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Verhandlungen in Afghanistan: Hochgefährliche Taliban-Kämpfer auf freien Fuss gesetzt

Der afghanische Präsident hat die Freilassung von teilweise als Schwerverbrecher geltenden Personen veranlasst. Damit sollen Friedensgespräche ermöglicht werden.

Freigelassene Taliban-Gefangene beim Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul. (13. August 2020)

Freigelassene Taliban-Gefangene beim Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul. (13. August 2020)

Foto: National Security Council of Afghanistan (Reuters)

In Afghanistan hat die umstrittene Freilassung hochgefährlicher Talibankämpfer begonnen. Am Donnerstag seien 80 inhaftierte Taliban aus der landesweit grössten Haftanstalt Pol-e Tscharchi im Osten der Hauptstadt Kabul freigelassen worden, teilte der nationale Sicherheitsrat am Freitag mit.

Die Freilassung von 400 als besonders gefährlich eingestuften Taliban galt als wichtigste Forderung der militanten Gruppe vor Beginn der Friedensverhandlungen.

Der Gefangenentausch zwischen den Taliban und der Regierung galt als Vorbedingung für Friedensgespräche. Er war Teil eines Abkommens zwischen den USA und den Taliban Ende Februar. Bis zu 5000 inhaftierte Taliban sollten im Tausch gegen 1000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene der Regierung freikommen. Nach Freilassung der Gefangenen sei ihr Verhandlungsteam innerhalb von einer Woche zum Beginn der Friedensgespräche bereit, hatte der Sprecher des politischen Büros der Taliban, Suhail Schahin, am Montag gesagt.

Präsident folgt Ratsempfehlung

Wann die restlichen 320 der 5000 Gefangenen freikommen, war zunächst unklar. Unter den 400 Inhaftierten sind 156 zum Tod verurteilte Taliban, wie eine Liste des nationalen Sicherheitsrats zeigt. Auch mutmassliche Drahtzieher von Anschlägen wie dem auf die Deutsche Botschaft im Jahr 2017 sollen sich unter den Schwerverbrechern befinden. Afghanistans Präsident Aschraf Ghani hatte die umstrittene Anordnung zur Freilassung am Montag unterzeichnet. Ghani folgte damit einer Empfehlung der grossen Ratsversammlung vom Sonntag.

Anfang der Woche hatten die USA ihre NATO-Verbündeten über Pläne zum Abzug weiterer Soldaten aus Afghanistan informiert. Bis Ende November 2020 soll eine Truppenreduzierung in Afghanistan auf knapp unter 5000 Soldatinnen und Soldaten durchführen werden. Zuletzt waren noch etwa 8600 in dem Land. Die Abzugspläne werden vor allem von US-Präsident Donald Trump vorangetrieben, der bei der am 3. November anstehenden Präsidentschaftswahl wiedergewählt werden will. Er hat seinen Anhängern versprochen, die «endlosen» Kriege Amerikas zu beenden und US-Truppen heimzuholen.

Die USA hatten mit den Taliban am 29. Februar in Doha (Katar) ein Abkommen unterzeichnet, das einen Abzug der internationalen Truppen vorsieht. Im Gegenzug versicherten die Taliban, dass von Afghanistan keine Terrorgefahr mehr ausgehe. Gleichzeitig soll der Deal den Weg für innerafghanische Friedensgespräche bereiten; dafür war der Gefangenenaustausch zur Vertrauensbildung vereinbart worden.

oli/sda

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