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50 Jahre Gerhard Geißel Maschinenbau: Nachwuchsprobleme kennt der Familienbetrieb nicht

In den Fertigungshallen der Firma Gerhard Geißel Maschinenbau in Eibelstadt kennt jeder jeden. Dass Vater und Sohn gemeinsam an einem Auftrag arbeiten? In ihrem Betrieb sei das nichts Außergewöhnliches, sagt Thomas Geißel, der verantwortlich ist für Arbeitsvorbereitung und Kalkulation sowie Kundenbetreuung und -akquise. Es gehe familiär zu, viele Mitarbeitende seien aus Eibelstadt und Umgebung, viele Jahrzehnte schon Teil der Firma, sagt er.

Die Firma stellt Zentrifugen her, hat sich allerdings vor allem auf deren Reparatur spezialisiert – und ist ein Familienbetrieb, wie er im Buche steht. Gegründet wurde er von Gerhard Geißel, der erste Firmensitz befand sich in Giebelstadt. Das ist jetzt 50 Jahre her. Am 7. Oktober feiert der Betrieb sein Jubiläum.

Kinder des Gründers leiten den Betrieb

Der Gründer selbst ist mittlerweile bereits aus dem Betrieb ausgeschieden. "Er schaut aber fast jeden Tag mal vorbei", sagt Sohn Thomas Geißel. Auch seine Geschwister sind Teil des Betriebs – Udo Geißel als Geschäftsführer, Petra Geißel als Verantwortliche für kaufmännische Angelegenheiten und Organisatorisches. Mit dem Neffen Sebastian Geißel ist auch die nächste Generation bereits im Betrieb vertreten.

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In den Produktionshallen riecht es nach Maschinenöl und Metall. In der Nähe der Eingangstüre stehen CNC-Maschinen. Sie sind in der Lage, Arbeitsabläufe automatisch vorzunehmen. "Bei der Reparatur passiert vieles bei uns aber auch manuell", erklärt Thomas Geißel. 

Die Firma Gerhard Geißel Maschinenbau verfügt über circa 2000 Quadratmeter Produktionsfläche.
Foto: Johannes Kiefer | Die Firma Gerhard Geißel Maschinenbau verfügt über circa 2000 Quadratmeter Produktionsfläche.

Nach seiner Gründung im Jahr 1973 hatte sich das Unternehmen vorerst vor allem auf die Herstellung von Einzelteilen und ganzen Zentrifugen für den Konzern Alfa Laval konzentriert. Das ist mittlerweile anders. In den 90er Jahren habe sich das Unternehmen dazu entschieden, sich für Zentrifugen nahezu aller Hersteller zu öffnen, sagt Geißel. "Seitdem geht es hauptsächlich um Reparaturen."

Kunden quer durch alle Industriesparten

Lebensmittel, Chemie, Pharmazie, Tierkörperverwertung – Endkunden gebe es quer durch verschiedene Industrien, so der 58-Jährige. "Immer da, wo es um die Trennung von Feststoffen von Flüssigkeiten geht", sagt er. Auch Generalüberholungen der Maschinen oder Anpassungen an neue Technologien umfasst das Portfolio des Unternehmens.

Josef Grün arbeitet an der Förderschnecke eines Dekanters. Grün ist einer der langjährigsten Mitarbeiter im Betrieb.
Foto: Johannes Kiefer | Josef Grün arbeitet an der Förderschnecke eines Dekanters. Grün ist einer der langjährigsten Mitarbeiter im Betrieb.

Und es läuft gut, wenn man Thomas Geißel fragt. Trotz Corona, der Inflation und anderer Krisen stehe der Betrieb, der insgesamt 30 Mitarbeitende beschäftigt, gut da. "Wir befinden wir uns in einer Nische, in der wir wenig Konkurrenz haben", erklärt Geißel. Außerdem könne der Familienbetrieb in der Regel alle Arbeitsschritte im eigenen Haus durchführen. Das sei praktisch, wenn es schnell gehen muss.

Den Fachkräftemangel spüre auch der Familienbetrieb, sagt Thomas Geißel. "Auf dem Arbeitsmarkt findet man niemanden", sagt er. "Wenn man eine gute Fachkraft sucht, muss man sie aus bestehenden Verhältnissen abwerben."

Bei der Reparatur von Zentrifugen kommen verschiedene Fräsaufsätze zum Einsatz.
Foto: Johannes Kiefer | Bei der Reparatur von Zentrifugen kommen verschiedene Fräsaufsätze zum Einsatz.

Eigentlich habe das Unternehmen bereits vor einigen Jahren ein angrenzendes Grundstück gekauft, um dort eine weitere Fertigungshalle bauen zu können, schildert Geißel. Doch dieser Plan sei auf Eis gelegt. "Dafür bräuchten wir fünf bis sechs weitere Mitarbeiter und die sind zurzeit schwierig zu finden", sagt er.

Von Nachwuchsproblemen spürt der Betrieb wenig

Besser sehe es im Bereich Nachwuchs aus. Hier müsse sich die Firma, anders als viele andere Industrie- und Handwerksbetriebe in der Region, vorerst keine Sorgen machen, so Geißel. "Wenn wir Stellen ausgeschrieben haben, haben wir auch immer Bewerbungen bekommen." Derzeit gebe es vier Auszubildende im Familienunternehmen. "Das ist gut, bei unserer Größe."

Ein Mitarbeiter der Firma Geißel Maschinenbau führt Schweißarbeiten durch.
Foto: Johannes Kiefer | Ein Mitarbeiter der Firma Geißel Maschinenbau führt Schweißarbeiten durch.

Woran das liegt? Geißel tippt auf die Verbundenheit mit dem Ort Eibelstadt. Azubis kämen häufig aus der Umgebung oder hätten Familienmitglieder, die bereits in der Firma arbeiten. Auch die Schnupperlehre im Betrieb werde gut angenommen. "Und wer hier gelernt hat, bleibt normalerweise auch", ergänzt Geschäftsführer Udo Geißel.

Er selbst ist bereits seit mehr als 40 Jahren im Betrieb. "In der ganzen Zeit wurde es nie langweilig. Für mich ist jeder Tag spannend", sagt Geißel. Immer wieder gebe es neue Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen.