Switzerland

Black Friday in Corona-Zeiten: Schnäppchenjagd verlagert sich ins Internet

Die neusten Entwicklungen

Der aus den USA importierte Shopping-Event Black Friday nimmt in der Schweiz immer grössere Ausmasse an. Dieses Jahr steht er ganz im Zeichen der Pandemie. Die Schnäppchenjagd im Überblick.

Auch in der Corona-Pandemie werden Geschäfte an Black Friday rege besucht.

Auch in der Corona-Pandemie werden Geschäfte an Black Friday rege besucht.

Ennio Leanza / Keystone

Neuste Entwicklung

  • Weil wegen der Corona-Pandemie viele Kunden von zuhause aus einkaufen, profitieren vor allem Onlinehändler. «Bei unseren Fachmärkten registrieren wir im Online-Bereich etwa eine Verdoppelung der Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr», sagte Migros-Sprecher Marcel Schlatter auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Zusammen hätten die starken Frequenzen im Onlineshop und «kontrollierte Besuche in den Filialen» der Migros ein Umsatzplus beschert, das in etwa den Erwartungen entspreche, sagte Schlatter. Besonders nachgefragt seien ICT-Produkte, aber auch andere Artikel für Weihnachten und für das Homeoffice, sagte er.
  • Auch die Migros-Tochter Digitec Galaxus profitiert vom Trend zum Online-Einkauf. «Wir sind sehr gut gestartet. Bereits kurz nach Mitternacht waren die ersten Produkte ausverkauft», heisst es beispielsweise bei Digitec Galaxus. Staubsauger und Kaffeemaschinen seien in der ersten Stunde des Rabatt-Tages weggegangen «wie warme Weggli», sagte Unternehmenssprecher David Kübler. Besonders beliebt sind laut Kübler dieses Jahr Mobiltelefone, Computer, Fernseher sowie alle Arten von Haushaltsartikeln und Spielwaren.
  • Auch bei Coop sei der Onlinebereich besonders stark, wie Sprecher Andrea Ruberti gegenüber AWP sagte. Auf der Onlineplattform Coop.ch, aber auch bei den Fachmärkten wie Microspot.ch oder The Body Shop gebe es eine erhöhte Nachfrage. Der Onlinebereich habe bereits seit Frühling deutlich zugenommen, was sich heute noch bestätige, ergänzte Ruberti. Er führt diese Zunahme auf die Coronapandemie zurück, wegen der viele Konsumenten auf Onlineshopping umgestiegen seien. Doch auch im stationären Bereich seien die Black-Friday-Angebote, die Coop verkauft, sehr beliebt. Die Umsätze hätten sich nach bisherigem Stand für den heutigen Tag «erwartungsgemäss» entwickelt, sagte der Sprecher.
  • Das Geschäft brummt auch bei Brack.ch, wie Unternehmenssprecher Daniel Rei auf Anfrage sagt: «Der Verkauf unserer Black-Friday Angebote ist sehr gut angelaufen.» Am beliebtesten seien nach einer ersten Einschätzung dieses Jahr bei den Kunden Unterhaltungselektronik und IT-Produkte. Auch Brack stellte deutlich mehr Besucher auf seiner Seite fest als im Vorjahr.
  • Etwas anders sah es am Vormittag bei der Coop-Tochter Interdiscount aus: Die Seite war zeitweise nicht mehr erreichbar. Wie Coop-Sprecher Andrea Ruberti sagt, gehe man derzeit davon aus, dass der grosse Ansturm auf die Black-Friday-Angebote die Seite ausser Gefecht gesetzt hat. Inzwischen ist die Seite aber wieder verfügbar.

Lektüre zum Black Friday

Hier die wichtigsten Antworten zum grossen Tag der Schnäppchenjäger

In den USA hat das Einkaufen am Tag nach Thanksgiving eine lange Tradition. Nach dem offiziellen Feiertag nutzen viele Amerikaner die Gelegenheit, am Black Friday einzukaufen. Zur Herkunft des Namens kursieren unterschiedliche Theorien. Der «schwarze Freitag» wird etwa mit dem Gedränge in den Läden assoziiert, oder es heisst, dass die Detailhändler eben an diesem Tag erstmals im Geschäftsjahr schwarze Zahlen geschrieben hätten.

Die Warenhausgruppe Manor hat den Aktionstag 2015 in ihre Läden gebracht. Seither beteiligten sich immer mehr Detaillisten daran. 2016 machten rund 30 Händler mit, mittlerweile sind es mehr als 300, wie die Plattform blackfriday.ch schätzt. Mit von der Partie sind nicht nur Modeketten, Elektronikhändler oder Warenhäuser. Auch Telekomfirmen, Fluggesellschaften, Reiseveranstalter oder Coiffeure sowie Anbieter im höherpreisigen Segment wie Globus oder Apple locken mit Preisnachlässen. Laut der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz werden dieses Jahr 65 bis 75% der Detailhändler Black-Friday-Rabatte anbieten. 2016 waren es noch lediglich 20% gewesen.

Daneben gibt es Detailhändler, die sich von der Rabattschlacht bewusst fernhalten – und dies teilweise marketingmässig für sich zu nutzen versuchen. Das Schuhhaus Walder wirbt etwa gezielt damit, indem es an diesem Tag seine Schaufenster mit schwarzen Schafen dekoriert und einen Teil der Tageseinnahmen an wohltätige Organisationen spendet. Andere Firmen verweisen auf das Argument der Verlässlichkeit und die Rabattaktionen während des Jahres.

Die Händler beschränken sich nicht auf den Black Friday, sondern lancieren die Rabattschlacht immer früher. So wird etwa der am 11. November stattfindende Singles’ Day aus China auch hierzulande beliebter. Vor zwei Jahren nahmen erst 4 Detaillisten teil, 2018 waren es rund 50, und in diesem Jahr waren es sogar weit über hundert. Inzwischen hat sich daraus eine ganze Rabattwoche entwickelt, die ihren Abschluss am nächsten Montag mit dem Cyber-Monday findet.

Die beiden Trends «Rabattschlacht» und «Online-Shopping» haben einen bemerkenswerten Nebeneffekt. Mittelfristig dürfte der Schweizer Detailhandel im November mehr umsetzen, als im üblichen Rekordmonat Dezember. Zu diesem Schluss kommt Martin Hotz, Detailhandelsexperte bei Fuhrer & Hotz. Das Phänomen wird laut Hotz dadurch verstärkt, dass immer mehr Konsumenten am Black Friday immer grössere Einkäufe tätigen. Die Aktionen im November würden genutzt, um etwa alte Geschirrspülmaschinen oder Kühlschränke durch neue Geräte zu ersetzen.

Der Black Friday ist der umsatzstärkste Aktionstag des Jahres. Das Portal blackfridaydeals.ch erwartet, dass dieses Jahr an diesem Tag in der Schweiz ein Umsatz von rund 500 Millionen Franken im Non-Food-Bereich erzielt wird. Während der Cyber-Week vom 23. bis zum 30. November rechnet das Portal mit einem Non-Food-Umsatz von insgesamt 1,5 Mrd. Fr.

Wie eine Umfrage von blackfridayschweiz.ch zeigt, wollen 87% der Befragten den Aktionstag für Einkäufe nutzen. Das sind 22 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Ganz oben auf der Liste stehen Elektronikartikel, Kleidung und Schuhe sowie Haushaltsgeräte. Die Corona-Krise hat direkte Auswirkungen auf den Konsum: Vor allem Haushalt und Deko seien dieses Jahr am Black Friday mehr gefragt als in Vorjahren. Der Bereich ist in der Umfrage auf dem dritten Platz der Kaufabsichten gelandet.

Der Anteil an Online-Verkäufen am Shopping-Tag nimmt dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie stark zu. Bisher lag er bei rund 20%, jetzt werden 25% erwartet. Gemäss einer Umfrage von blackfriday.ch haben über 35% der Befragten angegeben, dieses Jahr ausschliesslich online einkaufen zu wollen.

Beteiligten sich am Black Friday ursprünglich in erster Linie Ladengeschäfte, mischt der Onlinehandel inzwischen kräftig mit. Überhaupt wächst seit der Pandemie der Anteil der Online-Shopper in einem noch nie da gewesenen Tempo. Der traditionelle Verkauf in den Geschäften ist in einigen Sektoren sogar rückläufig.

Je jünger die Kunden sind, desto stärker wachsen laut der Kreditkartenfirma Swisscard deren Ausgaben an diesem Aktionstag. Zudem ist der Shopping-Event vor allem für Konsumenten in der Alterskategorie bis 55 Jahre relevant. Bei älteren Kunden und bei Personen mit einem Einkommen ab 300 000 Fr. stösst der Black Friday auf weniger Interesse.

Laut der Erhebung der Plattform blackfriday.ch gehen 18% der Käufer davon aus, dass sie am Black Friday mehr als 1000 Fr. ausgeben werden. 2019 waren es nur 7% gewesen. Haben die Schnäppchenjäger vor zwölf Monaten noch durchschnittlich 310 Fr. für Einkäufe ausgegeben, dürfte auch dieser Wert in diesem Jahr voraussichtlich stark ansteigen.

Viele Anbieter sind gefordert. Sie müssen temporär mehr Personal einstellen und gewährleisten, dass der Online-Shop und die Logistik einem Ansturm standhalten. Als der Aktionstag in der Schweiz eingeführt wurde, hatten die Detailhändler auf ihren Produkten noch auf breiter Front Rabatte gewährt. Heute gehen sie selektiver vor und überlegen sich genauer, auf welchen Produkten die Preisnachlässe am meisten Erfolg versprechen.

Offenbar werden zum Teil ältere Generationen von Elektronikgeräten mit Rabatten auf dem ursprünglichen Verkaufspreis beworben. Oder im Online-Shop wird den Kunden mit dem Ablaufen einer Uhr beziehungsweise der Anzeige, wie viele Produkte noch erhältlich sind, eine Dringlichkeit suggeriert, die sie zum Kaufen verleiten soll.

Die Detailhändler wollen mit den Aktionstagen die Umsätze ankurbeln. Laut dem Marktforschungsinstitut GfK geht die Rechnung allerdings für die wenigsten auf. Die Konsumenten geben laut dessen Untersuchung nämlich insgesamt nicht mehr aus, sondern ziehen vor allem ihre Weihnachtseinkäufe vor.

Die gewährten Rabatte verschärfen auch den Druck auf die Margen. Die Detailhändler begeben sich freiwillig in eine Preisspirale nach unten, der sich immer weniger Konkurrenten entziehen können. Dennoch kann sich der Aufwand für die Händler lohnen, wenn sie geschickt vorgehen. Sie kaufen etwa speziell für die Aktionswochen bestimmte Waren ein und handeln dafür mit den Herstellern bessere Konditionen aus. Damit können sie niedrigere Preise bieten und an den Aktionen verdienen.

Für die Kunden bietet sich die Möglichkeit, die geplanten Käufe deutlich günstiger zu tätigen als an einem normalen Verkaufstag. Allerdings kann sich das vermeintliche Schnäppchen im Nachhinein auch als Fehlkauf entpuppen. Der Shopping-Event ist in der Schweiz nach wie vor beliebt.

In einer Umfrage von Demoscope im Auftrag des Portals blackfridaydeals.ch möchte fast jeder zweite Schweizer den Black Friday abschaffen. Es wird bemängelt, dass es um einen zusammenhangslosen Import aus den USA gehe, der mit Schweizer Tradition nichts zu tun habe. Auch werde der Überkonsum gefördert, wird kritisiert. Zudem werde vermutet, dass gewisse Händler bei ihren Angeboten nicht ganz korrekt vorgingen.

Gegenbewegungen nehmen den Black Friday denn auch als Anlass dafür, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. So propagiert etwa der White Monday einen nachhaltigen und bewussten Konsum. Auch die Teilnehmer der «Fridays for Future»-Demonstrationen wollen ein Zeichen gegen überflüssigen Konsum auf Kosten der Umwelt setzen. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat dazu aufgerufen, am umsatzstarken Einkaufstag Black Friday nicht unnütz einzukaufen. «Überkonsum zerstört die gegenwärtigen und künftigen Lebensbedingungen und den Planeten selbst», schrieb die 17-jährige Schwedin am Freitag im Zuge ihres Online-Klimaprotests auf Twitter und Instagram. «Kauft kein Zeug, das ihr nicht braucht.»

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