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Die 7 wichtigsten Punkte zur Situation in den Zürcher Spitälern

Der Kanton Zürich hat informiert. Bild: keystone

Die 7 wichtigsten Punkte zur Situation in den Zürcher Spitälern

«Die Lage ist ernst, aber wir haben es im Griff». Das sagte Regierungsrätin Natalie Rickli zur Situation im Kanton Zürich. Das sind die sieben wichtigsten Punkte von der heutigen Pressekonferenz.

Wie die Lage im Kanton Zürich ist

Gestern wurden im Kanton Zürich 1082 Neuinfektionen registriert. Natalie Rickli, die Regierungsrätin des Kantons Zürich, sagt, der Kanton habe die Situation im Griff. Dennoch sei die Lage ernst.

Die Spitäler hätten die Zeit gut genutzt. Es wurde zusätzliches Personal ausgebildet: 86 um genau zu sein. Bis Ende Jahr werden 106 zusätzliche Pflegende für die Intensivstationen ausgebildet sein. Ebenfalls wurden zusätzliche Beatmungsgeräte beschafft. Das ermöglicht den Spitälern, die anstehenden zusätzlichen Einweisungen so gut es geht zu meistern.

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli. Bild: keystone

Die Gesundheitsdirektion lässt den Spitälern noch freie Hand. Die Koordination und Kommunikation untereinander funktioniere gut, sagt die Regierungsrätin. Momentan seien noch keine Wahleingriffe verboten und man hätte vertrauen in die Spitäler.

So sehen die konkreten Zahlen aus

Gestern um 14.30 Uhr waren 221 Personen wegen dem Coronavirus im Spital – 26 davon auf der Intensivstation. 21 benötigen eine künstliche Beatmung.

Es wären noch genügend Betten frei, sagt Jörg Gruber, Leiter der Abteilung Versorgungsplanung Gesundheitsdirektion Zürich. Konkret: Ungefähr 400 Spitalbetten sind frei, davon 48 auf der Intensivstation. Diese Kapazitäten können um den Faktor 1.5 ausgebaut werden.

Wenn sich aber nichts ändert, würde die Situation schon bald sehr belastend sein, mahnt Gruber. Wenn die Fallzahlen weiterhin so ansteigen, würden in vier Wochen 400 Menschen ein Spitalbett benötigen. Der Grund: Die Hospitalisationen hinken den Fallzahlen um ungefähr 2-3 Wochen hinterher.

Jörg Gruber. Bild: keystone

Das ist der Drei-Phasen-Plan

Die Zürcher Gesundheitsdirektion und die Spitäler folgen einem Drei-Phasen-Plan. Dieser sieht folgendermassen aus:

Phase 1

Die Spitäler sorgen mit ihrer eigenen Organisation für genügend Kapazitäten. Bei Bedarf können sie Wahleingriffe aussetzen und zusätzliches Fachpersonal aktivieren. Ebenfalls können sie mit anderen Spitälern die Kapazitäten koordinieren. Die Gesundheitsdirektion könne zur Hilfe eingreifen, aber das sei «momentan noch nicht nötig».

Phase 2

Sobald die Spitäler an ihre Grenzen stossen, wird die zweite Phase eingeläutet. Da werde die Ressourcenverteilung auf den Spitälern aktiviert. Spitäler ohne Intensivstationen werden dann umgewandelt in Spitäler mit Intensivstationen. Wenn 270 Intensivstationen belegt sind, werde die dritte Phase eingeleutet.

Phase 3

Hier wird geprüft, ob Patienten auf andere Kantone verteilt werden können. Ebenfalls kann ausländisches Fachpersonal rekrutiert werden, falls nötig. Es besteht hier die Möglichkeit, Notspitäler einzurichten. Auch die Armee kann einbezogen werden.

Warum die Sterblichkeit tiefer ist

In Zürich ist die Sterblichkeit gemäss den Spitalexperten gegenüber der 1. Welle tiefer. Man habe aus der ersten Welle gelernt und wisse nun, wie man mit Corona-Patienten umzugehen hat, sagt Gregor Zünd, Vorsitzender der Spitaldirektion des Universitätsspital Zürich. Die Beatmungsstrategie und auch die Medikamente hätten sich verbessert. Erst im Notfall müsse eine Person auf die Intensivstation verlegt werden.

Gregor Zünd. Bild: keystone

Warum die Behandlungszeit gesunken ist

Aus oben genannten Gründen hätte sich auch die Behandlungszeit – wie lange es dauert, bis eine Person wieder aus dem Spital entlassen wird – verkürzt. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Kapazitäten des Spitals. Wenn die Behandlungszeit kurz ist, werden schneller Betten wieder frei für Personen, die sie brauchen.

Asymptomatisches Personal kann weiterarbeiten

«Wenn Personal in Quarantäne muss, kommt es zu Engpässen», sagt Thomas Brack, Spitaldirektor des Spital Limmattal. Deshalb sei es seit zwei Wochen möglich, Personal, das sich in Quarantäne befindet, aber keine Symptome aufweist, zurück in den Dienst zu rufen.

Thomas Brack. Bild: keystone

Dies würde aber nur bei akutem Personalmangel passieren. Bisher war das nur in Ausnahmen der Fall, versichern auch die anderen Spitaldirektoren. Symptomatisches Personal und Positivgetestete müssten momentan nicht aus der Quarantäne gerufen werden.

Es werde beim Arbeiten immer davon ausgegangen, dass Patient und auch Mitarbeiter Corona-Positiv sind. Deshalb würden die Schutzkonzepte funktionieren, Rolf Zehnder, Direktor des Kantonsspitals Winterthur.

Auch nicht-Covid-Patienten sollen in die Spitäler

«Wer das Spital braucht, soll ins Spital kommen», sagt Zehnder. «Wir sind für alle Patienten da.» Die Bevölkerung solle nicht aus Angst oder falscher Rücksicht auf einen Spitalbesuch verzichten. Im Sommer wurden aus diesen Gründen Herzinfarkte und Schlaganfälle verpasst – das dürfe nicht sein, sagt Zehnder.

Die Schutzkonzepte funktionieren. Die Wahrscheinlichkeit, sich im Spital anzustecken, sei sehr gering – geringer als im Bus, schätzt Zehnder.

Rolf Zehnder. Bild: keystone

«Wir brauchen keinen Applaus.»

«Es braucht uns alle», wird von der Gesundheitsdirektion und den Spitälern appelliert. «Deshalb müssen wir alle jetzt die Massnahmen einhalten.» Im Spital seien auch jüngere Patienten zwischen 20 und 40 Jahren. Es seien also nicht nur die über 80-Jährigen, die eine Behandlung benötigen.

Auch Rickli spricht zur Bevölkerung: «Bitte halten Sie Abstand, bitte vermeiden Sie Kontakte», sagt die Gesundheitsdirektorin.

Die Spitäler wollen kein Lob. «Wir brauchen keinen Applaus», sagt Zehnder. «Wir brauchen die Disziplin der Bevölkerung.»

(cki)

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