Switzerland

Heizt die Schweiz den «Impf-Nationalismus» an? Der Bund will einen Corona-Impfstoff kaufen, den es vielleicht nie geben wird

In einem Vertrag mit der amerikanischen Biotechfirma Moderna will sich der Bund einen «sehr schnellen» Zugang zum erhofften Corona-Impfstoff sichern. Gespräche mit weiteren Firmen laufen. Treibt die Schweiz damit den unerwünschten Verteilkampf an?

Niemand weiss, wann der herbeigesehnte Impfstoff gegen das Coronavirus bereitstehen wird. Die Schweiz will sich den Zugang dazu sichern, indem sie im Voraus mit mehreren Firmen Kaufverträge abschliesst. (Im Bild: Spritze mit einem möglichen Wirkstoff gegen das Coronavirus, der in Deutschland getestet wird.)

Niemand weiss, wann der herbeigesehnte Impfstoff gegen das Coronavirus bereitstehen wird. Die Schweiz will sich den Zugang dazu sichern, indem sie im Voraus mit mehreren Firmen Kaufverträge abschliesst. (Im Bild: Spritze mit einem möglichen Wirkstoff gegen das Coronavirus, der in Deutschland getestet wird.)

Christoph Schmidt / DPA

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren – und auch der weltweite Verteilkampf ist lanciert. Die Schweiz mischt vorne mit. «Heute oder morgen» werde der Bund mit der US-Biotechfirma Moderna einen Kaufvertrag für das Vakzin unterzeichnen, das diese zurzeit entwickelt. Diese Neuigkeit hat Pascal Strupler, der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), völlig überraschend am Dienstagabend im SRF-«Club» kundgetan. Dank dem Vertrag werde die Schweiz «sehr schnell» Zugang zum Impfstoff haben.

Struplers Ankündigung vor laufender Kamera sollte wohl ein Befreiungsschlag sein. Er betonte eigens, es handle sich um «gute News». Das BAG ist in den letzten Tagen wegen seiner Kommunikation in der Corona-Krise ungewöhnlich scharf kritisiert worden. Im «Club» musste Strupler viele unangenehme Fragen über sich ergehen lassen, bis er endlich seine positive Nachricht zum Impfstoff platzieren konnte.

Vertrag lässt auf sich warten

Doch der PR-Coup hat einen Schönheitsfehler: Er ist unvollendet. Strupler sagte, der Vertrag werde in «wenigen Stunden» unterzeichnet. Man durfte annehmen, der Bund werde am Mittwoch offiziell darüber informieren. Doch Fehlanzeige: Weder an der Medienkonferenz zu den neuen Corona-Entscheiden noch auf der BAG-Medienstelle war dazu etwas zu erfahren. Bis die Unterschriften vorlägen, könne man keine Details bekanntgeben, hielt die Medienstelle lapidar fest.

Strupler war im «Club» gesprächiger. Laut ihm hat der Bund von sich aus mit Moderna Kontakt aufgenommen. Dies sei «sehr wahrscheinlich» der erste Anbieter, der einen Impfstoff bereitstellen könne. Man sei aber auch mit anderen Firmen in Kontakt. Mit Moderna hat der Bund bereits einen Reservationsvertrag unterzeichnet. Zahlen nannte Strupler nicht.

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit, überbrachte aus heiterem Himmel vor laufender Kamera «gute News» zum Corona-Impfstoff.

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit, überbrachte aus heiterem Himmel vor laufender Kamera «gute News» zum Corona-Impfstoff.

Anthony Anex / Keystone

Ist dieses Vorgehen sinnvoll? Die Schweiz verpflichtet sich, Geld für ein Vakzin zu bezahlen, das es womöglich gar nie geben wird. Strupler sagte dazu sinngemäss, alle Staaten gingen genau gleich vor. Es gehe nicht anders. Sobald ein Impfstoff bereitstehe, wolle sich niemand vorwerfen lassen, er habe nicht rechtzeitig dafür gesorgt, dass seine Bevölkerung Zugang dazu habe.

Nicht minder delikat ist die Frage, ob die Schweiz mit ihrem Vorvertrag den «Impf-Nationalismus» anheizt. Offiziell unterstützt sie eine internationale Koordination, damit sich auch Bewohner ärmerer Länder impfen lassen können. Dazu sagte Patrick Mathys vom BAG vor den Medien, die Schweiz setze nicht nur auf eine nationale Lösung, sondern auch auf internationale Absprachen.

Impfstoff soll im Wallis produziert werden

Für Moderna sind solche Vorverkaufsverträge ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung des kostspieligen Geschäftsmodells. Bis Mitte Jahr hat sich die Firma für ihren Impfstoffkandidaten mRNA-1273, der in der letzten Entwicklungsphase steckt, 400 Millionen Dollar sichern können. Bis Ende Jahr sollen sich diese nicht rückzahlbaren Beiträge auf 650 bis 750 Millionen Dollar belaufen, wie das Unternehmen am Mittwoch bei der Publikation des Quartalsergebnisses bekanntgab.

Moderna hat in Rekordtempo einen Impfstoff gegen das Sars-CoV-2-Virus entwickelt. Nach der Sequenzierung des Virus verstrichen lediglich sechs Wochen, bis mit der Entwicklungsphase I begonnen werden konnte. Die enge Zusammenarbeit mit amerikanischen Institutionen (National Institutes for Health NIH) bei der Entwicklung sowie die finanzielle Unterstützung durch die Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda), die bisher rund 1 Milliarde Dollar beisteuerte, verschaffen Moderna einen zeitlichen Vorsprung. Ende Juli ist mit der letzten Entwicklungsphase III begonnen worden.

Weil die Zeit drängt, könnte schon im Herbst eine beschleunigte Zulassung ausgesprochen werden. Normalerweise verstreichen noch 12 bis 18 Monate, bis ein solcher Impfstoff auf dem Markt kommt. Doch das Ausmass der Pandemie führt dazu, dass ausserordentliche Wege beim Zulassungsverfahren gegangen werden. Hergestellt werden soll der Impfstoff vom Schweizer Auftragsfertiger Lonza, mit dem Moderna Anfang Mai eine zehnjährige Kooperation eingegangen ist. In Visp (VS) will Lonza dafür 60 bis 70 Millionen Franken in Produktionsanlagen investieren.

Ein riskanter Partner

Die in Cambridge im US-Gliedstaat Massachusetts ansässige Moderna zählt mittlerweile gegen 900 Mitarbeiter. In der Geschäftsleitung sitzen Manager, die einst bei den grossen Pharmamultis gearbeitet haben. Ein Produkt hat die Firma jedoch noch keines auf dem Markt. Seit der Gründung 2010 hat sie einen kumulierten Verlust von 1,7 Milliarden Dollar angehäuft. Die Hoffnung, auf der der auf 30,5 Milliarden Dollar angestiegene Börsenwert aufbaut, ruht auf ihrer mRNA-Plattform. Damit könnten Impfstoffe schneller entwickelt werden.

Derzeit hat das Unternehmen 23 verschiedene Impfstoffprogramme in Entwicklung, 13 davon befinden sich in klinischen Tests, wobei der Corona-Impfstoff am weitesten fortgeschritten ist. Durch Kapitalerhöhungen und Beiträge von Entwicklungspartnern aus der Pharmaindustrie (Merck, AstraZeneca, Vertex) verfügt Moderna über liquide Mittel von rund 3,1 Milliarden Dollar.

Der vom Corona-Hype nach oben getriebene Unternehmenswert hat den 46-jährigen Konzernchef Stéphane Bancel zum Multimilliardär gemacht. Er hält eine Beteiligung von rund 9 Prozent an Moderna. Firmeninsider (Geschäftsleitung und Verwaltungsrat) kontrollieren rund 40 Prozent der Firma. Wie es in Technologie- und Biotechfirmen üblich ist, wird das Management zu einem grossen Teil durch Aktienoptionen entlöhnt. In den vergangenen zwölf Monaten hat es gesamthaft für 28 Millionen Dollar Aktien verkauft und für 3 Millionen Dollar gekauft.

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