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Switzerland

FC Thun: Geht doch!

Natürlich sagt Marc Schneider hinterher, er habe an diese Reaktion geglaubt, an diesen dritten Treffer, an den Sieg. Aber Thuns Trainer hat auch leiden müssen, besonders in dem Moment, als Xamax das 2:2 erzielt hat.

Da schiessen ihm allerlei Gedanken durch den Kopf: «Nicht schon wieder!» Oder: «Das darf nicht wahr sein!» Kurz vor Schluss ist es, als die Partie ganz zu kippen droht. Was sollte er der Mannschaft anderntags sagen, falls sie erneut unglücklich verlieren würde? Dasselbe wie seit Wochen schon?

Aber die Zweifel verfliegen rasch, die Ohnmacht weicht der Erleichterung. Weil seiner Mannschaft das 3:2 gelingt, das so befreiende 3:2. Es ist das Ergebnis eines Abends, an dem die Berner Oberländer tief durchatmen und bei der Aufarbeitung ein Wort serienweise verwenden: endlich.

Es ist die Erleichterung, die aus dem Trainer spricht, auch aus dem Sportchef. «Das tut uns allen sehr gut», sagt Andres Gerber, «die ständigen Niederlagen wirken zermürbend und frustrierend. Jetzt gehen wir mit einem sehr guten Gefühl in die zweiwöchige Pause.» Und mit dem Wissen: Geht doch!

Das starke Thuner Duo

Die Geschichte, die sich an diesem Samstagabend in der Maladière zuträgt, ist lange geprägt von Langeweile und der spürbaren Angst zweier Mannschaften, etwas falsch zu machen. Aber es gibt einen zweiten Teil, und der hebt sich deutlich ab. Er bietet vieles und verleitet fast zur Frage: Sind das wirklich die gleichen zwei Teams wie vor der Pause?

Zwei Thuner steigen zu prägenden Figuren auf: Miguel Castroman und Matteo Tosetti, der eine als Doppeltorschütze, der andere als Vorbereiter. Wobei man Castroman nicht gerecht würde, wenn man nicht ausführen würde, wie er für die 2:0-Führung sorgte. Das 1:0 ist schon sehenswert, als der Ball in die linke hohe Torecke fliegt. Aber das 2:0 – es ist eine Aktion, die Platz in jedem Jahresrückblick haben muss: Corner Tosetti, Direktabnahme Castroman aus 18 Metern, Traumtor.

Am Vortag haben die beiden just das im Training geübt – mit mässigem Erfolg. Das hält sie nicht davon ab, unter Wettkampfbedingungen einen neuen Anlauf zu wagen. Der 24-jährige Castroman sieht im Augenwinkel Gegenspieler Freddy Mveng, der störend eingreifen könnte, entschliesst sich aber, durchzuziehen. Und verdient sich damit selbst von den Neuenburger Zuschauern Anerkennung.

Aber es wird nichts aus einem entspannten Verwalten des Vorsprungs. Weil Xamax zur Einsicht kommt, dass es sich mit so einer Leistung selber in Schwierigkeiten bringt und sein Publikum verärgert. Es setzt zur Korrektur an, und die sieht so aus: 1:2 durch Arbenit Xhemajli, 2:2 durch Gaëtan Karlen, und jetzt sind sie da, diese eingangs erwähnten Gedanken, die Schneider plagen.

Plötzlich etwas zu verlieren

Aber eben, es kommt diesmal anders, erfreulicher. Tosetti schlägt den Freistoss, Verteidiger Chris Kablan schlüpft in die Rolle des Stürmers und trifft mit dem Kopf. «Nach dem 2:2 kam Angst auf, wir wurden unsicher», sagt Tosetti, der alle drei Treffer vorbereitet hat. «Wir hatten plötzlich etwas zu verlieren. Das war lange nicht mehr der Fall», sagt Gerber.

Für Castroman ist die Reaktion in dieser Phase aber ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Mannschaft funktioniert: «Wer 2:0 führt, danach zwei Tore erhält und doch noch in der Lage ist, das Spiel zu gewinnen, verfügt über grosse Moral.»

«Wer 2:0 führt, danach zwei Tore erhält und doch noch in der Lage ist, das Spiel zu gewinnen, verfügt über grosse Moral.»Miguel Castroman

Schneider hebt die Effizienz hervor, «für unsere Verhältnisse war sie gross», sagt er. Drei Tore sind seinem Team gelungen, zuvor waren es gerade einmal vier in neun Spielen. Aber der Trainer hat – zumindest gegen aussen – nie Zweifel verraten.

Am 11. August hatte Thun seinen bislang ersten, aber bis Samstag auch letzten Erfolg errungen beim 2:0 in Luzern. Als Schneider am Samstag nach Neuenburg fuhr, trug er in sich die Überzeugung: «Das ist der Tag, an dem wir uns belohnen werden.»

Karlen fällt wieder aus

Irgendwie passend ist auch, wie dieser Sieg zustande kommt: Der Spielverlauf mit der Furcht, doch wieder alles zu verlieren, die wunderbaren Tore, die Emotionen – Schneider benötigte starke Nerven. «Einfach den Kopf nicht verlieren», sagt er, «es bringt nichts, wenn ich an der Seitenlinie wilde Sachen mache.

Das überträgt sich nur auf die Mannschaft.» Das 3:2 ist nicht gleich ein Befreiungsschlag, aber das, was Captain Stefan Glarner «ein Zeichen» nennt. Es ist eines an die Konkurrenz. Der Rückstand auf Barrageplatz 9 ist auf drei Punkte verringert worden, und als Nächstes geht es daheim gegen Lugano.

Dannzumal werden die Thuner ohne Grégory Karlen auskommen müssen. Er zog sich am Samstag erneut einen Bruch des linken Mittelfussknochens zu. Schneider geht davon aus, dass der Walliser erst im neuen Jahr sein Comeback geben wird.

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