gesellschaft, denn sie ermöglichen es, andere besser zu verstehen und im besten Fall auch für sein eigenes Leben Erkenntnisse zu gewinnen. Dies in einer Welt, in der Zuhören und gute Gespräche immer seltener werden.»

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