Switzerland

French Open: Stan Wawrinka und Andy Murray sehen sich wieder, drei Jahre nach dem Match, der in den Operationssaal führte

2017 lieferten sich der Romand und der Brite in Roland-Garros einen veritablen Abnützungskampf. Nun gewinnt Wawrinka gegen Murray locker – und steht in der zweiten Runde.

Stehen im Herbst ihrer Karrieren: der Brite Andy Murray (links) und der Schweizer Stan Wawrinka.

Stehen im Herbst ihrer Karrieren: der Brite Andy Murray (links) und der Schweizer Stan Wawrinka.

Charles Platiau / Reuters

Dass sich zwei Grand-Slam-Turniersieger schon in der Startrunde eines Majors duellieren, hat Seltenheitswert. Seit 2012 und der Partie Novak Djokovic gegen Juan Carlos Ferrero in Wimbledon hatte es das nicht mehr gegeben, in Paris sogar seit 1999 und dem Match Jewgeni Kafelnikow gegen Michael Chang nicht mehr. Das French Open bietet nun gleich zwei solche Begegnungen: Am Montag trifft Dominic Thiem, der US-Open-Sieger 2020, auf Marin Cilic, den US-Open-Sieger 2014. Und bereits am Sonntag spielten mit Stan Wawrinka und Andy Murray zwei dreifache Grand-Slam-Turniersieger gegeneinander.

Doppelt kühl

Wawrinka, der 35-jährige Waadtländer, dominierte den zwei Jahre jüngeren Briten, er gewann in weniger als 100 Minuten 6:1, 6:3, 6:2. Wawrinka spielte gut, Murray spielte schlecht, so einfach war es im Philippe-Chatrier-Stadion. Die Atmosphäre war kühl wie die Witterung. Murray trug lange Tights unter den Shorts, auf den Tribünen herrschte die grosse Leere. Nur 1000 Zuschauer pro Tag dürfen auf das Gelände, bis am Donnerstag waren die Organisatoren noch von 5000 Besuchern ausgegangen.

Murray trat erstmals seit dem French Open 2017 wieder zu einem Ernstkampf auf einem Sandplatz an. Damals hatte er in Roland-Garros den Halbfinal gegen Wawrinka in fünf Sätzen verloren. Auf kaum ein Spiel trifft das Attribut Abnützungskampf besser zu als auf jenes. Murray sagt, es sei das Spiel zu viel gewesen für seine Hüfte. Doch zu einer ersten Operation konnte er sich erst ein halbes Jahr später durchringen. Seither müht er sich ab, den Anschluss wieder zu finden. Für Wawrinka war jener Sieg gegen Murray der letzte vor den beiden Knieoperationen, die ihn weit zurückwarfen.

Nun standen sich die beiden als Weltnummern 17 (Wawrinka) und 111 (Murray) gegenüber, in einem Stadion, das nicht wiederzuerkennen ist im Vergleich zu 2017 und neuerdings bei Bedarf auch überdacht werden kann. Dass der Niveauunterschied noch grösser war als der Abstand im Ranking, kam einer Überraschung gleich. Für Wawrinka ist der geglückte Start auch darum von besonderem Wert, weil er erst vor einer Woche die unerwartete Trennung vom langjährigen Coach Magnus Norman kommuniziert hat. Zu den Gründen mochte er sich auch an der Pressekonferenz nach dem Match nicht äussern.

Norman ist eng verknüpft mit den grössten Erfolgen des Romands. Wawrinka und Murray sind die einzigen Spieler neben den überragenden Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic, die seit dem ersten Grand-Slam-Titel-Gewinn von Federer 2003 in Wimbledon mehr als ein Major gewonnen haben. Murray weist die bessere Erfolgsbilanz aus als Wawrinka, er war während 41 Wochen die Weltnummer 1, er ist zweifacher Olympiasieger, er gewann auch die ATP-Finals und 14 Masters-1000-Turniere – 13 mehr als Wawrinka. Doch wenn es darum geht, den beiden einen Platz in der Tennisgeschichte zuzuweisen, kommt Murray meist zu gut weg und Wawrinka zu schlecht. Das hat viel mit ihrer Nationalität zu tun.

Wawrinka macht sich kleiner

Murray war der Erlöser einer ebenso grossen wie gebeutelten Tennisnation. Zuerst, als er 2012 am US Open den ersten Grand-Slam-Titel für Grossbritannien seit Fred Perry 1936 in Wimbledon errang. Und dann, als er 2013 auch ebendort triumphierte. Murray wurde eine Zeitlang in einem Atemzug mit Federer, Nadal und Djokovic genannt, aus den grossen drei wurden die grossen vier gemacht. Wawrinka hingegen blieb stets der andere, der zweite Schweizer neben Federer, ob in der Heimat oder im Rest der Welt. Mit seiner Art des Understatements hat er sich selber kleiner gemacht, als er ist – statt die angemessene Anerkennung für sich zu reklamieren.

Nun ist es Herbst geworden in den Karrieren von Wawrinka und Murray, die als Jugendliche beide nach Barcelona gegangen waren, um möglichst gute Voraussetzungen für eine Zukunft auf der ATP-Tour zu schaffen. Murray wird sein bestes Level nicht mehr erreichen, es ist keine gewagte Prognose, zu weit haben ihn die beiden Hüftoperationen zurückgeworfen. Vor dem zweiten Eingriff Anfang 2019 hatte er schon abgeschlossen mit seiner Laufbahn, jetzt geht es ihm um die Beweisführung, dass ein Ausnahmekönner wie er auch mit einem künstlichen Hüftgelenk bestehen kann.

Wawrinka will zumindest nochmals unter die ersten zehn der Weltrangliste kommen. Von Grand-Slam-Titeln redet er primär in der Vergangenheitsform, er betont bei jeder Gelegenheit, dass er viel mehr erreicht habe als erwartet – und vermittelt gleichzeitig den Eindruck, dass er in den verbleibenden Jahren auch mit weniger zufrieden wäre. Doch so sehr Nadal und Djokovic diesen Sport immer noch prägen, so heftig Thiem und Co. nachdrängen: Kaum jemand wagt es, Wawrinka abzuschreiben.

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