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Dutzende Tote bei neuen Kämpfen in Berg-Karabach – Schweiz besorgt

In diesem Bild vom armenischen Verteidigungsministerium am Sonntag, dem 27. September 2020, zerstört die armenische Armee aserbaidschanische Panzer. Bild: AP Armenian Defense Ministry

Dutzende Tote bei neuen Kämpfen in Berg-Karabach – Schweiz besorgt

Wie ist die Lage?

Bei neuen Gefechten in der Unruheregion Berg-Karabach zwischen den verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan sind mehrere Dutzend Menschen getötet worden.

Die Zahl der Toten auf armenischer Seite sei auf 58 gestiegen, bestätigte das Verteidigungsministerium in Eriwan am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Demnach starben am zweiten Tag der Gefechte 42 Armenier. Das armenische Militär sprach zudem von Dutzenden Toten auf aserbaidschanischer Seite. Eine Bestätigung aus Baku gab es zunächst nicht.

Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken war am Sonntag wieder aufgeflammt. Beide Seiten berichteten von Beschuss und schwerem Artilleriefeuer. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahren.

Die Schweiz sei besorgt über die Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, teilte das Aussendepartement am Montagabend mit. Alle Parteien auf sollten die Stabilität der Region zu wahren, der Gewalt ein Ende setzen, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten und insbesondere die Zivilbevölkerung schützen. Es müssten unverzüglich und ohne Vorbedingungen substanzielle Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Die Schweiz sei bereit, sich für Treffen auf höchster Ebene zur Verfügung zu stellen.

Armenien veröffentlichte am Sonntag Bilder von angeblich zerstörten aserbaidschanischen Panzern. Aserbaidschan bestreitet hingegen Panzer-Verluste. Bild: keystone

Das verarmte Armenien und das reiche Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld an der neuen Eskalation. In beiden Ländern gilt nun das Kriegsrecht. Russland bot seine Vermittlung an. Unter den Opfern sind auch Zivilisten.

Aserbaidschans Militär teilte am Montag mit, dass Armenien die Stadt Terter an der Grenze zu Berg-Karabach beschossen habe. Dabei habe es ein Todesopfer gegeben. Das Militär habe dann zwei Panzer des Nachbarlands zerstört. Baku warnte vor «angemessenen Gegenmassnahmen». Eriwan teilte mit, dass die gegnerische Seite schweres Gerät eingesetzt habe. In Berg-Karabach wurden nach offiziellen Angaben am Sonntag 16 Soldaten durch Beschuss getötet und mehr als 100 verletzt. Auf aserbaidschanischer Seite gab es sechs Tote und 26 Verletzte.

Die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzt 145 000 Einwohnern gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Zu Sowjetzeiten hatte Berg-Karabach den Status einer autonomen Region. Baku hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in einem Krieg mit 30 000 Toten die Kontrolle über das Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der von christlichen Karabach-Armeniern bewohnten Region eine Waffenruhe. 2016 starben bei Gefechten mehr als 120 Menschen.

Armenien setzt auf Russland als militärische Schutzmacht, das dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten. Türkische Truppen sollen nach armenischen Angaben in den aktuellen Gefechten hinzugezogen worden sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Armenische Soldaten entlang der Frontlinie in Tavush (Archivbild, 14. Juli 2020). Bild: keystone

Aserbaidschans autoritär regierender Staatschef Ilham Aliyev ordnete am Montag eine Teilmobilmachung der Bevölkerung an. Damit würden Wehrpflichtige zum Kriegsdienst eingezogen, hiess es. In Aserbaidschan gibt es in einigen Regionen Ausgangssperren am Abend, auch der Flugverkehr wurde eingestellt.

Russland kündigte unterdessen an, vermitteln zu wollen. «Russland hat die Möglichkeit, seinen Einfluss und die traditionell guten Beziehungen zu beiden Ländern für eine Lösung dieses Konflikts zu nutzen», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die Situation müsse bei sofotiger Beendigung der Kämpfe auf diplomatischem Weg gelöst werden. Das sei jetzt wichtiger, «als darüber zu streiten, wer Recht und wer Schuld hat». Auch die EU forderte Armenien und Aserbaidschan zu einer sofortigen Waffenruhe auf.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte sich hinter Aserbaidschan. «Es ist nun an der Zeit, die Krise (...) zu beenden. Die Region wird erneut Frieden und Ruhe finden, wenn Armenien den von ihm besetzten aserbaidschanischen Boden sofort verlässt», sagte Erdogan. Die Türkei stehe «mit allen Mitteln und ganzem Herzen» an Aserbaidschans Seite.

Um was geht's?

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

Im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten; die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Berg-Karabach. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

Das russische Aussenministerium rief beide Seiten auf, das Feuer sofort einzustellen. Zudem sollten Baku und Eriwan Gespräche aufnehmen, um die Situation zu stabilisieren. Die benachbarte Türkei warf Armenien vor, internationales Recht zu verletzen. Das Aussenministerium in Ankara teilte mit, es verurteile den «armenischen Angriff» scharf. Die Türkei stehe an Aserbaidschans Seite. (rst/jaw/bal/sda/dpa)

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