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Tote nach schweren Überschwemmungen in Japan

Sintflutartiger Regen hat ganze Wohngebiete unter Wasser gesetzt und Erdrutsche ausgelöst. Die Regierung schickt 10’000 Soldaten ins Katastrophengebiet.

Rettungsaktion in Hitoyoshi in Südjapan. (4. Juli 2020)

Rettungsaktion in Hitoyoshi in Südjapan. (4. Juli 2020)

Foto: Kyodo News/Keystone

Sintflutartige Regenfälle haben im Südwesten Japans schwere Überflutungen und Erdrutsche verursacht und vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen in den Tod gerissen. Japanische Medien meldete am späten Samstagabend aus den schwer betroffenen Provinzen Kumamoto und Kagoshima zunächst einen Toten sowie 18 weitere Opfer mit «Herz- und Atemstillstand» – eine in Japan oft benutzte Formulierung, bevor der Tod von Menschen amtlich bestätigt wird. Sieben Menschen wurden am späten Abend noch vermisst, hiess es.

Die örtlichen Behörden auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu forderten mehr als 200’000 Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen und Schutzräume aufzusuchen. In den mehr als 100 in Kumamoto eingerichteten Notlagern mussten zugleich Vorkehrungen gegen die Gefahr einer Ansteckung durch das Coronavirus getroffen werden.

Menschen flüchten auf Hausdächer

«In der Luft hängt der Geruch von leckenden Gasleitungen und Abwässern», erzählte eine 32-jährige Bewohnerin der schwer betroffenen Stadt Ashikita in Kumamoto Reportern. Als sie gegen 4 Uhr morgens aufwachte, hätten einige Nachbarhäuser bereits unter Wasser gestanden. Grosse Bäume und Teile von Häusern seien von den Wassermassen fortgerissen worden.

Vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen sind tot, mehrere werden vermisst oder warten darauf, gerettet zu werden. Eine überflutete Strasse in Hitoyoshi. (4. Juli 2020)

Vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen sind tot, mehrere werden vermisst oder warten darauf, gerettet zu werden. Eine überflutete Strasse in Hitoyoshi. (4. Juli 2020)

Foto: Yuki Sato/Kyodo News/Keystone

Auf Luftaufnahmen des staatlichen Fernsehens waren ganze Wohngebiete metertief versunken in schlammigen Wassermassen zu sehen. Aus oberen Stockwerken winkten Menschen mit weissen Tüchern, um die Besatzung von Rettungshubschraubern auf sich aufmerksam zu machen. An Rettungsseilen wurden mehrere Bewohner, die sich aufs Dach gerettet hatten, von den Hubschraubern in Sicherheit gebracht. Auch mit Schlauchbooten kämpften sich die Einsatzkräfte zu den Opfern vor. Es gab jedoch Probleme, einige der bergigen Regionen zu erreichen.

Hilferufe über soziale Medien

In sozialen Medien wurden derweil unzählige Fotos und Videos aus den Katastrophengebieten hochgeladen. Im August will Japans Polizei eine Webseite starten, auf der solche Aufnahmen zum Beispiel von beschädigten Strassen und Gebäuden sowie Erdrutschen hochgeladen werden können. Dies soll den Einsatzkräften bei Katastrophen künftig dabei helfen, Rettungsarbeiten zügig einzuleiten. Manche Menschen nutzten am Samstag die sozialen Medien auch dafür, um Hilfe zu rufen.

Der Fluss Kuma hat in Hitoyoshi eni ganzes Wohngebiet überflutet, wie diese Luftaufnahme zeigt. (4. Juli 2020)

Der Fluss Kuma hat in Hitoyoshi eni ganzes Wohngebiet überflutet, wie diese Luftaufnahme zeigt. (4. Juli 2020)

Foto: Kyodo/Reuters

In einem Altenpflegeheim in dem von den Überflutungen ebenfalls stark betroffenen Dorf Kuma in der Provinz Kumamoto wurde bei 14 Menschen Herz- und Atemstillstand diagnostiziert, meldete der Fernsehsender NHK. «Es war unheimlich», schilderte eine alte Frau in Kumamoto, die von Helfern auf dem Rücken aus ihrem überschwemmten Wohnviertel getragen wurde. Ganze Häuser wurden von den schlammigen Wassermassen fortgerissen, andere standen bis unter das Dach unter Wasser.

Regierung schickt 10’000 Soldaten

Als der Wasserspiegel stellenweise langsam sank, wurde das Ausmass der Schäden immer deutlicher: verwüstete Häuser, in denen dicke Schlammschichten liegen, beschädigte Strassen und Autos, eine grosse Brücke überflutet. Zu mehreren Bewohnern überschwemmter Städte gebe es keinen Kontakt, hiess es. Die Mobiltelefonverbindungen waren zeitweise unterbrochen, Tausende von Haushalten waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Stellenweise gingen Erdrutsche nieder.

Das Militär wurde zur Hilfe gerufen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe kündigte bei einer Notfallsitzung die Entsendung von rund 10’000 Soldaten in die Katastrophenregion an. Zudem sollen die betroffenen Menschen mit Notfallgütern versorgt werden. Die Meteorologische Behörde gab für viele Regionen die höchste Warnstufe aus und warnte für das restliche Wochenende vor weiterem heftigen Regen auch in Teilen des Westens.

( oli/sda )

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