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Bayern München gewinnt zum 20. Mal den DFB-Pokal

Der Himmel über Berlin war grau. Und wären am Umlauf des Olympiastadions und an den Flaggenmasten nicht ein paar grüne Farbtupfer zu sehen gewesen, das Branding des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – fast nichts hätte am frühen Abend darauf hingedeutet, dass hier das große Spiel stattfinden würde, in dem traditionell und mit Pomp die nationale Fußballsaison kulminiert.

Ein paar Wagen der Polizei sorgten auf dem fast menschenleeren  Olympischen Platz für Ordnung, eine einzige Imbissbude hatte geöffnet, ein Monopol, aber nicht das Geschäft des Lebens, auch wenn ein paar Unentwegte dann doch noch kamen. Drinnen hatten die Klubs ihre Kurven in den Vereinsfarben dekoriert. Während bei den Münchnern Hunderte Fanklub-Schriftzüge wie Namensschilder der Abwesenden wirkten, waren die Sitze beim Marathontor im Schwarz und Rot Bayers drapiert. „Holt den Pokal nach Lev“ stand auf einem Banner links, „Schreibt Geschichte“ rechts.

Den Weg ins Fußballtor fanden dann aber die Bayern – und das schnell. David Alaba mit einem direkt verwandelten Freistoß (16. Minute) und Serge Gnabry (24.) sprachen schon deutlich vor der Pause ein Machtwort. Später legte Robert Lewandowski unter kräftiger Mithilfe von Bayer-Torwart Lukas Hradecky nach (59.), und ließ kurz vor Ultimo noch das 4:1 folgen (89.) so dass die Mannschaft von Hansi Flick der 30. Meisterschaft den 20. Pokalsieg folgen ließ – nach einem Auftritt, der zuerst wie aus einem Guss war, gleichermaßen lust- wie kraftvoll, dann ökonomisch und in der Abwehr bisweilen schlampig, was Bayer aber nur noch zum 3:1-Anschlusstor durch Sven Bender (64.)und ganz spät noch zum 4:2 durch Kai Havertz vom Elfmeterpunkt zu nutzen wusste (90.+5.). Zu holen gab es für die Leverkusener wieder einmal nichts, nicht den zweiten  Pokalsieg und somit auch nicht den ersten Titel seit 27 Jahren.

„Das Wichtigste fehlt“

Am Freitag hatte der DFB bekanntgegeben, dass das Finale bis einschließlich 2025 in Berlin bleibt. Dieses 77. Endspiel aber hat jetzt schon einen bleibenden Platz in den Erinnerungen sicher. Als Symbol für, je nach Sichtweise, Macht und Machbarkeit in Corona-Zeiten – aber auch für die Grenzen. DFB-Präsident Fritz Keller hatte kürzlich noch einen Vorstoß gewagt, ob nicht doch Zuschauer zugelassen werden könnten, eintausend, aber der Berliner Senat spielte nicht mit. „Das Wichtigste fehlt“, sagte Keller, und kaschieren ließ sich das im Olympiastadion auch mit dem stimmlichen Beitrag der Delegationen – Vorteil Bayer – und viel Vereinsfarbe nicht.

Nachdem die Teams sich mit Abstand für die Nationalhymne aufgereiht hatten, die Bayern vorschriftsmäßig, die Leverkusener auf zwei Drittel der vorgesehenen Linie gestaucht, und nach der Schweigeminute für die Corona-Opfer waren die Leverkusener bemüht, die ersten Akzente zu setzen. Doch ehe sie sich versahen, rollte die Bayern-Walze über sie hinweg. Goretzka war das Kraft- und Beschleunigungszentrum, und nachdem es schon zwei Mal vielversprechend ausgesehen hatte, bei einem Schuss von Coman und einer Chance, bei der Gnabry im letzten Moment gestört wurde, handelte sich Bayer durch ein Foul an Lewandowski einen Freistoß an der Strafraumlinie ein – ein Fall, wie sich  zeigte, für Alaba. Nur wenige Minuten später verhinderte Bayer-Torwart Hradecky bei einem abgefälschten Schuss von Gnabry noch das 0:2. In der 24. Minute aber hieß der Sieger in diesem Duell Gnabry, von Kimmich auf die Reise geschickt.

Erst mit einer guten Tat, dann verletzt vom Feld: Jerome Boateng

Für Bayer drohte nun ein Debakel, doch so wollten die Leverkusener die Sache nicht über sich ergehen lassen. Zwei Mal kamen sie dem Bayern-Tor nahe, beide Male jedoch knapp im Abseits. Nach der Pause brachte Trainer Peter Bosz frische Offensivkräfte, Demirbay und Volland. Volland verpasste nach exzellenter Vorarbeit von Diaby den fast schon sicheren Anschluss. Als nach einer knappen Stunde Hradecky einen eigentlich harmlosen Distanzschuss von Lewandowski durchrutschen ließ, sah die Sache entschieden aus. Aber Bayer bäumte sich noch einmal auf und schaffte es ein paar Mal, sein Tempo bedrohlich auszuspielen. Bender traf per Kopf, ehe Lewandowski dann alles klarmachte, bevor Havertz noch vom Punkt traf – nichts Neues also in der zementierten deutschen Fußballhierarchie.

Es lässt sich schwerlich behaupten, dass diesem Finale mit großer Erwartung entgegengefiebert worden wäre, dabei sorgten die Umstände jenseits von Corona durchaus für ein besonderes Spannungsfeld. Das hatte zum einen mit Berlin selbst zu tun, mit der Hertha, die sonst verlässlich einen Bogen um dieses finale Heimspiel macht. Angesichts der Millionen aus dem Windhorst-Imperium aber blühen jetzt schon Träume – zumindest beim Investor selbst –, das nationale Finale auf dem Weg zu noch höherem Ruhm vielleicht sogar zu überspringen.

Das andere waren jene rund 50 Millionen Euro, die für Leroy Sané von München nach Manchester überwiesen werden. Einen solchen Star mit Strahlkraft hat die Bundesliga lange nicht bekommen, auch wenn noch abzuwarten ist, in welcher Verfassung Sané nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt, und wie er sein mitunter zu Extravaganzen neigendes Wesen in Struktur und Spiel der Bayern integriert – ein Versprechen liegt in so viel Tempo und Raffinesse allemal. Ein anderer, den die Bayern schon länger im Auge haben, spielte in Berlin persönlich vor, Kai Havertz. In diesem Sommer aber, so versicherte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview, werde daraus nichts. Der Abend im Olympiastadion – für Havertz war er dann eher ein Lehrabend, auch dafür, dass es von allem ein bisschen mehr braucht, um diesen Bayern das Revier streitig zu machen.

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