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100 Tage Kerstin Deckenbrock: "Ich höre nicht nur: Das machen Sie super"

Seit gut dreieinhalb Monaten ist sie Bürgermeisterin von Triefenstein. Sie muss ohne Geschäftsleiter, dafür aber mit Streit in Homburg klar kommen. Wie schafft sie das?

Kerstin Deckenbrock sitzt an ihrem Schreibtisch im Triefensteiner Rathaus. Seit 100 Tagen ist sie Bürgermeisterin.
Kerstin Deckenbrock sitzt an ihrem Schreibtisch im Triefensteiner Rathaus. Seit 100 Tagen ist sie Bürgermeisterin. Foto: Martin Hogger
Frage: 100 Tage im Amt. Wie fühlt sich der Chefsessel im Rathaus an?

Deckenbrock: Es fühlt sich genauso an, wie ich es mir vorgestellt habe. Mir macht das Amt unheimlich Freude. Klar, wenn ich den Telefonhörer abnehme, hör ich nicht nur: "Das machen Sie super." Die Bürger haben Anliegen, oft aus der Vergangenheit natürlich auch aktuelle, sie wollen gehört werden und ich versuche, mich eines jeden Themas anzunehmen und so schnell wie möglich Rückmeldung zu geben.

An welchen Ihrer ehemaligen Jobs erinnert Sie das Bürgermeister-Sein am ehesten: Arzthelferin, Personal-Managerin oder Soldatin im Jugoslawienkrieg?

Deckenbrock: Es passt alles irgendwo. Ich habe es mit den unterschiedlichsten Menschen und Themen zu tun. Mein Spezialgebiet in den vergangenen Jahren war die kaufmännische und die Personalleitung und das bringt mir gerade am meisten, wenn ich zum Beispiel alte Verträge auseinandernehme oder mich mit dem Haushalt beschäftige und die ersten Termine in meinem Kalender als Bürgermeisterin waren Gespräche mit den fest angestellten Mitarbeitern der Verwaltung. Aber auch die gelernte Struktur, das Abarbeiten und Aufarbeiten von Themen durch meine Berufsbilder hindurch, helfen mir hier sehr stark.

Was hat Sie an Ihrem Job besonders überrascht?

Deckenbrock: Das Regenrückhaltebecken. An fast 70 meiner 100 Tage hat mich das beschäftigt. Seit Jahren zieht sich dieses Thema, deshalb habe ich das komplett aufgearbeitet – und die Unterstützung dabei war gigantisch. Es musste einen Kompromiss geben. In der vergangenen Sitzung hat der Gemeinderat meinen Vorschlag dann einstimmig angenommen. 

Sie sind als Politikneuling gestartet und waren gleich mitten in einer Pandemie. Gab es Momente, in denen Sie die Entscheidung bereut haben?

Deckenbrock: Nein. Ich arbeite von sieben bis sieben oder länger, da war die Pandemie zu Beginn ein Vorteil, da Termine ausfielen und ich Zeit für die intensive Einarbeitung hatte. Ich bin ein Workaholic und wie ich auf Facebook schon geschrieben habe: Ich fühle mich angekommen.

Wie konnten Sie sich während der Pandemie überhaupt einarbeiten?
An Kerstin Deckenbrocks Schreibtisch werden übrigens auch Triefensteiner Paare getraut. 
An Kerstin Deckenbrocks Schreibtisch werden übrigens auch Triefensteiner Paare getraut.  Foto: Martin Hogger

Deckenbrock: Ich möchte mal behaupten, dass mir und vielen anderen neuen Bürgermeistern Corona in der Hinsicht geholfen hat. Da viele Termine ausgefallen sind, hatte ich mehr Zeit für anderes. Ich will das, was ich sage, verstehen und es so erklären können, dass auch die 16 Gemeinderäte es verstehen. Das ist mein Anspruch.

Sie müssen sich außerdem einen neuen Geschäftsleitenden Beamten suchen. Wie weit sind Sie im Einstellungsprozess?

Deckenbrock: Die Bewerbungen sind eingegangen. Im September stellen sich die Kandidaten dann dem Gemeinderat vor. Optimal wäre, wenn der Neue im Januar anfangen könnte. Schlimmstenfalls wird es Mitte nächstes Jahr. Bis dahin stemme ich das gemeinsam mit der Verwaltung. 

Ihr Wahlslogan war "Aus vier mach wir". Was haben Sie geplant, um Ihr zentrales Wahlversprechen zu erfüllen? 

Deckenbrock: Vieles (lacht). Die Pandemie machte zu Beginn nur vereinzelt etwas möglich. Eines der nächsten Themen wird jetzt der Tourismus sein.

Wieso?

Deckenbrock: Da brilliert gerade jeder Ortsteil für sich. Wir müssen das in ein Gesamtkonzept bringen. Die Menschen sollen wissen, was man in Triefenstein machen kann – vom Kallmuth über das Kloster bis zu den Gasthäusern. Wir haben unheimlich viel zu bieten.

Sie rotieren jetzt außerdem mit den Gemeinderatssitzungen zwischen den Ortsteilen. 

Deckenbrock: Die Sitzungen sind sehr gut besucht. Ich brauche teilweise 40 Stühle.

Das sind ja mehr als in Marktheidenfeld.

Deckenbrock: Mehr geht auch nicht, wir müssen ja Abstand halten.

Sehen Sie sich im Gemeinderat eher als Moderatorin oder Meinungsführerin? 

Deckenbrock: Ich möchte keinem eine Meinung aufdrücken. Jeder der 16 Köpfe soll für sich selbst eine Entscheidung treffen können, wenn es zu einem Beschluss kommt. Dafür brauchen sie viel Wissen zu den einzelnen Themen. Ich versuche deshalb so viel wie möglich aus meinem Tagesgeschäft weiterzugeben, habe regelmäßige Termine mit den stellvertretenden Bürgermeistern und zusätzlich arbeiten wir an einem Monatsreporting für die Gemeinderäte.

Ich bitte Sie, Ihren Führungsstil mal an einem Beispiel festzumachen. Vor ein paar Wochen kam es zu einer Kampfabstimmung über einen Antrag des Weingutes Huller. Eine Probierstube soll zu einem Veranstaltungsraum werden. Die Nachbarn hatten sich darüber im Vorfeld offen beschwert. Wie geht man vor, wenn nachbarschaftlicher Streit mit öffentlichen Aufgaben kollidiert?

Deckenbrock: Wir mussten erst einmal genau verstehen, über was wir da abstimmen. Was dürfen wir als Gemeinde und was nicht? Ich habe zu einem Termin geladen – Gemeinderäte, die Hullers und die Nachbarn. Wir wollten vor Ort sehen, wo die Probleme sind. Und diesen Termin habe ich moderiert. Das war auch für die neuen Gemeinderäte wichtig, da der eigentliche Bauantrag zu der Probierstube nicht das Thema des Tagesordnungspunktes war, sondern eine Nutzungsänderung. Die Themen die angesprochen wurden - wie Lärm- und Brandschutz – werden von übergeordneter Stelle geprüft.

Deckenbrock: Mit Stimmen aus unterschiedlichen Fraktionen. Wenn wir aus städtebaulicher Sicht keine Einwände haben, dann dürfen wir einen solchen Antrag eigentlich nicht ablehnen. Wir müssen alle Bürger gleich behandeln. Trotzdem darf aber jeder Rat seine eigene Meinung haben. Das Baugesetzbuch sieht eine Mitwirkungsmöglichkeit für die Gemeinden zu einem eingereichten Bauantrag vor und zusammen mit dem gemeindlichen Einvernehmen prüft und entscheidet das Landratsamt den eingereichten Antrag.

Sie haben bei unserer Tour durch Triefenstein Anfang des Jahres gesagt, dass ein Bürgermeister mehr tun müsse, als nur Weinflaschen verteilen. 

Deckenbrock: Oh, der Satz wurde mir bös genommen (lacht).

Haben Sie inzwischen einen Bocksbeutel verteilt?

Deckenbrock: Sehr viele sogar (lacht wieder). Inzwischen waren es sicher 20. Der Satz sollte aussagen, dass ich etwas in Triefenstein bewegen will und nicht, dass ich „nur“ Bocksbeutel verteilen möchte. Tatsächlich freue ich mich über jeden dieser Termine der Jubilare.

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