Switzerland

Isolation verkürzt: Neuseeland stolpert über sein Mitgefühl

Zwei Schwestern wurden in Auckland aus familiären Gründen vorzeitig aus der Quarantäne entlassen. Kurz darauf wurden sie positiv auf Covid-19 getestet – sie sind die ersten neuen Fälle nach über drei Corona-freien Wochen.

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern musste ihrem Land erklären, weshalb zwei Schwestern vorzeitig aus der Quarantäne entlassen wurden, ohne zuvor auf Covid-19 getestet worden zu sein.

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern musste ihrem Land erklären, weshalb zwei Schwestern vorzeitig aus der Quarantäne entlassen wurden, ohne zuvor auf Covid-19 getestet worden zu sein.

Foto: Getty Images

Neuseeland hat nach Wochen ohne Neuinfektionen wieder mindestens drei Corona-Fälle bestätigt. Wie Gesundheits-Generaldirektor Ashley Bloomfield am Donnerstag bekannt gab, wurde ein Mann positiv getestet, der von Pakistan über Katar zunächst nach Australien gereist sei. Von dort sei der über 60-Jährige am 13. Juni nach Neuseeland weitergereist und habe sich in der vorgeschriebenen Quarantäne befunden, als er Symptome der Lungenkrankheit bekam und positiv auf das Virus getestet wurde.

Für Stirnrunzeln im Land sorgten aber die ersten beiden neuen Fälle. Diese hatte Neuseeland am Dienstag gemeldet, nach mehr als drei Wochen ohne aktive Corona-Erkrankte. Die neuseeländischen Schwestern waren am 7. Juni aus Grossbritannien eingereist, um Abschied von einem sterbenden Elternteil zu nehmen, und befanden sich zuerst in Isolation. Diese sollte 14 Tage dauern, am 13. Juni erhielten sie aber eine familiäre Ausnahmebewilligung, um einen letzten Besuch zu ermöglichen. Obwohl eine der Frauen bereits Krankheitssymptome zeigte, wurden die beiden, ohne nochmals getestet zu werden, aus dem Hotel entlassen, wo sie die Quarantäne verbrachten.

Die Schwestern willigten ein, die acht Stunden Autofahrt von Auckland nach Wellington ohne Unterbruch oder WC-Pause zu machen. Später stellte sich aber heraus, dass sie doch kurzen Kontakt mit zwei Freunden hatten, die ihnen das Auto ausliehen. Nachdem die Schwestern auf dem Autobahnnetz von Auckland die Orientierung verloren hatten, halfen ihnen die beiden Freunde auf den richtigen Weg. Am Montag wurden beide Schwestern dann positiv auf Covid-19 getestet.

Ardern schaltet das Militär ein

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern, die vor kurzem noch vor Freude über ihr Corona-freies Land ein Tänzchen aufführte, zeigte sich in einer Stellungnahme im Fernsehen verärgert über den Vorfall. «Wir verlangen nicht nur einen, sondern zwei Tests, die in diesen Quarantäneeinrichtungen durchgeführt werden müssen. Das war nicht der Fall, und es gibt dafür keine Ausreden», sagte Ardern vor den Medien. «Dies stellt ein inakzeptables Versagen des Systems dar, und ich kann nicht zulassen, dass unsere Fortschritte verspielt werden, weil Prozesse nicht eingehalten werden.»

Kurz zuvor wurde bekannt, dass zehn weitere Personen aus Mitgefühl solche «Ausnahmen aus familiären Gründen» erhielten und ihre Isolation für eine Beerdigung vorzeitig verlassen konnten. An der Beerdigung waren sie mit 200 anderen Personen zusammen – insgesamt 313 Menschen sind aufgrund der «compassionate exceptions» mittlerweile im Contact-Tracing unter Beobachtung. Ardern stellte die familiäre Ausnahmeregelung per sofort ein, damit es nicht mehr solcher Fälle gibt, und gab bekannt, dass das Militär die Quarantänemassnahmen überprüfen werde.

Neuseeland bleibt Corona-frei

Sie sei immer davon ausgegangen, dass es an der Landesgrenze Corona-Fälle geben werde, sagte Ardern und verzichtete auf Anfrage darauf, Neuseeland nicht mehr als «Corona-frei» zu bezeichnen. Die trans-tasmanische Reisefreiheit zwischen Australien und Neuseeland bleibt ebenfalls vorerst bestehen, da sich beide Länder als Corona-frei bezeichnen.

Der neuseeländische Gesundheitsdirektor Bloomfield warnte aber: «Wir werden mehr Fälle sehen. Die Zahl der Fälle weltweit steigt weiter.» Alle Passagiere auf Flügen von Australien nach Neuseeland müssen deshalb künftig Masken tragen, hiess es.

Neuseelands Regierung hatte am 8. Juni nach der Genesung des letzten Covid-19-Patienten die erste Welle der Corona-Pandemie für überwunden und das Land für Corona-frei erklärt. 24 Tage lang wurden keine neuen Fälle gemeldet. Die strikten Grenzkontrollen blieben bestehen, alle anderen Einschränkungen und Regeln wurden indes aufgehoben. Die neuen Corona-Fälle unterstrichen, wie wichtig strikte Grenzkontrollen seien, hatte Bloomfield am Dienstag erklärt.

( anf/sda )

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