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Die Oscars sind nicht auf der Höhe der Zeit

Die Reformen bei der Akademie greifen nicht – und das wird noch länger so bleiben. Wie Umwälzung geht, demonstriert dagegen Netflix.

Shootingstar Awkwafina («The Farewell»): Bei den Golden Globes als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, bei den Oscars ignoriert. Foto: Ascot Elite

Shootingstar Awkwafina («The Farewell»): Bei den Golden Globes als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, bei den Oscars ignoriert. Foto: Ascot Elite

Spätestens seit dem #OscarsSoWhite-Aufschrei vor vier Jahren versucht man in Hollywood ja krampfhaft den Umbau: Die Akademie soll jünger, weiblicher, durchmischter und internationaler werden. Hunderte neuer Mitglieder wurden eingeladen und aufgenommen, Besserung und Diversität wurden noch und noch versprochen.

Und jetzt das: Von den insgesamt zwanzig Nominationen für Schauspielerinnen und Schauspieler ging nur eine einzige an eine Afroamerikanerin (Cynthia Erivo, «Harriet»). Alle anderen Nominationen haben sich weisse Darstellerinnen und Darsteller gesichert. Die asiatisch-amerikanische Komödie «The Farewell» mit Golden-Globes-Siegerin Awkwafina wurde ebenso ignoriert wie die hochgehandelten Schauspielleistungen einer Jennifer Lopez («The Hustler») oder einer Lupita Nyong'o («Us»). Da möchte man fast von Glück reden, dass immerhin der koreanische Thriller «Parasite» von Bong Joon-ho in die Kränze kam.

Chronische Überalterung

Was uns zu Punkt 2 bringt: In der Prestigekategorie Beste Regie wurden einmal mehr nur Männer nominiert (für Filme notabene, in denen es fast ausschliesslich um Männer geht). Wobei in dieser Kategorie in 92 Jahren überhaupt erst fünf Frauen berücksichtigt wurden. Eine davon war Greta Gerwig mit «Ladybird» (2018). Und gerade diese Greta Gerwig wäre nun mit ihrer Literaturverfilmung «Little Women» abermals eine gute Wahl gewesen, doch sie musste sich mit einer Nomination fürs beste adaptierte Drehbuch begnügen.

Und schliesslich Punkt 3: die chronische Überalterung bei den Oscars. Das gilt nicht nur für die Stimmberechtigten der Akademie (die Mitgliedschaft gilt auf Lebenszeit), sondern auch für die Nominierten. Am deutlichsten zu sehen in der Kategorie «Bester Nebendarsteller»: Anthony Hopkins (82), Al Pacino (79), Joe Pesci (76), Tom Hanks (63) und Brad Pitt (56) drücken den Schnitt in dieser Kategorie auf unglaubliche 71,2 Jahre hoch. Und da wundert man sich noch, wo die jungen Zuschauer bei der Oscar-Show bleiben?

68 Prozent Männer, 84 Prozent weisse Wähler

Der Befund ist klar: Der Umbau bei den Oscars läuft viel zu langsam ab. Gemäss «New York Times» besteht die Akademie aktuell immer noch aus 68 Prozent Männern und aus 84 Prozent weissen Wählern. Und dieses Mehrheitsverhältnis wird – Neumitglieder hin oder her – noch geraume Zeit so bleiben.

Wo die Veränderung ungleich rasanter abläuft, lässt sich dafür beim Anteil der Produktionsfirmen beobachten. Noch vor wenigen Jahren führten traditionelle Hollywoodstudios wie Disney, Fox oder Warner ganz selbstverständlich die Liste mit den meisten Nominationen an. Netflix brachte es zwischen 2014 und 2017 gerade mal auf 7 Nominationen. Seit der Streamingdienst eine beispiellose Spielfilm-Offensive gestartet hat, zeigt die Kurve jedoch steil nach oben. Mit dem Resultat, dass es Netflix in diesem Jahr erstmals gelungen ist, die meisten Nominationen (24) zu holen. Die Konkurrenz kann nur noch staunen.

Anzahl Oscarnominationen für Netflix:

2014: 1
2015: 1
2016: 2
2017: 3
2018: 7
2019: 15
2020: 24

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