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Astrazeneca-Stopp an Impfzentrum: Ärzte äußern Unverständnis - „Aus medizinischer Sicht sehr gut“

Eine Entscheidung der Regierung von Oberbayern bringt die niedergelassenen Ärzte im Landkreis in die Bredouille: Nun sollen allein sie den Wirkstoff von Astrazeneca verimpfen. Das sorgt auch für Unverständnis.

Landkreis – 13 923 Menschen im Landkreis waren am Sonntag mit einer Erstimpfung gegen das Corona-Virus versorgt. Macht eine Quote von 15,8 Prozent. Damit hinkt die Region der bayernweiten Entwicklung (19,5 Prozent) weiterhin hinterher. Dennoch: Zuletzt hatte man das Gefühl, dass die Zahlen zumindest konstanter wurden, täglich ein Zuwachs an Geimpften festzustellen war.

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Hausärzten könnten noch mehr impfen - doch es fehlt der Impfstoff

Ein Eindruck, den Dr. Alexandru Munteanu stützt. „Wir sind gut ausgelastet, machen derzeit 350 bis 380 Impfungen am Tag“, versichert der Leitende Impfarzt im Landkreis. Und er räumt sogar ein: „Es würde noch mehr gehen, wir könnten die Kapazitäten noch hochschrauben, wir hätten ein paar Schräubchen, an denen wir drehen könnten.“ Doch: Dafür fehlt weiterhin der Impfstoff.

Gerade in dieser Hinsicht muss das heimische Impfzentrum am Alpspitz-Wellenbad in Garmisch-Partenkirchen nun einen echten Dämpfer verkraften. „Ab der Kalenderwoche 17 dürfen wir kein Astrazeneca mehr verimpfen“, betont Munteanu. Klare Anweisung der Regierung von Oberbayern. Der in der Öffentlichkeit umstrittene Wirkstoff wird ab sofort nur noch den niedergelassenen Ärzten geliefert. Munteanu kann es nicht nachvollziehen. „Aus medizinischer Sicht ist der Wirkstoff sehr gut“, betont der Experte. „Ich würde ihn mir mit meinen 37 Jahren selbst impfen lassen.“

Astrazeneca-Verbot: Dämpfer fürs Impfzentrum - Mediziner kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Nun ist die Lage prekär. So empfinden es jedenfalls zwei Vertreter der Hausärzte. Dr. Kristina Ott (Garmisch-Partenkirchen) und Dr. Andreas Spiegl (Murnau) schlagen Alarm. Denn: Sie sollen jetzt den unbeliebten Impfstoff an ihre Patienten spritzen. Und das in einer Zeit, in der die Intensivstationen in den Kliniken voller und voller werden (wir berichteten). Dabei machen sie eines deutlich: Das Serum von Astrazeneca wird in ihren Augen vollkommen zu Unrecht verunglimpft. „Für die Über-60-Jährigen ist es der ideale Impfstoff“, behauptet Ott eisern.

Bei dieser Aussage widerspricht auch Munteanu nicht. Er hätte kein Problem damit, auch am Impfzentrum weiter auf Astrazeneca zu setzen. Grundsätzlich sei die Quote der Verweigerer an der zentralen Station sehr gering. „Bei 150 Patienten sind es vielleicht drei oder vier.“ Ein Top-Wert, den er freilich ein wenig relativiert. „Die Leute kommen natürlich zu uns ins Zentrum, weil sie grundsätzlich geimpft werden wollen.“

Corona: Schlechter Start von Astrazeneca liegt laut Ärzten an unzureichenden Studien - „Das Ganze ist nicht optimal dargestellt worden“

Dass Astrazeneca einen derart schlechten Start in Deutschland hingelegt hat, liegt laut dem Medizinier an den mangelhaften Studien, die im Vorfeld veranlasst worden waren. „Das Ganze ist nicht optimal dargestellt worden, es waren einfach nicht ausreichend viele Personen aus den verschiedenen Altersgruppen dabei, um ein richtiges Bild zu bekommen.“ So sei man eben erst jetzt in der Lage, klarere Aussagen zu treffen. Die zentrale fasst Ott zusammen: „Über-60-Jährige brauchen keine Angst vor diesem Impfstoff zu haben.“ Männer wie Frauen.

So wie niedergelassene Ärzte nun vor einem Problem stehen, ihre Patienten in eingehenden Gesprächen überzeugen zu müssen, haben auch Munteanu und sein Team im Impfzentrum eine Herausforderung zu meistern. Denn rund 1700 Erstgeimpfte im Alter von über 60 Jahren brauchen noch eine zweite Dosis Astrazeneca. Die brauchen aber keine Angst zu haben. „Diese Personen dürfen wir noch mit dem Wirkstoff impfen“, beruhigt Munteanu. Schwieriger wird es mit jenen Erstgeimpften, die jünger als 60 Jahre sind. „Und das sind immer auch um die 1400 Personen.“ Auch für sie wurde eine Regelung getroffen. „Sie können sich aussuchen, ob sie nochmals mit Astrazeneca geimpft werden oder die zweite Dosis von einem anderen Impfstoff bekommen wollen.“

Was die Beteiligten an diesem Pressegespräch ärgert: die Kommunikation von Regierungsseite. „Wir haben auch keine Information bekommen, warum das jetzt passiert“, betont Munteanu. Ott wird in dieser Hinsicht schon leicht schnippisch in Richtung der Verantwortlichen. „Das wird dann uns erklärt“, mault sie. „Wir bekommen jetzt Astrazeneca, weil wir unsere Patienten kennen und überzeugen sollen, dass sie sich den Impfstoff spritzen lassen sollen.“ Grundsätzlich kein verkehrter Ansatz, urteilt Ott. Doch sorge die Entscheidung, das Serum bei den offiziellen Impfzentren abzuziehen, nicht gerade für mehr Vertrauen.

Der Impfstoff Astrazeneca ist in der Öffentlichkeit verpönt - vollkommen zu Unrecht, sagen die Hausärzte Dr. Kristina Ott und Dr. Andreas Spiegl. Sie haben vor allem eines im Sinn: Die Menschen richtig aufklären. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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