logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Switzerland

«Untouchable: Harvey Weinstein» ist schwer zu ertragen: «Willst du mich wegen fünf Minuten zum Feind?»

Die Pausen sind lang. Unerträglich lang. Wenn die Frauen versuchen, ihre Ohnmacht und Lähmung in Worte zu fassen. Die Kamera hält auf die Gesichter, versteckt und beschönigt nichts, untermalt nichts mit Musik. Die Stille scheint unendlich, und man kann nur ahnen, wie schwer es nach dem jahrelangen Schweigen fällt, über eine sexuelle Vergewaltigung zu sprechen.

Drei Jahrzehnte. So lange schaffte es Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (67), die Frauen mundtot zu machen. Bis die «New York Times» die Geschichte 2017 aufs Cover brachte und damit die weltweite #MeToo-Bewegung in Gang setzte.

«Untouchable: Harvey Weinstein» versucht zu erklären, wie seine Macht in Hollywood stetig wuchs. Wie die Maschinerie rund um den gefallenen Mogul funktionierte. Wie er sein Imperium aufbaute. Und warum die Opfer nicht früher an die Öffentlichkeit gingen – oder eher gehen konnten.

«Ich sagte Nein»

Die Frauen, an deren Namen man sich nach der Lawine an Medienberichten kaum erinnert, bekommen in der Dokumentation viel Raum – unabhängig von ihrer Berühmtheit. Sie berichten von ihren Erlebnissen mit Weinstein. Von den Momenten, als sie wie gelähmt waren. Es fehlt einem fast die Luft zum Atmen, wenn Hope D'Amore von der Vergewaltigung spricht. Den Tränen nahe berichtet sie, wie Harvey zu ihr sagte: «Willst du mich wirklich wegen fünf Minuten deiner Zeit zum Feind haben?» Mit beherrschter Stimme erzählt sie weiter: «Ich dachte, wenn ich einfach die Klappe halte, ist es in ein paar Minuten vorbei. Ich hatte solche Angst.» Sie habe ihm zwar nicht die Augen ausgekratzt. Sie schüttelte den Kopf und fährt fort: «Aber ich sagte nein und schob ihn weg. Mehrmals.» Als müsse sie sich rechtfertigen.

Weinstein ging bei den Vergewaltigungen immer ähnlich vor. Er lud die Frauen unter einem Vorwand in seine Hotelsuiten, trat ihnen (und auch seinen Assistentinnen) halb nackt gegenüber. Er zwang sie zu Massagen. Gab es Gegenwehr – gegen seine unbändige Wut, gegen seine unglaubliche Macht in der Branche – dann brachte er die Frauen mit Abfindungen und Knebelverträgen zum Schweigen.

Harvey Weinsteins Opfer schalteten in den Überlebensmodus

In den unerträglichen Situationen mit Weinstein schalteten die Opfer in den Überlebensmodus. Sie berichten vom «Gefühl, plötzlich eingefroren zu sein». Sich nicht mehr bewegen zu können. «Ich fühlte, dass es schlimmer wäre zu gehen», sagt zum Beispiel Schauspielerin Erika Rosenbaum, als sie in Weinsteins Hotelbadezimmer einen in drei Teile zerbrochenen, mit Blut beschmierten Toilettensitz sah.

Harvey Weinstein droht wegen schwerer Vergewaltigung und Missbrauch eine lebenslange Haftstrafe. Der auf den 9. September geplante Prozessbeginn wurde vom Gericht in New York auf den 6. Januar verschoben. Weinstein plädiert auf «nicht schuldig».

All rights and copyright belongs to author:
Themes
ICO