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Das verrückte Projekt von drei Nati-Fans: Mit dem Traktor an die Fussball-WM!

Aus den Kaffeegläsern steigt eine kräftige Duftwolke. Zwischendurch gönnt man sich noch ein zusätzliches Schnäpschen. Und als die Stunde fortgeschritten und der Promille-Pegel leicht angestiegen ist, wird die Diskussion immer verwegener. Die Schweiz hat sich für die Fussball-WM in Russland qualifiziert. «Da fahren wir hin», sagt Werner Zimmermann zu seinem Kumpel Beat Studer. «Aber dann mit dem Traktor», antwortet dieser mit schon leicht euphorisierter Stimme.

Aus der Schnapsidee, geboren an einem Novemberabend in einer Beiz in Küssnacht am Rigi, wird ein kühnes Projekt. Jetzt, einige Monate später, sitzen Zimmermann und Studer zusammen mit Josef Wyer auf ihrem Gefährt. Einem restaurierten Bührer mit Jahrgang 1964, den sie liebevoll «Gritli» getauft haben. «In Anlehnung an meine bessere Hälfte Mar­grith», sagt Studer.

«Mehr als 30 km/h geht nicht»

Er holt das Gritli aus der Scheune, hoch über dem Vierwaldstättersee. Es knattert und rattert, schwarzer Rauch steigt auf. Der weltweite Dieselskandal ist in der Innerschweiz noch nicht angekommen. Dafür ist die Vorfreude auf die wohl verrückteste Fanreise der WM spür- und greifbar.

Am Samstag geht es los. Der ehemalige Bobpilot Martin Annen wird den Traktor anschieben. Und dann heisst es «Kopfhörer aufsetzen» und losrattern. Fünf bis sechs Stunden täglich wollen sie fahren. 14 Tage sind für die 1800 Kilometer bis nach Kaliningrad eingeplant. «Wir fahren mit rund 30 Stundenkilometer. Mehr geht nicht», sagt Studer.

Er und Zimmermann werden sich im Führerstand abwechseln. Der dritte Mann fährt im Wohnmobil mit. «Wir wollten zuerst einen Anhänger mit Chalet mitnehmen. Aber ein so langes Gefährt wäre zu gefährlich gewesen. Weil wir halt doch das eine oder andere Mal überholt werden.»

Die Route führt unter anderem mitten durch Berlin. «Ob wir unter dem Brandenburger Tor durchfahren, müssen wir noch schauen», sagt Studer. Danach geht es quer durch Polen. Es gibt einige Empfänge unterwegs. Aber wohl auch viele Erlebnisse. «Wir pflegen die Kameradschaft und möchten viele Menschen treffen», so Zimmermann.

Am Samstag heisst es «Kopfhörer aufsetzten» und losrattern. play

Am Samstag heisst es «Kopfhörer aufsetzten» und losrattern. SVEN THOMANN

Es werden auch einige Medientermine auf die drei Nati-Fans warten. Das deutsche Fernsehen, das polnische und das russische haben sich schon für Beiträge angemeldet. «Wir wollen auch ein wenig die Werbetrommel rühren. Denn das ganze Projekt hat einen karitativen Hintergrund. Wir tragen alle Kosten selber. Alles Geld, das wir sammeln, spenden wir der Stiftung ‹Freude herrscht› von Adolf Ogi», sagt Wyer.

Planänderung, sollte Nati in den Final kommen

Und auch das Motto ist gegeben. Von der Rigi, der Königin der Berge, nach Königsberg, das heute ja Kaliningrad heisst. Exakt zum Spiel Schweiz gegen Serbien wollen die drei Freunde vor dem Stadion vorfahren. Und dann im Schweizer Trikot und mit Fahne die Nati zum Sieg anfeuern. «Wenn sie gewinnen feiern wir bis am Sonntag, wenn sie verlieren fahren wir schon am Samstag zurück», sagt Zimmermann.

Zurück heisst in diesem Fall bis nach Polen. Dort wird der Traktor verladen. «Nochmals zwei Wochen unterwegs zu sein liegt nicht drin», sagt Wyer. Einzig wenn die Schweiz in den WM-Final kommen sollte, könnten sich die Reisepläne ändern. «Dann», lacht Zimmermann, «müssen wir nochmals über die Bücher.»

Exakt zum Spiel Schweiz gegen Serbien wollen die drei Freunde vor dem Stadion vorfahren. play

Exakt zum Spiel Schweiz gegen Serbien wollen die drei Freunde vor dem Stadion vorfahren. SVEN THOMANN

Aber jetzt muss Gritli erst mal den Weg nach Kaliningrad finden. Und die drei Freunde hoffen, dass ihr Veteranen-Traktor ohne schwere Panne durchkommt. Das restaurierte Gefährt ist zwar in einem Topzustand. «Aber mehr als 100 Kilometer sind wir noch nicht gefahren.»

Und klar ist auch: Mit einem Schnaps wird man auf diese Schnapsidee erst wieder in Russland anstossen. Vorher gilt die ganze Aufmerksamkeit der beschwerlichsten und ausgefallensten Reise der Schweizer Fussballgeschichte.

So läuft das Traktor-Projekt

Die verrückte Fanreise mit dem Traktor nach Kaliningrad hat karitativen Charakter. Der gesamte Erlös ist für die Stiftung «Freude herrscht» von alt Bundesrat Adolf Ogi bestimmt. Blick und Blick.ch werden in regelmässigen Abständen über die Reise der drei Innerschweizer Werner Zimmermann, Beat Studer und Josef Wyer informieren. Weitere Informationen zur Traktorfahrt gibt es auch auf www.wmtraktor18.ch

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