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«Was wäre, wenn» mit Tarantino

Mit dem Film «Once Upon A Time In Hollywood» hat der Regisseur eine Liebeserklärung an Hollywood geschaffen.

Der Ex-Star (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble (Brad Pitt).

Der Ex-Star (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble (Brad Pitt).

«Das war die beste schauspielerische Leistung, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe», sagt die Leinwandpartnerin von Rick Dalton, nachdem er ihr zuerst den Kopf wegzuschiessen gedroht und sie danach auf den Saloonboden geschmet­tert hat. Das Lob freut Dalton – obschon die Kollegin erst acht Jahre alt ist.

Vielleicht hat das Mädchen Dalton auch nur trösten wollen, weil er vorher in Tränen ausgebrochen ist, als er ihr von dem Westernroman erzählt hat, den er gerade liest: Darin hat sich der einst beste aller Wildpferdzureiter verletzt, und seither geht es mit seiner Karriere nur noch bergab. So ähnlich fühlt sich auch Dalton: Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre spielte er in Fernsehserien die Helden. Jetzt, 1969, aber wird er nur noch für Gastrollen als Bösewicht engagiert.

Der neuste Streich von Tarantino: «Once Upon a Time in Hollywood». Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

Die Szenen zwischen Dalton (Leonardo DiCaprio) und dem Mädchen (Julia Butters) sind berührend und komisch ­zugleich – und überraschen, denn sie stammen aus dem neusten Film von Quentin Tarantino. Dessen Titel «Once Upon a Time in Hollywood» verweist auf Filme von Sergio Leone, aber auch auf den klassischen Märchenanfang.

Was Tarantino hier erzählt, ist allerdings weniger ein Märchen als eine «Was wäre, wenn»-Geschichte: ­Dalton, der abgehalfterte Star, wohnt nämlich direkt neben Roman Polanski, dem heissesten Hollywood-Regisseur, und dessen Frau Sharon Tate. Daltons Stuntdouble und treuer Freund Cliff Booth (Brad Pitt) wiederum hat ein Hippiemädchen zu Spahn’s Movie Ranch gebracht, wo sie in einer Kommune lebt.

Immer wieder blendet Tarantino Daten ein, und als der 8. August 1969 erreicht wird, überläuft es ältere Zuschauer kalt: In jener Nacht brachten Kommunarden aus Spahn’s Movie Ranch die schwangere Sharon Tate und vier ihrer Freunde um.

Tarantino baut hier die Spannung ebenso meisterhaft auf wie Polanski in seinen besten Werken. Vorher fragt man sich ab und zu, warum der Film gar so breit erzählt ist – er dauert 161 Minuten. Aber man verzeiht es dem Regisseur, weil dies auch seine Liebeserklärung ans Filmemachen ist, sein Pendant zu Truffauts «La nuit américaine». Weder DiCaprio noch Pitt grimassieren, wie sie das früher bei Tarantino getan haben. Und der Regisseur zügelt sogar seinen üblichen Sadismus. Erstaunlich, erstaunlich.

In diversen Kinos.

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