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Alkohol, Cannabis und erbitterter Widerstand: Verkehrskontrolle zwischen Sand und Zell lief komplett aus dem Ruder

Eine unrühmliche Premiere "feierte" ein 29-jähriger Mann aus dem Landkreis Haßberge am Mittwoch am Amtsgericht Haßfurt: Nach elf Verurteilungen zu Geldstrafen oder Bewährungsstrafen erhielt der Wiederholungstäter eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Richter Christopher Lehmann verurteilte den Angeklagten zu elf Monaten Haft, weil er im September vergangenen Jahres betrunken Pedelec gefahren war, das Leben von Polizeibeamten bedroht, sie aufs Übelste beleidigt und bei der Festnahme Widerstand geleistet hatte. Gleichzeitig ordnete der Vorsitzende die Einweisung in eine Entziehungsanstalt an.

Neben der Straße den Rausch ausgeschlafen

Sein fester Schlaf wurde dem Angeklagten in einer Septembernacht vergangenen Jahres zum Verhängnis, wie aus der Gerichtsverhandlung hervorging: Mit später ermittelten 2,44 Promille und Cannabis im Blut lag er kurz vor Mitternacht neben der Straße zwischen Sand und Zell neben seinem Elektro-Rad und schlief seinen Rausch aus. Eine vorbeifahrende Autofahrerin machte sich um den Betrunkenen Sorgen und verständigte den Rettungsdienst, der wiederum die Polizei einschaltete.

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Eine Streife traf kurz danach ein und forderte den Angeklagten dazu auf, sein Rad heim zu schieben. Der versprach, dies zu tun, hielt sich aber nicht daran. Als die Beamten wenig später wieder die Straße entlangfuhren, sahen sie den Betrunkenen Fahrrad fahren. Die anschließende Verkehrskontrolle sollte dann aus dem Ruder laufen.

Nachdem der Atemalkoholtest einen Wert jenseits der 2,5 Promille ergeben hatte, kündigten die Polizisten dem Angeklagten an, dass die Reise ins Haßfurter Krankenhaus geht – zur Blutkontrolle. Diese Ankündigung ließ die Stimmung des Betrunkenen kippen, wie vor Gericht berichtet wurde. Er betitelte die Beamten mit Schimpfwörtern und drohte ihnen: "Ich bringe euch alle um."

2,44 Promille und THC im Blut

Beim Anlegen der Handschellen wehrte sich der 29-Jährige vehement, wie es vor Gericht hieß. Im Krankenhaus beleidigte er den behandelnden Arzt und wehrte sich gegen die Blutentnahme, die den Wert von 2,44 Promille plus eine geringe Menge des Cannabis-Wirkstoffs THC ergab. In der Ausnüchterungszelle der Polizeistation in Haßfurt angekommen, weigerte der Mann sich zudem, Hemd und Hose auszuziehen, und schlug mit seiner Faust in Richtung eines Polizisten.

Auf der Anklagebank schob er nun den Schwarzen Peter einem Polizeibeamten zu. Dieser sei auf ihn losgegangen und habe ihn zu Boden gebracht, wobei er eine Platzwunde am Auge erlitten habe. Er habe zuvor mit einem Kumpel an die zehn Bier und ein "Dösla Jacky Cola" getrunken. Es sei damals eine schwere Zeit für ihn gewesen, nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin. Auch sein Kind habe er nicht sehen dürfen.

In 15 Monaten zum vierten Mal beim Richter

Für den Vorsitzenden ist der Angeklagte indes sozusagen schon ein alter Bekannter: "Ich bin seit 15 Monaten hier und sie sind schon zum vierten Mal bei mir", mahnte er. Körperverletzungen, Verkehrs- und Drogendelikte sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte stehen im Strafregister des Angeklagten, dessen Vita auch sonst wenig Erfreuliches hergibt. Eine Lehre hat er abgebrochen, seinen Job in einer Fabrik verloren. Aus einer Alkoholtherapie wurde er vorzeitig nach einem Rückfall entlassen.

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Die Staatsanwältin beantragte eine 14-monatige Haftstrafe. Pflichtverteidiger Klaus Neukam hielt maximal neun Monate für ausreichend, zumal ein psychiatrischer Gutachter seinem Mandanten verminderte Schuldfähigkeit attestiert habe.

Richter Lehmann blieb in der Mitte der Anträge. Er bezeichnete die Taten als "unerträglich". "Jeder Fünfjährige weiß, dass Polizeibeamte ein Mindestmaß an Anstand und Respekt verdienen", ermahnte er den Verurteilten, der zur Tatzeit mehrfach unter laufender Bewährung stand. Ihm droht nun ein Bewährungswiderruf, sodass sich sein Aufenthalt im Gefängnis noch verlängern könnte.