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Raumfahrt: «Der vergessene dritte Astronaut»: Michael Collins wird 90

  1. Als seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Landefähre «Eagle» auf der Oberfläche des Erdtrabanten aufsetzten, war er buchstäblich hinter dem Mond, nämlich im Funkloch. Rund eine halbe Milliarde Zuschauer auf der Erde bejubelten die Mondlandung vor ihren Fernsehern.

Collins war mittendrin - und doch nicht dabei

Einsam sei er trotzdem nicht gewesen, betont Collins immer wieder. «Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiss, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von «Apollo 11» hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen.»

Ausserdem habe er die «Columbia» so eine Zeit lang nur für sich gehabt. «Ich war der Kaiser, der Kapitän und es war ziemlich bequem. Ich hatte sogar warmen Kaffee.»

Der damalige US-Präsident Richard Nixon vergass bei seiner Live-Schaltung vom Weissen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen - und so ging Collins als «der vergessene Astronaut» in die Geschichte ein.

«Der vergessene Astronaut»

Dabei hatte er drei Jahre vor der Apollo 11-Mission schon an einer anderen bedeutenden Weltraumunternehmung teilgenommen - und da nicht nur als Chauffeur. Collins war Pilot der «Gemini 10"-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattaches. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede «West Point», wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden liess. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der NASA.

Nur ein Jahr nach seinem Flug zum Mond verliess er die Raumfahrtbehörde jedoch wieder und wurde Ministerialdirektor im Aussenministerium. 1971 übernahm er den Direktorenposten im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington.

1980 ging er in die Wirtschaft und gründete später seine eigene Firma. Ausserdem schrieb Collins, der zusammengezählt mehr als elf Tage im All verbracht hat, zahlreiche Bücher über seine Weltraum-Reisen. Der dreifache Vater hat zahlreiche Auszeichnungen bekommen, unter anderem sind ein Mondkrater und ein Zwergplanet nach ihm benannt.

Im Alter zog sich Collins zurück. «Grummelig» sei er geworden, sagte er einmal in einem seiner inzwischen seltenen Interviews. Seine Zeit verbringe er mit «Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar».

Als Held habe er sich nie gesehen. «Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir auch angestellt worden.» Aber er habe Glück gehabt im Leben - und sei auch glücklich gewesen. «Schreibt 'Glücklich' auf meinen Grabstein.»

Der Mond war allerdings nie der Lieblingshimmelskörper von Mond-Chauffeur Collins, sondern der Mars. Er hoffe, dass eines Tages Menschen darauf landen könnten. «Der Mond ist für einen Himmelskörper eigentlich kein besonders interessanter Ort, aber der Mars schon.» (SDA)

Alles zur Mondlandung

Am 20. Juli 1969 (US-Zeit) landeten mit der Apollo 11 Mission der NASA die ersten Menschen auf dem Mond. Zum 50. Jubiläum gibts es alle Aspekte rund um die Mondlandung zum Nachlesen. Welche Technik wurde damals verwendet? Wer steckt im Cockpit der Rakete? Wie sah es auf dem Mond damals aus?

Die Apollo-Missionen im Überblick

Im Zuge ihres legendären Apollo-Programms hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa zwischen Juli 1969 und Dezember 1972 zwölf Menschen auf den Mond und wieder zurück zur Erde gebracht. Überschattet wurden die erfolgreichen Missionen allerdings von Tod dreier Astronauten zu Beginn des Apollo-Programms 1967 und der Apollo-13-Havarie im Jahr 1970.

  • 25. MAI 1961
    Präsident John F. Kennedy kündigt in einer historischen Rede an, dass die USA bis zum Ende des Jahrzehnts als erste Nation einen Menschen auf den Mond und wieder sicher zurückbringen wollen. In der Folgezeit leitet das Apollo-Programm die entscheidende Phase des Wettlaufs zum Mond zwischen den Amerikanern und den in der Raumfahrt lange führenden Sowjets ein.
  • 27. JANUAR 1967
    Feuerkatastrophe während eines Bodentests auf Cape Canaveral: Beim Brand in einer Apollo-Kommandokapsel sterben die Astronauten Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee. Zu Ehren der Toten gibt die NASA dem Test offiziell die Bezeichnung Apollo 1. Bis Oktober 1968 folgen unbemannte Apollo-Testflüge der Trägerrakete Saturn V, der Mondlandefähre und der erste bemannte Flug des Apollo-Programms im Erdorbit.
  • 21. DEZEMBER 1968
    Apollo 8 startet zur ersten bemannten Umkreisung des Mondes. Die gelungene Mission der Astronauten Frank Borman, James Lovell und William Anders wird zur wichtigen Zwischenstation auf dem Weg für die spätere bemannte Landung auf dem Erdtrabanten. Im März 1969 wird im Zuge der bemannten Mission Apollo 9 das Mondlandemodul im Erdorbit getestet.
  • 18. MAI 1969
    Apollo 10 nimmt Kurs auf den Erdtrabanten, um die Landefähre in der Mondumlaufbahn zu testen. Der Flug von Thomas Stafford, John Young und Eugene Cernan wird zur erfolgreichen Generalprobe für die bevorstehende Mondlandung.
  • 16. JULI 1969
    Start der historischen Landemission Apollo 11 mit Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins an Bord. Armstrong und Aldrin landen am 20. Juli mit der Mondfähre «Eagle» auf dem Erdtrabanten. Am frühen Morgen des 21. Juli mitteleuropäischer Zeit betritt Armstrong als erster Mensch den Mond. Die USA haben den Wettlauf zum Mond gewonnen.
  • 14. NOVEMBER 1969
    Apollo 12 startet zur erfolgreichen zweiten Mondlandung.
  • 11. APRIL 1970
    Start von Apollo 13. Der Flug wird zur Beinahekatastrophe: Nach 56 Stunden explodiert ein Sauerstofftank des Servicemoduls. «Houston, wir haben ein Problem», funkt Astronaut James Lovell zur Missionskontrolle. Durch einen Umstieg von der Kommandokapsel in die Mondfähre können sich die Astronauten retten. Ihre glückliche Rückkehr am 17. April gilt bis heute als Meisterleistung der Missions-Kontrolleure und der von ihnen angeleiteten Astronauten.
  • 31. JANUAR 1971
    Mit Apollo 14 startet die vierte Mondlandemission. Das Unternehmen verläuft ebenso erfolgreich wie Apollo 15 und 16, die am 30. Juli 1971 und am 20. April 1972 zum Erdtrabanten abheben.
  • 19. DEZEMBER 1972
    Mit der Rückkehr der Crew von Apollo 17 endet nach sechs erfolgreichen Mondlandungen und dem Fehlschlag von Apollo 13 das erste Nasa-Programm zur bemannten Erkundung des Mondes.

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