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Switzerland

Geradezu «erdrückende» Beweise: So begründet das Gericht das Urteil gegen Springreiter Paul Estermann

Das Bezirksgericht Willisau hat Paul Estermann (56) Ende November 2019 der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei schuldig gesprochen. Der schweizweit bekannte Springreiter aus Hildisrieden wird mit einer bedingten Geldstrafe in der Höhe von 16'000 Franken und einer Busse von 4000 Franken bestraft. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

Estermann soll die Stute Castlefield Eclipse im April 2016 mit Peitsche und Sporen malträtiert haben, Bilder dokumentieren Schwellungen und Blutungen. Beim Hengst Lord Pepsi sollen Peitschenhiebe im Zeitraum von 2014 bis 2017 zu Hautaufplatzungen geführt haben.

Im Strafverfahren gegen den Springreiter liegt nun die schriftliche Urteilsbegründung vor. Die angeklagten Sachverhalte seien «durch Zeugenaussagen, einen Tierarztbericht und Fotos zweifelsfrei bewiesen», schreibt das Gericht in einer Medienmitteilung. Die entsprechenden Zeugenaussagen zum Vorfall April 2016 würden durch den Tierarztbericht bestätigt. «Auch die vorgeworfenen starken Peitschenhiebe beim Training eines Wallachs in drei Fällen erachtet das Gericht als erwiesen.»

Echtheit der Fotos wird nicht angezweifelt

Ins Rollen kam der Fall Estermann aufgrund eines ehemaligen Angestellten. Der Pferdepfleger hatte Anzeige erstattet und dem «Blick» Handyfotos von verletzten Tieren zugespielt. An der Verhandlung zweifelte der Verteidiger von Estermann unter anderem die Verwertbarkeit der Beweise an. Das Gericht hält in seinem Urteil nun aber fest: An der Echtheit der Fotos und Schilderungen des Anzeigestellers «bestehen keine echten Zweifel».

Das Bezirksgericht konstatiert zudem, dass in den Medien «eine gewisse Vorverurteilung durch eine teilweise reisserische Berichterstattung» stattgefunden habe, was zu einer Reduktion des Strafmasses geführt habe. Von einer «Medienhetze» könne zwar keine Rede sein, die Schwelle, mit der eine relevante Schwere als Strafminderungsgrund erreicht werde, sei aber namentlich durch die Medienberichterstattung im «Blick» leicht überschritten worden.

Berufung angemeldet

Der Beschuldigte hat gegen das Urteil Berufung angemeldet. Das Urteil des Bezirksgerichts Willisau ist daher nicht rechtskräftig. Es gilt die Unschuldsvermutung. Zuständig für das Berufungsverfahren ist das Luzerner Kantonsgericht.

Auf Anfrage unserer Zeitung lässt der Verteidiger via Sekretariat ausrichten, er nehme zum hängigen Verfahren keine Stellung.

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