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Die traurigen Schwestern der Hagia Sophia

Die geplante Umwandlung der Istanbuler Hagia Sophia hat weltweit Kritik und Empörung hervorgerufen – aber sie ist kein Einzelfall. Dasselbe Schicksal ereilte die Sophienkirchen in Iznik und Trabzon, und die Nutzung als Moschee ist ihnen nicht gut bekommen.

Schon seit 2011 wird die Hagia Sophia in Iznik wieder als Moschee genutzt.

Schon seit 2011 wird die Hagia Sophia in Iznik wieder als Moschee genutzt.

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Die Umwandlung der byzantinischen Basilika von einem Museum in eine Moschee geschah fast über Nacht. Schilder wurden ausgetauscht, das Minarett mit Lautsprechern versehen. Bis ins 14. Jahrhundert war der Monumentalbau eine christliche Kirche gewesen, danach beteten dort die osmanischen Eroberer. Er überlebte Feuer und Erdbeben. Mit der Gründung der Türkischen Republik wurde er zum Museum. Erst viel später, als die islamisch-nationalistische AKP in der Türkei an die Macht kam, veranlasste ein führender konservativer Politiker die erneute Umwandlung der ehemaligen Kirche in ein islamisches Gotteshaus.

Die Rede ist von der Hagia Sophia von Nizäa, dem türkischen Iznik, wo einst ein bedeutendes Kapitel der christlichen Kirchengeschichte geschrieben wurde. Dank seinem Einfluss und unermüdlichem Insistieren erwirkte der damalige AKP-Vizeministerpräsident Bülent Arinc 2011 die Umwidmung des Bauwerks zur Moschee.

Nun füllt eine mit Teppichen ausgelegte und von einem Messinggeländer eingefasste Plattform fast das gesamte Kirchenschiff aus. Goldgerahmte Koransuren schmücken die Gebetsnische. Für Tor und Fenster hielten Restauratoren modernes Sichtschutzglas für angebracht. Im Innenraum gehören sichtbar verbaute Lautsprecher, Sicherungskästen, Kabel und Schuhregale jetzt zur Ausstattung der ehemaligen byzantinischen Basilika.

Nicht nur Denkmalschützern bereitete die überhastete Umwidmung der Hagia Sophia in Iznik Kopfschmerzen. Auch lokale Händler und Politiker waren darüber alles andere als glücklich. Die christlichen Glaubenstouristen blieben aus, viele der Hotels in dem Städtchen stehen auch jetzt noch immer monatelang leer.

Im Schatten der Pandemie

Die Hagia Sophia in der Schwarzmeerstadt Trabzon wurde 2013 ebenfalls auf Drängen Bülent Arincs und trotz scharfer Kritik von Architekten und Wissenschaftern als Moschee wiedereröffnet. Die byzantinischen Fresken werden den Blicken der betenden Gemeinde durch ein System von Schirmen und abgehangenen Decken entzogen. Gegen eine seit Dezember 2018 laufende Restaurierung zogen Kritiker vor Gericht, doch trotz einem entsprechenden Erlass gehen die Arbeiten weiter, noch im Juli soll die «Ayasofya-Moschee» wiedereröffnet werden. Man habe die Vergangenheit der Hagia Sophia unter dem Deckmäntelchen der Corona-Pandemie einfach zerstört, sagt Ahmet Kaya, Abgeordneter der grössten Oppositionspartei CHP in Trabzon.

Die grösste und bekannteste der neun in der Türkei bekannten Sophienkirchen, die Hagia Sophia in Istanbul, ist nun die letzte, die ein islamisches Gotteshaus werden soll. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte der ehemaligen byzantinischen Kirche am vergangenen Freitag den Museumsstatus aberkannt. Kurz nach der Bekanntgabe des Entscheids ordnete Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für muslimische Gottesdienste zu öffnen.

Am 24. Juli soll das erste offizielle Freitagsgebet stattfinden; vielleicht nicht ganz zufällig ist dies auch der Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne, der den Grundstein für die moderne Türkei unter Atatürk legte und Erdogan ein Dorn im Auge ist. Die geplante Umwidmung des Monuments, das seit 1985 zum Weltkulturerbe gehört, stiess vor allem auch bei Historikern und Denkmalschützern auf harsche Kritik.

Die türkische Regierung versicherte, dass die Hagia Sophia trotzdem auch weiterhin für alle Besucher geöffnet sei. Banu Pekol, Managerin für Kulturerbe und Beiratsmitglied beim Global Diplomacy Lab, betont jedoch, dass die Annahme, ein Gotteshaus sei trotz seiner religiösen Funktion «für alle offen», keineswegs zutreffe: «Nichtgläubige und Frauen können das Kulturerbe Hagia Sophia in Trabzon nicht in seiner Gesamtheit bewundern», so Pekol. «Die einzige Institution, die diese Freiheit bietet, ist ein Museum.»

Handwechsel per Dekret

Erdogan überschrieb die zuvor dem Kulturministerium unterstellte Hagia Sophia noch am Freitag per Dekret der staatlichen Religionsbehörde Diyanet. Ali Erbas, der Vorsitzende des Amtes, zeigte sich enthusiastisch. «86 Jahre des Entbehrens» seien nun endlich vorbei. Der Theologe kündigte ausserdem an, dass man das symbolträchtige Gebäude nicht allein für Gebete nutzen wolle. Er hoffe auf eine grosse Gemeinde und auf die Einrichtung einer Medrese, einer klerikalen Hochschule, sowie auf die Durchführung theologischer Seminare und Kurse.

Wissenschafter sind nun um die Erhaltung des Kulturerbes besorgt. Figürliche Darstellungen sind im Islam und in Moscheen verboten. Die geplante Umnutzung der Hagia Sophia wirft deshalb die Frage auf, wie mit den wertvollen Fresken und Mosaiken aus byzantinischer Zeit umgegangen werden soll. Erst 2009 entdeckten Restaurateure an der Hauptkuppel das Gesicht eines Seraphs, eines sechsflügeligen Engels. Der damalige Kulturminister Ertugrul Günay sprach von einem «historischen Tag», nicht nur für die Hagia Sophia, sondern «für die christliche Theologie, für die ganze Welt».

In einer ersten Stellungnahme versicherte die AKP-Regierung, keine der christlichen Darstellungen werde entfernt. Die seit vergangenem Freitag für den Monumentalbau zuständige Religionsbehörde erklärte zu Beginn der Woche, die Anwesenheit der Bildnisse störten die Verrichtung der Gebete nicht. Allerdings müssten sie während der Gebetszeiten «auf angemessene Art» verhängt oder verdeckt werden. Wie das geschehen soll, ist einstweilen unklar.

Auch Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy, der die Hagia Sophia am Wochenende als Mitglied einer Expertenkommission besichtigte, blieb die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit den Bildern schuldig. «Das wird eine Überraschung», witzelte er. «Wir werden es am 24. Juli alle zusammen sehen.»

Gefahr für das Bauwerk

Die Unesco bedauerte das eigenmächtige Vorgehen der Türkei. Staaten seien dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass «Änderungen den herausragenden universellen Wert eines Monuments nicht beeinträchtigen», mahnte die Kulturorganisation. Dabei gehe es nicht allein um die Erhaltung von Fresken und Mosaiken, sondern auch um Besucheraufsicht, allgemeine Instandhaltung, Kommunikationsstrategien und Landschaftsgestaltung, so Banu Pekol. Diese Art des Unterhalts sei aber nur durch ein professionell geführtes Museum und das Spezialwissen eines interdisziplinären Expertenteams gewährleistet.

«Weder in Trabzon noch in Iznik ist die Hagia Sophia aufgrund der vielen Eingriffe während der Umwidmung in eine Moschee heute in ihrer ursprünglichen Form zu sehen», erklärt die Denkmalschützerin. «Das bedeutet, dass die nötige Konservierung [dieser Gebäude] ebenfalls nicht stattfindet. Eventuelle Probleme werden durch die Eingriffe verdeckt und erst sichtbar, wenn es zu spät ist.»

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