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Lando Norris ist das nächste britische Wunderkind in der Formel 1

Zwölf Jahre nach dem ersten WM-Titel von Lewis Hamilton sitzt bei McLaren wieder ein junger Engländer im Cockpit: Der 20-jährige Lando Norris.

McLaren ist mit 867 Grand-Prix-Starts hinter Ferrari (995) das zweitälteste Team in der Formel 1. Seit einiger Zeit fährt der britische Traditionsrennstall allerdings den Erfolgen früherer Tage hinterher. Der letzte von 182 GP-Siegen liegt bereits acht Jahre zurück. Jenson Button war es, der 2012 in Brasilien triumphierte. Danach ging es mit dem Team aus Woking aber stetig bergab. Zwischendurch war man sogar nur noch die neuntstärkste Kraft.

Noch 2017 zählte McLaren zu den schwächsten Teams in der Formel 1. Seit gut zwei Jahren befinden sich die orangefarbenen Autos jedoch wieder im Aufwind. In der aktuellen Saison liegt McLaren in der Teamwertung nach vier Rennen hinter Mercedes und Red Bull an dritter Stelle.

Norris hat den nächsten Schritt gemacht

Grossen Anteil am Höhenflug hat Norris. Nach einem verheissungsvollen Rookie-Jahr legte der jüngste britische Fahrer in der Geschichte der Formel 1 heuer einen ausgezeichneten Saisonstart hin. Beim Auftaktrennen in Spielberg feierte er als Dritter seinen ersten Podestplatz in der Königsklasse. «Lando hat den nächsten Schritt gemacht und da wird in Zukunft noch viel mehr kommen», prognostiziert McLarens-Teamchef Andreas Seidl. Der Deutsche selbst hat seit seiner Ankunft im Januar 2019 im Team einiges bewegt.

Die starken Leistungen von Norris, im GP der Steiermark und am vergangenen Sonntag in Silverstone wurde er jeweils Fünfter, wirken sich auch auf das WM-Klassement aus: Mit 36 Punkten belegt der Youngster derzeit den vierten Rang in der Fahrerwertung, hinter dem Mercedes-Duo Hamilton/Bottas und Max Verstappen im Red Bull, aber noch vor den beiden Ferraris und seinem Teamkollegen Carlos Sainz. Dieser wird auf die kommende Saison zu Ferrari wechseln. Was vor wenigen Wochen noch wie ein nächster Schritt in der Karriereleiter ausgesehen hatte, könnte für den Spanier nun zum Rückschlag werden – schliesslich ist die Scuderia aktuell hinter McLaren klassiert.

Die Zukunft von Norris liegt jedoch bei McLaren. In seiner Heimat wird er bereits mit Serien-Weltmeister Lewis Hamilton verglichen. Tatsächlich gibt es zahlreiche Parallelen. Beide entspringen dem Nachwuchsförderprogramm von McLaren. Norris wurde bereits mit 14 Jahren Kart-Weltmeister und löste Hamilton als jüngsten Champion ab. Danach reihten beide im Formelsport Sieg an Sieg und Titel an Titel, ehe sie mit McLaren in der Formel 1 debütierten.

Alles andere als ein «Paydriver»

Im Gegensatz zu Hamilton wuchs Norris jedoch nicht in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater Adam, der mit dem Verkauf von privaten Rentenversicherungen viel Geld verdient hat und jetzt in der Finanzbranche tätig ist, hat einiges in die Rennfahrerkarriere seines Sohnes investiert. Sein Vermögen wird auf umgerechnet 250 Millionen Franken geschätzt. Die überragende sportliche Bilanz zeigt jedoch, dass Lando Norris alles andere als ein «Paydriver» ist. Der 20-Jährige aus Bristol weiss überdies nicht nur mit seinen Leistungen im McLaren mit der Nummer vier zu begeistern. Auch abseits der Rennstrecken überzeugt er mit seinen Auftritten. Er versteht es ausgezeichnet, sein Publikum in den sozialen Medien zu unterhalten. Alleine auf Instagram folgen ihm rund 1,8 Millionen Fans, auf Twitter sind es gut 625000 Follower. Oftmals lässt er seine Anhänger über die Plattform Twitch auch an virtuellen Rennen teilhaben.

Norris gilt als unbekümmert, stets gut gelaunt und nimmt sich selbst nicht so ernst. Er ist nie um einen lustigen Spruch verlegen. Seine humorvollen Unterhaltungen via Boxenfunk sind bereits ebenso legendär wie seine Auftritte bei den offiziellen Pressekonferenzen. Dazu ist er auch im Team sehr beliebt. Kürzlich half er seinen Mechanikern nach dem Grand Prix von Ungarn sogar beim Abbau des Autos. Trotz der Erfolge will sich Norris treu bleiben. Sein grosses Ziel bleibt, dereinst in die Fussstapfen von Hamilton zu treten und Weltmeister zu werden. Dafür braucht er primär ein schnelles Auto. Die Entwicklungsschritte von McLaren in der jüngsten Vergangenheit waren zwar riesig. Noch fehlt aber einiges, um mit der Spitze mithalten zu können. Grund zur Hoffnung besteht indes, weil McLaren ab dem kommenden Jahr wieder mit Mercedes-Motoren an den Start gehen wird. Zur Erinnerung: Als Hamilton 2008 McLaren den letzten Titel bescherte, tat er dies ebenfalls mit einem Mercedes-Motor.

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