Switzerland

Gescheiterter Putschversuch: Streit bei den Camionneuren eskaliert

Nach verlustreichen Investitionen tobt ein Kampf in der Chefetage des Weltdachverbands der Camionneure und Fuhrhalter in Genf. Nun hat die Eidgenössische Stiftungsaufsicht interveniert.

Der Genfer Weltdachverband der Camionneure verdiente am Verkauf der Carnets TIR Millionen. Doch der Markt ist eingebrochen und der Verband ein Sanierungsfall.

Der Genfer Weltdachverband der Camionneure verdiente am Verkauf der Carnets TIR Millionen. Doch der Markt ist eingebrochen und der Verband ein Sanierungsfall.

Foto: Alamy Stock

Die Kader beim Weltdachverband der Camionneure und Fuhrhalter in Genf sind sich spinnefeind. Es geht um persönliche Macht, die Kontrolle über Hunderte Millionen Franken und wohl auch darum, dass über jahrelanges Missmanagement und mutmassliche Millionenverluste des Verbands nichts nach draussen dringt. Die Affäre ist vor Genfer Gerichten pendent und hat im Frühling die Eidgenössische Stiftungsaufsicht in Bern erreicht. Die Konfliktparteien sind der Verein «International Road Transport Union» (IRU) und die Stiftung «Fondation IRU des Transports Routiers».

Der Verein International Road Transport Union (IRU) wurde 1948 am UNO-Standort Genf gegründet, um den grenzübergreifenden Gütertransport zu erleichtern. Die Schweiz war Gründungsmitglied. Auch der Schweizer Nutzfahrzeugverband Astag gehört dem Weltverband an. Im Auftrag der UNO verwaltet die IRU das Zollabkommen über den internationalen Warentransport und verkauft sogenannte Carnets TIR. Ein Carnet TIR ist ein mehrseitiges Dokument, dank dem Camionneure Waren zollfrei und ohne Kontrollen über mehrere Landesgrenzen transportieren können.

Der Verkauf der Carnets TIR hat jahrzehntelang Hunderte Millionen Franken auf die IRU-Konten bei CS und UBS gespült. Doch das Geschäft zerfällt. Die 140 Mitarbeiter zählende Organisation mit Generalsekretär Umberto de Pretto an der Spitze leidet an strukturellen Defiziten. Das IRU-Vermögen schmilzt. Von rund 1,2 Milliarden Franken vor zehn Jahren sind noch 400 Millionen Franken übrig.

Auf der Gegenseite steht die Genfer Stiftung «Fondation IRU des Transports Routiers». Die Stiftung mit ihrem Präsidenten Boris Blanche ist der geschäftstätige Arm des Camionneurs- und Fuhrhalterverbands, weil der Verband selbst keine Geschäfte machen darf aus steuerrechtlichen Gründen. Die IRU-Stiftung wurde 1988 gegründet. Ihr Kapital stammt aus dem Carnet-TIR-Verkauf. Sie sollte als kapitalstarke Rückversicherung dienen, falls im Transportgeschäft Dinge schieflaufen.

Finanzielles Fiasko: Projekt Quasar und Fairmont Hotel in Istanbul.

Finanzielles Fiasko: Projekt Quasar und Fairmont Hotel in Istanbul.

Foto: Heidelberg Cement

Heute besitzt die IRU-Stiftung Firmen und tätigt weltweite Investments in Start-ups mit dem Ziel, den Strassentransport voranzubringen. 120 Millionen Franken Eigenmittel weist die Stiftung aus. Ihre Firmen hinzugezählt, ist sie 300 Millionen Franken schwer. Zugleich trägt die Stiftung hohe finanzielle Risikenunter anderem jenes für das 800 Millionen teure Immobilienprojekt Quasar in Istanbul, das die IRU-Verbandsführung 2008 initiiert und teilweise über die Stiftung abgewickelt hat. Quasar soll finanziell ein Fiasko sein. Der Fall ist vor Genfer Gerichten pendent. (Lesen Sie dazu die Recherche dieser Zeitung.)

Ein Vertrauensbruch

Wegen Quasar ist der Streit zwischen Verband und Stiftung, namentlich zwischen Umberto de Pretto und Boris Blanche, eskaliert. Das geht aus Dokumenten hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Stiftungspräsident Blanche forderte von IRU-Generalsekretär de Pretto, wegen Quasar juristisch gegen die ehemalige Verbandsführung vorzugehen und sie für finanzielle Verluste zur Verantwortung zu ziehen. De Pretto reichte gegen Ex-Generalsekretär Martin M. und weitere Ex-Funktionäre eine Zivilklage ein und forderte von den Beklagten 227 Millionen Franken für finanzielle Verluste.

Doch dann reduzierte de Pretto die Zahlungsaufforderung von 227 Millionen auf 10 Millionen Franken. Blanche sah dies als Vertrauensbruch. Kam dazu, dass der Italokanadier als IRU-Generalsekretär im vierköpfigen Stiftungsrat sass, den Blanche präsidierte. Anfang Juni berief Blanche den Stiftungsrat zu einer Sitzung ein und forderte Umberto de Pretto auf, sein Mandat als Stiftungsrat zu widerrufen. Blanche wandte sich an die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) in Bern.

De Pretto organisierte den Gegenangriff gegen Blanche, obschon er ihn noch ein Jahr zuvor als Stiftungspräsident gewählt hatte. Der Waadtländer war zu seinem Gegenspieler geworden. De Pretto schrieb der ESA, der Stiftungsrat sei widerrechtlich besetzt. «Die Mehrheit der Mitglieder im Stiftungsrat muss eine Funktion im Verein haben», hiess es in seinem Brief. Bei Blanche und einem weiteren Mitglied sei dies nicht der Fall. Der Stiftungsrat könne in dieser Besetzung keine Entscheide fällen. De Prettos Botschaft war klar: Nicht er, sondern Blanche sse gehen. Zumindest ein Ziel erreichte de Pretto: Die Sitzung, an der er hätte zurücktreten sollen, wurde abgesagt.

Machtballungen vermeiden

Boris Blanche reagierte und wies die ESA auf die 2008 geänderten Statuten hin, die keine Funktion innerhalb der IRU, sondern lediglich eine Verbindung zur IRU verlangten. Gemäss Dokumenten war die Statutenänderung, also die Entflechtung von Verein und Stiftung, aufgrund einer Empfehlung eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens vorgenommen worden. Das Ziel war, Interessenkonflikte und Machtballungen zu vermeiden. Blanche hat gemäss seiner eigenen Darstellung genügend Verbindungen zur IRU. 2012 war der Waadtländer als Auditor zum Verband gestossen, später stieg er zum Managing Director auf und wechselte 2019 als Präsident zur Stiftung.

Die Stiftungsaufsicht des Bundes reagierte mit einem trockenen Schreiben. Sie setzte den Parteien eine Frist. Die ESA verlangte bis 14. August eine Kopie des Handelsregisterauszugs mit der Neubesetzung des Stiftungsrats und ein Wortprotokoll der Sitzung, an der die Neubesetzung beschlossen wurde. Eine ESA-Sprecherin schreibt auf Anfrage: «Wenn wir Hinweise bekommen, dass der Betrieb oder das Vermögen einer Stiftung bedroht ist oder dass ein Fehlverhalten vorliegt, greifen wir von Amtes wegen ein.» Zu einzelnen Stiftungen oder laufenden Verfahren mache man keine Angaben.

Nicht mehr im Stiftungsrat: IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto.

Nicht mehr im Stiftungsrat: IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto.

Foto: DDP/Abaca Press

IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto habe nicht die Absicht, Präsident des Stiftungsrats zu werden, teilte sein Sprecher letzten Freitag mit. Nun ist er nicht einmal mehr Mitglied im Stiftungsrat. De Pretto ist mit seinem Putschversuch gegen Blanche gescheitert, vorerst jedenfalls. Am Montagnachmittag traf sich der Stiftungsrat zu jener Sitzung, die im Juni hätte stattfinden sollen. De Pretto wollte Blanche durch einen rumänischen Verbandsvertreter ersetzen. Doch Blanche war darauf vorbereitet. Er warf de Pretto kraft seines Stichentscheids kurzerhand aus dem Stiftungsrat und verhalf einem spanischen Transportunternehmer zur Wahl ins Gremium.

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