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An ihrem 93. Geburtstag machte es „Klick“, sagt er – und tötete sie

Zu seiner Frau wird Peter G. nicht zurückkehren. Stattdessen kommt er ins Haftkrankenhaus, sieben Jahre Gefängnis stehen ihm bevor. Dabei war es der größte Wunsch seines 84-jährigen Mandanten, nach Hause in die Wohnung in Berlin-Neukölln zu gehen und sich „um seine Kleene“ zu kümmern, wie Verteidiger Alexander Richter in seinem Schlussplädoyer ausführte, den Kosenamen aufgreifend, den Peter G. für seine Frau Ilona verwendete: „Er will in ihrer Nähe sein, er will sich nicht von ihr entfernen“, sagte Richter. Er habe seine Frau geliebt. Und er liebe sie noch heute.

Dabei lebt Ilona G. lebt mehr. Sie liegt begraben auf dem Friedhof in Neukölln, 450 Meter entfernt von ihrer früheren Wohnung entfernt. Peter G. selbst hat seine Frau getötet, heimtückisch, in den frühen Morgenstunden des 7. Januar 2021. Dies sah die 30 Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin als erwiesen an.

G. hatte an jenem Tag mit einem Holzhammer auf die 93-Jährige eingeschlagen, mindestens 30 Mal, und so ihr Gesicht zertrümmert wurde. Weil er glaubte, noch einen Puls zu spüren, holte er ein Küchenmesser, schnitt ihr die Kehle durch, stach ihr in den Brustkorb. Anschließend versuchte er, sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden, was ihm aber nicht gelang. Und so wählte Peter G. den Notruf, öffnete die Wohnungstür und wartete im Sessel auf die Polizei. In der psychiatrischen Ambulanz erzählte er, dass seine Frau und er ausgemacht hatten, zusammen zu gehen, sich nicht allein zu lassen.

Heimtücke oder Mord im Affekt?

War es Heimtücke, wartete Peter G. darauf, dass seine Frau schlief, um sie zu erschlagen, plante er dies womöglich schon länger, weil er überfordert war, wie es die Staatsanwältin anführte? Oder tötete Peter G. im Affekt, wie es sein Anwalt im Schlussvortrag ausführte, tat er dies aus purer Verzweiflung, gar aus Liebe zu ihr?

Darüber mussten die Richter und Geschworenen nach vier Tagen Beweisaufnahme in dem ungewöhnlichen Verfahren entscheiden. Peter G. hatte zum Prozessauftakt gesagt, er habe in jener Nacht gehört, wie seine Frau geweint habe. Da habe es bei ihm „Klick“ gemacht, er habe nur noch gewollt, dass seine „Kleene“ aufhörte zu weinen, erzählt er. Es war der 93. Geburtstag von Ilona G.

Die Staatsanwältin verwies auf die tragische Lebenssituation, auf die mediale Aufmerksamkeit, die der Angeklagte bekam. Es sei vom „traurigsten Mordprozess Berlins“ die Rede, aber das sei nun mal die Perspektive der Außenstehenden: „Er war ein bis ins letzte rechtstreuer Bürger, und dennoch hat er seine Frau bestialisch getötet.“ Und zwar nicht aus Mitleid, sondern aus einer „feindlichen Willensrichtung“ heraus, wie sie argumentierte.

Dennoch kam es zu dem vergleichsweise milden Urteil von sieben Jahren für den Mord, das weit entfernt von der Mindeststrafe liegt. Die Kammer folgte zwar dem Antrag der Staatsanwältin, die ihn als voll schuldfähig einschätzte, aber eine verminderte Steuerungsfähigkeit des heute 83-Jährigen während der Tat anführte. Die Verteidigung verzichtete darauf, ein Strafmaß zu fordern, appellierte jedoch an das Gericht, dem Angeklagten ein Leben zu Hause zu ermöglichen. Dieser Appell erfüllte sich nicht.

Peter G. sei in einer schwer depressiven Episode gewesen, mehrfach gestürzt, habe seine Frau zweifelsfrei sehr geliebt, sagte der Vorsitzende Richter Gregor Herb. „Es war kein Hass und kein Verdruss, es war der einzige Ausweg, den er sah.“ Dennoch bleibe das Ganze ein heimtückischer Mord.

Peter G. trägt Kopfhörer, die die Worte des Richters übertragen, denn er ist schwerhörig. Sein Gesicht ist gelblich und eingefallen, sein Haar farblos und schütter. Der Richter erinnerte ihn immer wieder daran, Wasser zu trinken. G. ist Diabetiker, leidet an Depressionen und weiteren Krankheiten. Er verbrachte die Zeit seit Januar im Haftkrankenhaus, weit entfernt von seiner Zweizimmerwohnung in Berlin-Neukölln, in der er jahrzehntelang mit seiner Frau Ilona gelebt hatte, mit der er länger als 50 Jahre verheiratet war.

Kennengelernt hatte er seine zweite Ehefrau in dem letzten Betrieb, in dem er als Werkzeugmacher arbeitete. Ilona war Feinlöterin und neun Jahre älter als er. 1969 heirateten die beiden im Standesamt Neukölln. Sie hatten keine Freunde, waren einander genug, blieben unter sich, bekamen keine Kinder. Als das Unternehmen insolvent wurde, ging Peter G. in Frührente. Mit 3000 Euro gemeinsamer Rente monatlich konnten sie gut leben in ihrer karg und spartanisch eingerichteten Zweizimmerwohnung im dritten Stock, die immer penibel aufgeräumt war. „Sie führten ein geordnetes Leben, das in Einsamkeit angelegt war“, heißt es im psychiatrischen Gutachten des Sachverständigen.

Die harmonische Ehe geriet aus dem Lot

Mit zunehmendem Alter wurde Ilona B. wurde gebrechlich und bettlägerig, konnte die Stufen im Hausflur nicht mehr laufen. Also übernahm der Ehemann ihre Pflege. Drei Jahre lang ging er einkaufen, kümmerte sich um seine Frau. Die harmonische, aufeinander bezogene Ehe der beiden geriet aus dem Gleichgewicht. Peter G. übernahm die Rolle des Versorgers, Ilona G. war an die Wohnung gefesselt. Sie habe sich verändert, hätte keine Späße mehr mit ihm gemacht, habe oft geweint und gesagt, sie fühle sich nutzlos, sagte er zu Beginn des Verfahrens. Peter G. machte Vorschläge, wollte eine Pflegekraft organisieren, mit ihr zusammen in eine betreute Einrichtung ziehen. Doch seine Frau wollte nicht, dass jemand die Wohnung betrat, mochte keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen, weigerte sich umzuziehen.

Von den Problemen bekam niemand etwas mit. „Das ist die Nachkriegsgeneration, sie zeigt keine Schwäche“, erklärte sich Verteidiger Richter den Rückzug. Die meisten Leute im Haus wussten nicht einmal, dass dort noch eine Frau lebt.

Nur zwei jüngere Nachbarinnen der Wohngemeinschaft nebenan erfuhren eher zufällig in der Corona-Krise davon. Sie hatten Peter G. als vermeintlich Alleinlebendem nach Ausbruch der Pandemie mehrfach Hilfe angeboten, die er ablehnte. Doch erst als er selbst stürzte und nicht mehr einkaufen konnte, traute er sich, nebenan zu klingeln und einen kleinen Einkaufszettel zu überreichen. Daraufhin erledigten die beiden Frauen ein paar Mal Apothekengänge und Einkäufe für ihn: „Es war ihm unangenehm. Er gab uns immer viel zu viel Geld mit entschuldigte sich“, erinnert sich die 34-Jährige im Zeugenstand.

Gegen Ende des Jahres 2020 betrat sie einmal die Wohnung, weil Ilona G. Medikamente benötigte. Die alte Frau habe „verhuscht“ und etwas durcheinander gewirkt. Ihr Mann habe sich liebevoll verhalten, von einem Streit oder Gesprächen bekam sie nie etwas mit. Abends hörte sie nur die „Tagesschau“ aus der Wohnung der beiden durch die Wand.

Ende 2020 habe sich die Situation dann auch verschlechtert, hielt das Gericht fest. Kurz vor dem Jahreswechsel musste Peter G. wegen Problemen am Verdauungstrakt ins Krankenhaus. Seine Frau irrte durchs Haus, klingelte bei verschiedenen Nachbarn, fand sich nicht zurecht. Als er am 5. Januar mit starken Schmerzen erneut in die Klinik eingeliefert wurde, erfuhr er, dass man einen Tumor bei ihm vermutete. Doch statt auf ungewisse Zeit im Krankenhaus zu bleiben, um die lebensnotwendigen Untersuchungen zu machen, entließ er sich selbst. Er wusste, dass seine Frau sich nicht allein versorgen konnte. Er wollte sie überreden, mit ihm in die Klinik zu kommen, was möglich gewesen wäre, da sie kurz zuvor gestürzt und sich am Bein verletzt hatte. Doch sie lehnte jede Hilfe ab, auch jetzt, erneut.

Wann genau Peter G. an diesem Tag  den Entschluss fasste, seine Frau zu töten, lässt sich nicht abschließend sagen. Es habe ein letztes fruchtloses Gespräch gegeben an dem Abend. Peter G. habe dann abgewartet, bis sie schlief. Dann holte er den Holzhammer, der im Flur hing, ging an ihr Bett und schlug zu. Doch sie wurde nicht von einem Schlag bewusstlos, sondern wachte auf, wehrte sich, sodass er weitermachte, schließlich das Küchenmesser holte. „Das war sehr viel mehr, als es braucht, um jemanden zu töten“, wandte sich der Richter direkt an G.

Als er dann gesehen habe, dass er die Frau, die er eigentlich liebte, getötet hatte, wollte er sich selbst umbringen. G. sei „im Tunnel“ gewesen während der Tat: „Wenn das der Ausweg war für sein Leben, eine solche Tat an der Frau zu begehen, die er liebte, wie schlecht muss es ihm gegangen sein?“

Peter G. wird das Grab seiner Frau nicht besuchen, keine Blumen vor dem Stein niederlegen, auf dem ihr Name steht – und auch sein eigener. Auf seinen Wunsch wurde er mit hineingemeißelt. Das Gericht hält eine Fluchtgefahr zwar für nicht sehr dringlich, aber auch nicht für ausgeschlossen. Dass er nun dort nicht trauern könne, sei die Konsequenz, die Peter G. nun tragen müsse, wie ihm Herb klar machte: „Und wo wollen Sie auch hin? Zu Hause werden die Türen vor Ihnen geschlossen, Sie werden in Ihrem Haus derjenige sein, der seine Frau getötet hat.“

G. lauschte unbewegt, fast schicksalsergeben, die hageren Schultern gebeugt. Nach dem Urteil blieb er geduldig sitzen, bis ihn die Justizbeamten zum Rollstuhl führten, der in der Ecke des Saals auf ihn wartete. Dann ließ er sich wortlos den Flur entlang zurück ins Haftkrankenhaus schieben.

Sollten Sie selbst das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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