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Rickli mimt in der «Arena» die neue «Mrs Corona» und lässt die Experten alt aussehen

Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli stellt sich den kritischen Fragen von SRF-Moderator Sandro Brotz. screenshot: srf

Rickli mimt in der «Arena» die neue «Mrs Corona» und lässt die Experten alt aussehen

Eine klare Kommunikation ist in einer Krise essentiell. In der zweiten Corona-«Arena» in Folge, gab es unter den Studiogästen nur eine, die mit Ehrlichkeit und konkreten Aussagen punkten konnte.

Vor einer Woche warnte Michael Salathé, Epidemiologe in der Task Force des Bundesrates, in der SRF-«Arena» vor den hohen Hospitalisierungszahlen und der Gefahr, in einen erneuten Lockdown zu steuern. Beruhigt hat sich die Situation seither nicht. Die täglichen Infektionszahlen haben auch diese Woche ungebremst zugenommen. Mehrere Schweizer Kantone haben in Eigenregie strengere Massnahmen beschlossen. Am Freitagnachmittag rechnete Martin Ackermann, Leiter der Task Force, dass die Schweizer Intensivstationen im schlechtesten Fall am 5. November ausgelastet sein werden.

Kein Wunder also machte Brotz das Thema, das uns alle derzeit wie kein zweites beschäftigt, erneut zum Mittelpunkt seiner Sendung. «Packen wir es jetzt?», wollte er von seinen Studiogästen wissen – und muss wohl wenig erleuchtet in den Feierabend gegangen sein. Denn so richtig konnte ihm diese Frage niemand beantworten.

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Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) verlangte, dass nun der Bund das Ruder wieder verstärkt übernimmt. Die FDP-Nationalrätin und Direktorin der Zürcher Handelskammer, Regine Sauter, machte klar, dass ein zweiter Lockdown für die Wirtschaftsvertreter keine Option ist. Manuel Battegay, Infektiologe und Mitglied der Task Force mahnte, es sei nun eher fünf nach zwölf statt fünf vor. Und das Anliegen von CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Gesundheitskommission, Ruth Humbel, blieb irgendwie diffus zwischen verschiedenen Argumentationslinien verborgen.

Staatsfrauisch trat Rickli auf. In den vergangenen Wochen hatte die SVP-Politikerin viel Kritik einstecken müssen. Weil das Contact Tracing im Kanton Zürich nicht funktioniere, ihr das Wasser bis zum Hals stehe, sie zu wenig Erfahrung habe, um Herrin der Lage zu sein. Einen anderen Eindruck hinterliess sie in der «Arena». Überraschend transparent beschrieb sie, wie hart der Bund und die Kantone arbeiten, um die Situation in den Griff zu bekommen. Konzepte dazu gebe es gewiss, doch jedes Mal wenn man eines davon aus der Schublade ziehe, sei man schon wieder einen Schritt hinterher.

Es sei richtig gewesen, dass der Bund im Sommer den Lead an die Kantone zurückgegeben habe. Doch jetzt sei der Moment gekommen, wo eine nationale Strategie nötig sei und der Bundesrat das Zepter – in enger Absprache mit den Kantonen – wieder übernehmen müsse.

Angeschossen wurde Rickli von FDP-Nationalrätin Sauter. Man habe den ganzen Sommer über Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Warum man jetzt so überrascht werde, verstehe sie nicht. Auch nicht, warum das Contact Tracing im Kanton Zürich derart an den Anschlag komme.

Eine Kritik, die Rickli ungern auf sich sitzen liess. Das Hauptproblem seien die hohen Ansteckungen. «Im Kanton Zürich haben wir ein exponentielles Wachstum, eine Verdoppelung der Zahlen alle sechs bis sieben Tage. Da kommen wir mit dem Testen und dem Contact Tracing nicht mehr nach. Eingerichtet waren wir auf hundert Fälle pro Tag.»

Mit dieser Dossierfestigkeit, gepaart mit erfrischender Ehrlichkeit – ein Auftreten, das sie an so manch einem früheren Medienauftritt vermissen liess - konnte die Zürcher Gesundheitsdirektorin mächtig punkten.

An Bestimmtheit zu wünschen übrig liess Task Force Mitglied Battegay. Er wiederholte, was in den vergangenen Tagen zuhauf von wissenschaftlichen Experten verkündet wurde: Die Fallzahlen steigen, die Spitäler werden wieder voller. «Jetzt ist wirklich der Moment, wo wir reagieren müssen», warnte er und blieb dabei etwas gar fad. Die Gelegenheit, mit stichhaltigen Aussagen für mehr Klarheit zu sorgen, verpasste er.

Erst als Brotz explizit fragte: «Ganz konkret: Was gibt es jetzt zu tun?», wurde Battegay deutlicher. Das wichtigste sei, dass man im Privaten und bei der Arbeit die Kontakte limitiert, Distanz hält. Wenn man diese nicht gewährleisten könne, müsse Maske getragen werden. Und wenn es dann gelinge, die Zahlen wieder runterzubringen, würden auch die Massnahmen greifen, um die Infektionsketten erneut zu unterbrechen.

Platt blieb auch der Auftritt von Bundesrat Alain Berset (SP). Bei einer kurzen Schaltung nach Bern fragte Brotz, ob er einen zweiten Lockdown ausschliessen kann. In einer Krise könne man keine solche definitiven Zusagen machen. Aber er habe eine gute Nachricht: «Wir sind nicht ausgeliefert. Wir haben es in der Hand. Wenn wir richtig handeln können wir die Situation wieder drehen.»

Im Verlauf der Sendung immer klarer wurde: Es fehlt an einer klaren Kommunikation. Nicht nur bei den Studiogästen, insbesondere bei der gesamten Krisenbewältigung. Das Thema ist schlichtweg zu abstrakt, als dass es von der Bevölkerung in seiner Gesamtheit begriffen werden kann. Umso wichtiger wäre eine Stimme der Vernunft, ein Fels in der Brandung, der es vermag, die Leute durch diese Krise zu lenken.

In der zweiten Corona-«Arena» in Folge übernahm diese Rolle Rickli, die am Schluss der Sendung als Einzige deutliche und mahnende Worte fand und sie direkt in die Kamera gesprochen, an die Zuschauer zu Hause vor dem Fernsehen richtete. Damit lief sie selbst Bundesrat Berset und Experte Battegay den Rang ab.

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