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Die Polizei in Hongkong geht gegen «Apple Daily» vor – was ist das für eine Zeitung?

«Apple Daily» sieht sich als verbotene Frucht am Baum der Erkenntnis. Damit die Hongkonger nicht weiter in Versuchung geraten, sägt Peking jetzt am Stamm.

«Apple Daily» – im Bild das Gebäude der Muttergesellschaft Next Digital – war die Stimme der Protestbewegung in Hongkong und damit in den Augen der Kommunistischen Partei Chinas ein «sezessionistisches» Blatt.

«Apple Daily» – im Bild das Gebäude der Muttergesellschaft Next Digital – war die Stimme der Protestbewegung in Hongkong und damit in den Augen der Kommunistischen Partei Chinas ein «sezessionistisches» Blatt.

Vincent Yu / AP

Als am Montag eine schier endlose Reihe von Polizisten die Büroräume der Hongkonger Zeitung «Apple Daily» durchsucht, übertragen die Journalisten das live auf Facebook. Als die Polizei dies verbieten will, machen sie weiter, sagen: «Es ist unsere Pflicht.» Grund für die Durchsuchung war die Festnahme des Besitzers der Zeitung, Jimmy Lai, seiner beiden Söhne und mehrerer Chefs der Zeitung. Lai habe mit fremden Mächten konspiriert, so der Vorwurf, ein Vergehen unter dem neuen Gesetz über die nationale Sicherheit, das seit Anfang Juli in Kraft ist.

Vor Montag war es unter dem Gesetz bereits zu fünfzehn Verhaftungen von Demonstranten und Mitgliedern einer prodemokratischen Gruppe im Netz gekommen. Nun wird erstmals ein unabhängiges Medium anvisiert. Auf dem Spiel stehe nichts weniger als die Pressefreiheit in Hongkong, sagen Stimmen aus NGO-Kreisen, der akademischen Welt und der Medienbranche in Hongkong warnend.

Die Boulevardzeitung der Demokratiebewegung

Der Unternehmer und Medienmogul Jimmy Lai hat «Apple Daily» 1995 gegründet. Er benannte die Zeitung nach dem Apfel, der verbotenen Frucht im Garten Eden von Adam und Eva, wie es in der Bibel beschrieben ist. Mit einer aggressiven Preisstrategie und einer seit Beginn offenen Kritik an der Zentralregierung in Peking gewann das Blatt rasch eine grosse Reichweite. Die Boulevardzeitung fokussierte lange auf sensationelle Storys, Skandale, Stars und Sternchen. Sie nutzt oft schriftliches Kantonesisch, die Sprache Hongkongs, statt Mandarin und hat eine gut funktionierende Online-Strategie. Online erreichte sie 2019 am zweitmeisten Leser in Hongkong, gemäss einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters.

Minuziöse Berichterstattung und Live-Streams der Protestbewegungen in Hongkong haben der Zeitung immer mehr Leser aus dem prodemokratischen Lager eingebracht. Auf Youtube hat «Apple Daily» fast 1,7 Millionen Abonnenten. «‹Apple Daily› positioniert sich als Verteidiger der Demokratie und Freiheit», sagt Francis Lee, Professor und Direktor der Journalistenschule an der Chinese University of Hong Kong (CUHK).

In der Vergangenheit habe die Zeitung wenig Glaubhaftigkeit in der Öffentlichkeit genossen, sagt Lee. In einer Umfrage im Jahr 2013 der CUHK zur Glaubwürdigkeit der Hongkonger Medien schnitt «Apple Daily» schlecht ab, auf dem 11. Platz von insgesamt 13. Im Jahr 2019 hingegen erreichte die Boulevardzeitung Rang 3 der glaubwürdigsten Medien in der Stadt. «Die Leute denken vermehrt, dass die Mainstream-Medien starke Selbstzensur übten und nicht über alles berichteten. Daher schätzen sie die Bereitschaft von ‹Apple Daily›, wichtige Ereignisse abzudecken», erklärt der Journalismusprofessor.

Jimmy Lai ist ein Medienmogul ohne Furcht

Jimmy Lai, der Besitzer von Next Digital, der Muttergesellschaft von «Apple Daily», ist heute Milliardär und besitzt ein ganzes Portfolio von Zeitungen und Magazinen. Doch der 71-jährige Medien-Tycoon hat ganz unten angefangen. Mit 12 Jahren kam er als blinder Passagier aus seiner Heimatprovinz Guangdong nach Hongkong. Er arbeitete bereits als Kind in einer Textilfabrik und arbeitete sich zum Textilunternehmer hoch. In einem Interview sagte Lai einmal, dass die blutige Niederschlagung der Studentenproteste rund um den Tiananmenplatz in Peking im Juni 1989 dazu geführt habe, dass er aus der Textil- in die Medienbranche gewechselt habe.

Seine Vorbilder für seine Zeitungen waren Boulevardzeitungen wie «USA Today» oder die britische «The Sun». Er nahm an den prodemokratischen Protesten im Jahr 2014 teil und wurde dafür verhaftet, auch seine Teilnahme an den Protesten von 2019 zog eine Verhaftung nach sich. Mit seiner Peking-kritischen Haltung nimmt er Einfluss auf die Redaktionen seiner Zeitung. Die Kommunistische Partei sieht in ihm einen der Hauptdrahtzieher der teilweise gewaltsamen Proteste, die Hongkong seit einem guten Jahr erschüttern. Peking wirft ihm auch vor, dafür Unterstützung von den USA zu bekommen. Dass er sich mit hochrangigen amerikanischen Politikern wie dem Vizepräsident Mike Pence, dem Aussenminister Mike Pompeo und dem früheren Sicherheitsberater John Bolton getroffen hat, sehen die Behörden als Beweis dafür.

«Jimmy Lai hat vor nichts Angst», sagt Cédric Alviani vom Asienbüro der NGO Reporter ohne Grenzen (RSF) in Taiwan. «Er hat sich für die Demokratie und die Menschenrechte in Hongkong engagiert und dafür enorme Risiken auf sich genommen.» RSF fordert seine Freilassung. Unter dem neuen Sicherheitsgesetz drohe Lai eine lebenslängliche Haftstrafe, sagt Alviani. Dass Lais Söhne, die nicht im Mediensektor tätig seien, auch festgenommen worden seien, sei ein bekanntes Mittel Pekings, Druck auf jemanden auszuüben.

Das Ende der Pressefreiheit in Hongkong?

Hongkong hat eine blühende Presse, preisgekrönte Journalisten und angesehene Journalistenschulen. Bisher waren die Medien weitgehend frei in ihrer Arbeit. Als Grossbritannien die Kolonie Hongkong 1997 an Festlandchina zurückgab, nahm Peking vor allem dadurch Einfluss auf die lokalen Medien, dass es die Besitzverhältnisse in seinem Sinne zu beeinflussen versuchte. So ist zum Beispiel die englischsprachige «South China Morning Post» (SCMP) seit 2015 in den Händen des chinesischen Online-Händlers Alibaba. Die Berichterstattung blieb zwar vielfältig und ausgewogen, doch Beobachter sagen, dass die Redaktion der SCMP gegenüber Peking weniger kritisch geworden sei. Auch werden vermehrt Meinungsbeiträge veröffentlicht, die eine pekingfreundliche Position beziehen.

«‹Apple Daily› war das grösste Symbol der Pressefreiheit in Hongkong», sagt Alviani von RSF. Doch ausser «Apple Daily» gibt es noch eine Reihe unabhängiger Medien mit geringerer Reichweite, die den freien Informationsfluss und die Redefreiheit beschützen, wie «Hong Kong Free Press» und «Hong Kong Citizen News». «Nur schon eine Handvoll mutige Medien stellen sicher, dass die heiklen Geschichten erzählt werden. Die anderen Medien müssen sie dann aufgreifen», sagt Professor Lee.

Doch diese freien Medien seien wohl als Nächstes dran, glaubt Alviani. Noch lebe die Pressefreiheit, noch gebe es Journalisten, die Risiken auf sich nähmen, doch längerfristig werde sich das Mediensystem Hongkongs jenem auf dem Festland angleichen: «Das Ziel des Sicherheitsgesetzes ist die Einschüchterung.» Das Vorgehen gegen Jimmy Lai und «Apple Daily» habe gezeigt, wie das Sicherheitsgesetz angewendet werde.

Der Angriff auf «Apple Daily» rufe bei Journalisten, die politisch heikle Themen aufgriffen, grosse Sorgen hervor und schüchtere sie ein, sagt Professor Lee: «Er wird sehr wahrscheinlich zu noch strengerer Selbstzensur führen.»

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