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Baumann rechnet mit weiterem Lohn-Verzicht

Sportchef Frank Baumann ist davon überzeugt, dass die Werder-Profis auch künftig auf Teile ihres Gehalts verzichten werden.

Sportchef Frank Baumann ist davon überzeugt, dass die Werder-Profis auch künftig auf Teile ihres Gehalts verzichten werden. (nordphoto)

Es ging ums liebe Geld – und da hört bekanntlich die Freundschaft auf. Bei Werder war das nicht anders, als im vergangenen Mai die „Kurvenheld“-Aktion die Runde machte. In einem Schreiben an die Dauerkarteninhaber war seinerzeit für den Verzicht auf eine anteilige Rückerstattung der Ticketkosten geworben worden. Doch Corona-Probleme hin oder her, es hagelte ordentlich Kritik für den Verein, das Projekt entwickelte sich in Windeseile zu einem echten Flop. Auch der Hinweis darauf, dass nach Rücksprache mit dem Dachverband Bremer Fanclubs zwölf Prozent des Geldes als Spende an die SOS-Kinderdörfer in Bremen und Worpswede gehen, konnte da keine Wende mehr bringen.

„Die von uns mit ,Kurvenheld' überschriebene Aktion ist von uns kritisch aufgearbeitet worden. Wir haben natürlich mitbekommen, dass es eine negative Resonanz auf das gegeben hat, was wir eigentlich positiv besetzt zum Ausdruck hatten bringen wollen“, sagte jetzt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. „Uns ist es nicht gelungen, das in einer Breite rüberzubringen, wie es für eine erfolgreiche Aktion notwendig gewesen wäre.“ Viele Fans hatten damals ihren Unmut über den Brief geäußert, mal ging es um das konsequente Duzen, dann wieder um die Marketing-Vokabeln, die genutzt wurden. Und auch das kleine Dankeschön – ein Geschenkpaket bestehend aus einem Aufnäher, einem Stadionbecher und einem Sechserträger Bier – das sich der Klub überlegt hatte, kam nicht wirklich gut an.

Kritik an der Kritik

„Wir hatten im Vorfeld der Aktion viele Rückmeldungen von den Fans, dass es Ausdrücke von Solidarität gibt. Viele Fans und Fangruppierungen waren bereit zu verzichten“, sagte Hess-Grunewald. „Diesen Gedanken haben wir versucht aufzunehmen. Wir wollten das nicht nur mit einem schlanken Danke machen, sondern mit einer gewissen Symbolik in einer kleinen Form der Anerkennung. Wenn man natürlich anfängt abzuwägen und sagt, dass ich hier auf beispielsweise 150 Euro verzichte und nun dafür ein Trikot haben möchte, das 90 Euro kostet, dann kommen wir in eine Disbalance.“ Man müsse schließlich die gesamtwirtschaftliche Situation im Auge behalten. „Hier standen für uns acht Millionen Euro im Feuer an möglichen maximalen Rückforderungen, wenn wir Dauerkarten-, Public- und Businessbereich-Kunden zusammenaddieren“, sagte Hess-Grunewald.

In einer Saison, in der es schon auf dem Platz nicht rund lief, hat Werder diese Nebengeräusche nun wirklich nicht auch noch gebrauchen können. Doch nun war sie einmal da, die zusätzliche Unzufriedenheit der eigenen Anhängerschaft. Hubertus Hess-Grunewald hat sie sich zu Herzen genommen. „Wobei ich auch sagen muss, dass die Form der Kritik, die gefunden worden ist, zum Teil an der eigentlichen Thematik vorbeigegangen ist“, sagte er. „Wenn man uns dafür kritisiert, dass wir persönliche Anschreiben machen und auf die Portokosten verweist, geht das über das Ziel hinaus. Wir hatten intern gesagt, dass wir genau dadurch, nämlich mit handschriftlich unterzeichneten Schreiben, mit einer gewissen Wertschätzung gegenüber dem Fan agieren wollten.“

Weiterer Gehaltsverzicht wahrscheinlich

In der gesamten Diskussion gab es aber noch einen weiteren Faktor: die Profis. Oder besser gesagt: ihre Gehälter. Eine Frage, die sich viele Fans stellten war nämlich die, ob der Verzicht auf Teile des Lohns bereits genügte oder nicht eigentlich noch viel mehr möglich sei. „Grundsätzlich haben die Spieler auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet und uns damit als Verein schon geholfen. Man kann immer darüber diskutieren, ob es mehr oder weniger sein muss. Aber nochmal: Es ist eine freiwillige Geschichte gewesen“, sagte Sportchef Frank Baumann, der bereits andeutete, dass auch in den kommenden Wochen aufgrund der anhaltenden Corona-Problematik noch einmal über dieses Thema gesprochen werden muss. „Die Spieler wissen, dass ihr Gehalt durch die Einnahmen des Vereins finanziert wird. Wenn diese Einnahmen nicht mehr fließen, dann wird es so sein, dass wir die Gespräche noch einmal mit den Spielern während der Vorbereitung aufnehmen“, kündigte er an. Einen neuerlichen Verzicht hält er dabei für sehr wahrscheinlich. „Mein Gefühl ist, dass die Spieler sich mit dem Verein so identifizieren, dass eine Bereitschaft dazu da sein wird.“

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