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Alarmierende Zahlen: Schon 30 Bauern starben 2018 bei Arbeitsunfällen

Landwirt L. H.* (58) aus Egolzwil LU hatte mehr als einen Schutzengel. Am 19. Juni war er in steilem Gelände mit Traktor und Heuschwader unterwegs. Als er aus der Parzelle fahren wollte, klemmte plötzlich die Gangschaltung und der Traktor nahm Fahrt auf. «Dann sah ich nur noch, dass es bergab ging», sagt H.

Die Fahrzeugkombination stürzte eine Böschung hinunter, überschlug sich und kam schliesslich neben einem Wohnhaus zum Stillstand. «Ich war etwa sechs Meter im freien Fall», sagt H. Während des Absturzes gelang es ihm, in der Fahrzeugkabine zu bleiben. «Ich hielt mich so stark am Steuer fest, dass es danach ganz krumm war.»

H. kam mit einer Verletzung am Kopf und einem eingedrückten Rückenwirbel davon. Rückblickend sagt er: «Ich könnte auch gelähmt oder gar tot sein.»

Senioren und Jugendliche sterben am meisten

Andere haben weniger Glück. Im laufenden Jahr verzeichnete die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) bereits 30 tödliche Unfälle. 2017 waren es noch deren 23 gewesen. «Wir stellen in diesem Jahr eine Zunahme von besonders schweren Arbeitsunfällen fest», sagt Thomas Bachmann, technischer Leiter bei der BUL. Die meisten ereignen sich mit Traktoren und Transportern, die im steilen Gelände eingesetzt werden können.

Betroffen sind laut dem Sicherheitsexperten vor allem ältere Bauern. Die zweitgrösste Unfallgruppe bilden Jugendliche. Erst vor wenigen Tagen ist eine 18-jährige Lehrtochter in Grabs SG ums Leben gekommen, nachdem sie mit einem Motorkarren rückwärts einen ansteigendem Feldweg befuhr, von diesem abkam und sich überschlug. «Solche Fälle geben mir besonders zu denken», sagt Bachmann.

Über mehrere Jahre betrachtet, gehen die Unfallzahlen leicht zurück. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die Anzahl Beschäftigter in der Landwirtschaft zwischen 2007 und 2017 um 11 Prozent gesunken ist.

Trockene Böden so gefährlich wie nasse

Die Unfallhäufung 2018 führt Bachmann mitunter auf die klimatischen Bedingungen zurück. Die anhaltende Trockenheit sorge für harte Böden und schlechte Bodenhaftung. «Sehr trockene Böden sind genauso gefährlich wie sehr nasse», erklärt Bachmann. Insbesondere ältere Landwirte würden sich selbst überschätzen und von den schwierigen Bodenverhältnissen überrascht.

Zudem würden viele Bauern die wohl bekannten Sicherheitsmassnahmen nicht konsequent umsetzen, kritisiert Bachmann. So werde das Tragen von Sicherheitsgurten in der Landwirtschaft weitgehend ignoriert. «Gurte könnten manch einen Todesfall verhindern.» Bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen sind sie gemäss Strassenverkehrsgesetz nur auf Strassen und dort ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h obligatorisch, nicht aber auf Feld- und Waldwegen oder in steilem Gelände. «Wir fordern eine allgemeine Gurtentragpflicht für Traktorfahrer auf sämtlichen Belägen», sagt Bachmann.

Warum heuer auch überdurchschnittlich viele Jugendliche verunfallen, kann sich Bachmann nicht erklären – zumal die BUL die Unfallprävention in den letzten Jahren verstärkt habe. «Die schweren Arbeitsunfälle mit Jugendlichen zeigen, dass wir noch mehr tun müssen in diesem Bereich», so Bachmann.

Mehr Gefahren als in anderen Berufen

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, machen die schweren Unfälle in den letzten Monaten betroffen. «Gerade wenn Jugendliche tödlich verunfallen, geht mir das sehr nah», sagt er. «Für die betroffenen Familien und die Lehrmeister sind das enorme Schicksalsschläge.»

In der Landwirtschaft seien die Gefahrensituationen zahlreicher als in vielen anderen Berufen, was speziell auf den Umgang mit Tieren und Maschinen, vor allem in anspruchsvollem Gelände zurückzuführen sei. «Am steilen Hang braucht es nur einen kleinen Fehler, damit eine gefährliche Situation entstehen kann und sich ein Fahrzeug im Extremfall überschlägt», sagt Ritter.

Für das Bedienen von Fahrzeugen in steilem Gelände brauche es daher viel Erfahrung – Erfahrung, die bei den Auszubildenden nicht immer vorhanden sei. Dass die Landwirte ihre Lehrlinge zu früh für schwierige Aufgaben einsetzen, glaubt der CVP-Nationalrat aber nicht. «Man muss den Jungen das Vertrauen schenken. Irgendwann müssen auch sie anfangen, Fahrzeuge im Gelände zu steuern.» Wichtig sei, sie eng zu begleiten und für die Gefahren zu sensibilisieren.

*Name der Redaktion bekannt

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