Es war eins der teuersten Wirtschafts-Strafverfahren Berlins. Nach unglaublichen acht Jahren und 339 Prozesstagen jetzt das Blitz-Urteil im Landgericht: Ganze 15 Minuten brauchte die resolute Richterin dafür!

Mehr als 11 Millionen Euro kostete der Mammut-Prozess, in dem seit Sommer 2012 Dr. Michael H. (65), sein Haus-Notar Frank F. (57) und seine rechte Hand Werner J. (55) wegen gewerbs- und bandenmäßigem Betrug angeklagt waren.

Sie sollen reiche Geschäftsleute mit windigen Wertpapier-Geschäften und einer Verzehnfachung ihrer Geldanlage in die Falle gelockt haben.

► Unter den betuchten Kunden war auch Prinz von und zu Liechtenstein, der 1,5 Millionen Euro anlegte.

► In einem anderen Fall hat ein US-Milliardär den wundersamen Geldvermehrern für ihre Hochrisiko-Anlagen 50 Millionen Dollar überwiesen. In der Hoffnung, dass daraus später 500 Millionen Dollar werden.

Die Vorsitzende Richterin Regina Schlosser (Mitte) beendete den Prozess nach acht Jahren in 15 Minuten (Foto: Olaf Wagner)
Die Vorsitzende Richterin Regina Schlosser (Mitte) beendete den Prozess nach acht Jahren in 15 Minuten (Foto: Olaf Wagner)

Möglich wurde der Betrug erst durch den Notar Frank F. Er soll, so die Vorsitzende Richterin Dr. Regina Schlosser (56), sein Amt und die Stellung ausgenutzt haben. Die Opfer glaubten, ihr Geld sei auf den Notar-Unterkonten sicher hinterlegt.

Doch in Wahrheit haben Frank F. und Michael H., der laut Anklage die „Funktion des Bandenchefs“ hatte, nach nur wenigen Tagen das Konto abgeräumt – und nach Überzeugung des Gerichts für ihren aufwendigen Lebensstil verwendet.

Die Strafen, die Richterin Schlosser jetzt kurz vor der Verjährung verhängte, sind hart:

► Acht Jahre Haft für Michael H., sechs Jahre für Notar und Rechtsanwalt Frank F., drei Jahre und sechs Monate für Mittäter Werner J. Wegen des überlangen Prozesses gewährte die Richterin vier Monate Strafrabatt!

Die Anwälte von Werner J.: Rechtsanwalt Mirko Röder (55, re.) mit seinem Kollegen. Er beantragte für seinen Mandanten Schadenersatz (Foto: Matthias Becker)
Die Anwälte von Werner J.: Rechtsanwalt Mirko Röder (55, re.) mit seinem Kollegen. Er beantragte für seinen Mandanten Schadenersatz (Foto: Matthias Becker)

Es war bereits der dritte Anlauf der Hauptverhandlung. Der erste Prozess scheiterte, nachdem der Vorsitzende Richter wegen judenfeindlicher Äußerungen abgesetzt wurde. Der zweite Versuch, die Finanz-Jongleure zu verurteilen, misslang, weil ein Kommissar zugeben musste, Akten zu Hause in seiner Garage gelagert zu haben. Er hatte sie für unwichtig gehalten …

Scharfe Worte fand die Richterin für alle Verteidiger der Angeklagten: Allein die 50 Befangenheitsanträge füllten 16 Bände! Sie warf den Anwälten einen „kompletten Verlust sämtlicher Rechtsregeln“ vor.

So verließ Dagmar Kabirski (36), Verteidigerin von Michael H., nach einer Ungeziefer-Attacke auf eine Schöffin den Saal. An den nächsten Prozesstagen kam sie mit einem Schirm!

Der Saal 700 im Landgericht Berlin: Hier fiel das harte Urteil gegen die drei Betrüger (Foto: Matthias Becker)
Der Saal 700 im Landgericht Berlin: Hier fiel das harte Urteil gegen die drei Betrüger (Foto: Matthias Becker)

Kabirski zu B.Z.: „Als ich die schwarzen, küchenschabengroßen Käfer gesehen habe, habe ich Panik bekommen.“

Noch am letzten Verhandlungstag forderte Anwalt Mirko Röder (55), der Werner J. vertritt, Schadenersatz für seinen Mandanten. Röder zur B.Z.: „Die überlange Verfahrensdauer ging zu Lasten seiner Gesundheit.“

Die Verteidiger kündigten bereits Revision gegen das Urteil an. Fortsetzung folgt …