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Bezahlbare Wohnungen am Wasserturm - Ob sie zeitnah realisiert werden können, ist unklar

Von: Christiane Breitenberger

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So könnte Indersdorfs zweite kommunale Wohnanlage am Wasserturm aussehen. Links verläuft der Gerta-Fischer-Weg hinauf zum Wasserturm.
So könnte Indersdorfs zweite kommunale Wohnanlage am Wasserturm aussehen. Links verläuft der Gerta-Fischer-Weg hinauf zum Wasserturm. Visualisierung: GHK © Visualisierung: GHK

Indersdorf plant ein weites zukunftsweisendes Projekt. Nach der kommunalen Wohnanlage, die gerade an der Holzhauser Straße entsteht, soll eine Zweite in der Nähe des Wasserturms folgen. Die Räte befürworten das Projekt, aber: Ob es zeitnah realisiert werden kann, ist unklar.

Indersdorf – Die Gemeinde baut derzeit zehn Wohnungen für den kommunalen Wohnungsbau, Spatenstich für das zukunftsweisende Projekt war im vergangenen Oktober. Und während der Bau an der Holzhauser Straße entsteht, diskutierten die Gemeinderäte am vergangenen Mittwochabend bereits über das nächste Projekt. Denn: Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist höher denn je.

Hier sollen acht Wohnungen entstehen: rechts neben den Parkbuchten am Greta-Fischer-Weg.
Hier sollen acht Wohnungen entstehen: rechts neben den Parkbuchten am Greta-Fischer-Weg. © Fischer

Das nächste Haus, in dem acht Wohnungen für den kommunalen Wohnungsbau entstehen sollen, ist am nenen Greta-Fischer-Weg unterhalb des Indersdorfer Wasserturms geplant.

Wie schon beim Maria-Gschwendtner-Haus und dem Projekt an der Holzhauser Straße wird die Gemeinde auch am Greta-Fischer-Weg mit der Wohnungsbaugesellschaft mbH im Landkreis Dachau (WLD) zusammenarbeiten.

Geschäftsführer der WLD, Stefan Reith, stellte in der Sitzung mit dem Architekten Alexander Gomula vom Planungsbüro GHK Architekten aus Dachau einen ersten groben Entwurf von Indersdorfs zweiter kommunaler Wohnanlage vor.

Geplant ist ein Haus, in dem acht bezahlbare Wohnungen entstehen sollen. Bezahlbar heißt, dass die Miete unter dem marktüblichen Preis liegen soll. Geplant sind vier Ein-Zimmer-Wohnungen und vier Drei-Zimmer-Wohnungen. Wobei man „bei den Drei-Zimmer-Wohnungen unterscheiden muss“, wie Architekt Gomula erklärte: „Die kleineren sind eigentlich nur für zwei Personen geeignet, optimal zum Beispiel für alleinerziehende Mütter.“ Auch die Ein-Zimmer-Wohnungen sind bewusst geplant: „Der Bedarf an kleinen Wohnungen ist da.“ Das Haus soll barrierefrei zugänglich sein, „eine Herausforderung an dem steilen Hang, aber machbar“, wie der Architekt erklärte. Zudem soll ein Spielplatz entstehen. Für die Wohnungen wird es keine Belegungsbindung geben, ein Berechtigungsschein sei nicht nötig – das ist eine Bedingung für die Förderung, die der Freistaat in Aussicht stellt.

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Während Alexander Gomula den positiven Teil mit der neuen Planung präsentieren konnte, war Stefan Reith notgedrungen der Überbringer schlechter Nachrichten, was die Kosten für das Projekt betrifft: „Ich brauche Ihnen nichts erzählen, wie es im Moment abgeht, mit den Baukosten.“ In Zahlen bedeutet Reiths Kommentar: Die Schätzung für die Herstellungskosten der Wohnanlage liegen bereits jetzt 25 Prozent über der der Wohnanlage im Baugebiet Holzhauser Straße. Reith veranschlagt in seiner Schätzung rund 6000 Euro pro Quadratmeter, an der Holzhauser Straße waren es noch knappe 4000 Euro. Und selbst bei dieser Summe sei nicht klar, was noch kommt. „Ich weiß es nicht, keiner wird’s wissen und wenn wir nächstes Jahr das Bauen anfangen, werden wir es noch viel weniger wissen“, fasste Reith die derzeit unsichere Lage auf dem Markt zusammen.

Noch – und die Betonung liege im Moment auf dem Wort noch – könne die Gemeinde für das Projekt mit der selben Förderung wie für die erste kommunale Wohnanlage rechnen: 30 Prozent. Doch auch hier sei die Lage: nicht sicher. Manchmal stelle die Regierung Förderprogramme auch kurzfristig ein, wie zweiter Bürgermeister Peter Keller (FW) anmerkte. Doch nach dem heutigen Stand würden die Herstellungskosten bei rund 4 Millionen Euro liegen, 1,2 Millionen Euro „gäbe es von der Regierung“. Das Grundstück gehört der Gemeinde.

Reith hatte zudem eine weitere schlechte Nachricht: Während sich das Projekt an der Holzhauser Straße nach 22 Jahren refinanziert haben sollte, wären es bei dem neuen Projekt am Wasserturm bereits 30 Jahre. Grund sind die Steigerungen bei den Baukosten und der gestiegene Zinssatz.

Trotz der enormen Kosten stehen die Gemeinderäte geschlossen hinter dem Vorhaben, am Wasserturm eine kommunale Wohnanlage errichten zu wollen. „Die Frage ist heute nicht, ob wir das machen, sondern wann“, fasste Bürgermeister Franz Obesser die Diskussion zusammen. Die Kommunalpolitiker waren einstimmig dafür, die Planungen soweit es möglich ist voranzutreiben, damit wir „dass wir jederzeit starten können“, wie es Josef Sandmair (FW) bezeichnete.

Der Plan ist nun, dass das Thema im Herbst erneut im Gemeinderat behandelt wird – wenn alle aktuellen Kostensteigerungen bekannt sind. „Wenn wir im Herbst bei 7000 Euro Entstehungskosten für den Quadratmeter wären, bin sich dafür, dass wir die Reißleine ziehen“,sagte Hans Lachner (CSU). Geschäftsleiter Klaus Mayershofer betonte: „Sie entscheiden dann im Herbst: ja, oder nein“. Im Hinblick auf die steigenden Kosten war Hubert Böck (SPD) wichtig, zu betonen: „An der Miete sollten wir uns daran halten, dass es sich diejenigen leisten können, die es auf dem freien Markt nicht können.“

Gemeinderäte sind sauer auf Regierung – Projekt wird immens teurer, da Förderbescheid fehlt

Die Indersdorfer Gemeinderäte und die Verwaltungsmitarbeiter sind verärgert. Seit fast einem Jahr warten sie auf die endgültige Bewilligung der Förderung durch die Regierung von Oberbayern für das erste Projekt an der Holzhauser Straße. Und jede Woche, die vergeht, sei „bares Geld“, wie es Hans Lachner (CSU) formulierte. Das Problem: Die Gemeinde kann erst mit dem Förderbescheid ein zinsverbilligtes Darlehen bei der BayernLabo aufnehmen.

Das Ärgerliche für die Gemeinde: Zum Zeitpunkt, als sie den Förderantrag gestellt hat, lag der Zinssatz für das Darlehen noch bei 0,2 Prozent für 20 Jahre. Stand Mittwoch liegt der Zinssatz bereits bei 1,6 Prozent. Diese Zeitverzögerung kostet Geld.

Hans Lachner zeigte in der Sitzung deutlich seinen Ärger: „Das ist ein Unding. Es werden große Versprechungen gemacht und dann passiert nichts. Weil die Regierung oder besser deren Beamte nicht fähig sind. Er schimpfte: „So kann man mit den Leuten und mit den Kommunen nicht umgehen!“ Seine düstere Befürchtung: „Geplant haben wir mit 0,2 Prozent und jetzt kommen wir vielleicht bei 3,5 oder 4 Prozent raus.“

Der Indersdorfer Geschäftsleiter Klaus Mayershofer rechnete auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten vor, was der verspätete Bescheid konkret in Zahlen bedeutet: Der Förderantrag stammt bereits vom 27. Juli 2021, damals wurde ein Darlehen über 2 140 000 Euro beantragt, der Zinssatz war zu diesem Zeitpunkt bei 0,2 Prozent, also anfänglich lag der Zins bei 4280 Euro im Jahr. „Heute werden für dieses Darlehen 1,6 Prozent Zinsen aufgerufen, dies sind dann anfänglich 34 240 Euro im Jahr. Also bereits 30 000 Euro mehr an Zinsen im ersten Jahr.“ In 20 Jahren summiert sich dieser Zinsmehraufwand auf insgesamt rund 438 000 Euro. „Und wenn der Zins in den nächsten Wochen weiter ansteigt, wird die Summe natürlich nochmals höher.“

Die Dachauer Nachrichten haben bei der Regierung von Oberbayern nachgefragt, wieso die Indersdorfer so lange auf ihren Bescheid warten müssen. Pressesprecher Wolfgang Rupp erklärte knapp: „Die für die Bewilligung von weiteren Förderungen im Kommunalen Wohnraumförderprogramm erforderlichen Haushaltsmittel sind der Regierung von Oberbayern noch nicht zugewiesen. Sobald die Zuweisung erfolgt ist, kann die Bewilligung erfolgen.“ cb

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