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Auch bei Hanau-Anschlag: Wann Google vor Gefahren warnt und wie das funktioniert

Auch bei Hanau-Anschlag : Wann Google vor Gefahren warnt und wie das funktioniert

Mit sogenannten SOS-Warnmeldungen informiert Google Smartphone-Nutzer über Katastrophen und Krisen. Auch beim rassistischen Terroranschlag in Hanau kam die Funktion zum Einsatz. Wir erklären, wie sie funktioniert.

„Hanau – Schusswaffengebrauch“: Mit diesem Schriftzug und einem roten Ausrufezeichen warnte die Karten-App Google Maps in der Nacht zum Donnerstag im hessischen Hanau vor dem rechtsextremistischen Terroranschlag eines 43-jährigen Deutschen. Tobias R. hatte in zwei Shisha-Bars neun Menschen erschossen und anschließend seine Mutter und sich selbst getötet. Alle in den beiden Bars getöteten Menschen hatten einen Migrationshintergrund.

So sah die Warnung vor dem Hanau-Anschlag aus.
So sah die Warnung vor dem Hanau-Anschlag aus. Foto: Screenshot/Google Maps

„SOS-Warnmeldungen“ nennt Google seine Funktion, die laut offizieller Hilfe „bei Naturkatastrophen oder von Menschen verursachten Krisen Notfallinformationen für alle zugänglicher machen“ soll. Es gibt sie nicht nur bei Google Maps, sondern etwa auch in der normalen Google-Suche.

Wer sich im direkten Umfeld des Vorfalls befindet und Google dauerhaften Zugriff auf den Standort des eigenen Smartphones gewährt, erhält demnach auch ein Benachrichtigung auf dem Startbildschirm. Wer sich nicht in der Nähe des Ereignis befindet, kann die Warnung trotzdem sehen, unter anderem bei der Suche nach Informationen über das Ereignis. Im Fall des Hanau-Anschlags war die Warnung etwa auch zu sehen, wenn man in Google Maps die Kartenansicht von Hanau geöffnet hatte. Kurz nach ein Uhr nachts meldeten erste Nutzer auf Twitter, eine Warnung erhalten zu haben. Allerdings werden je nachdem, wo man sich befindet, andere Informationen angezeigt, erklärt das Unternehmen: „Zum Beispiel wird anstelle von Notfalltelefonnummern unter Umständen ein Spendenaufruf für die Krise eingeblendet.“

Die Warnfunktion von Google ist nicht neu, sie kam international schon bei verschiedenen Naturkatastrophen und anderen Krisenfällen zum Einsatz. In Deutschland warnte die Funktion beispielsweise schon Nutzer in Halle/Saale vor dem antisemitischen Anschlag am 9. Oktober 2019.

Doch woher stammen die Informationen? Im Falle des Hanau-Anschlags gab das Unternehmen dazu auf Anfrage unserer Redaktion bisher keine Auskunft. Allgemein teilt Google in seiner offiziellen Hilfe aber mit, dass eine ganze Reihe Quellen für die Warnmeldungen herangezogen werden. „Wir haben Teams auf der ganzen Welt, die Informationen von Regierungsbehörden, Ersthelfern, vertrauenswürdigen Medienquellen und Nichtregierungsorganisationen beziehen“, schreibt das Unternehmen. Hinzu kämen Informationen aus den hauseigenen Diensten. So analysiert das Unternehmen mit Google Trends etwa, wonach Menschen besonders häufig suchen. Der Dienst Google News sammelt außerdem Informationen, zu welchen Themen besonders viele Nachrichtenartikel verschiedener Medien erstellt werden.

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Wann Google schließlich wirklich eine Warnmeldung veröffentlicht, dazu nennt das Unternehmen verschiedene Faktoren. So fließt etwa mit ein, wie viele offizielle Informationen es zu einem Ereignis bereits gibt und wie groß die Auswirkungen für die Menschen sind. Bei der unübersichtlichen Situation in der Nacht des Hanau-Anschlags dürften beide Faktoren deutlich für eine Warnung in der App gesprochen haben.