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BILD-Repoerter - So erlebte ich Kindermörder Marcel Heße im Knast

Bams

Aus Mordlust, im Blutrausch und eiskalt tötete Marcel Heße (23) 2017 den Nachbarsjungen Jaden (9) und seinen Internet-Bekannten Christopher (22) mit mehr als hundert Messerstichen, war dann verschwunden. Tagelang jagte das SEK den Kindsmörder aus Herne (NRW) – mit Erfolg. Heße wurde gefasst, später zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung (unter Vorbehalt) verurteilt, seither sitzt er im Hochsicherheitstrakt der JVA Werl. Im Prozess hatte der heute 23-Jährige geschwiegen. Jetzt will er reden.

BILD-Chefreporter Frank Schneider traf als einziger Journalist den Doppelmörder zu einem Interview. Was er zu sagen hatten und wie es ist, mit einem so grausamen Killer zu sprechen, sehen Sie heute um 22 Uhr in der BILD-Doku „Mein größter Fall“.

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Weil keine Fotoaufnahmen erlaubt waren, skizzierte der Gerichtszeichner das Gespräch von Doppelmörder Marcel Heße (23, Mitte) und BILD-Reporter Frank Schneider (unten rechts)
Weil keine Fotoaufnahmen erlaubt waren, skizzierte der Gerichtszeichner das Gespräch von Doppelmörder Marcel Heße (23, allein am Tisch) und BILD-Reporter Frank Schneider (vorn rechts)Foto: Arne Reismüller

„Er ist blass, schmächtig, wirkt unscheinbar, hilflos. Auch wenn er optisch nicht so wirkt, er ist einer der schlimmsten Verbrecher“, so der BILD-Reporter nach dem Treffen mit dem Doppelmörder.

Gegenüber dem Chefreporter machte sich der Doppelmörder vier Jahre nach der Tat schon Gedanken über seine Zukunft, obwohl er sicher noch 20 Jahre hinter Gittern bleiben wird. Er fürchtet, keine Chancen auf eine Resozialisierung zu haben. Denn bei der Urteilsverkündung hatte das Gericht die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt. Eine Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren ist damit praktisch unmöglich.

Reue? Bedauern? Ja, vor allem für sich selbst. Heße: „Ich werde wenig resozialisiert, habe wenig Perspektiven, die therapeutische Behandlung fehlt. Angeblich bin ich nicht gruppenfähig.“

Jaden (9) starb an schweren Kopfverletzungen
Die Opfer: Erst tötete Heße den kleinen Jaden (9)Foto: Privat
Christopher W. (22) kannte Heße aus der Schule
Dann seinen Bekannten Christopher W. (22), den er aus der Schule kannte Foto: privat

Lediglich alle drei Wochen habe er eine Gesprächstherapie, sitze sonst fast nur auf seiner Zelle. „Ich bin in der Abteilung für Sicherungsverwahrte – mit anderen, die alle was ganz Schlimmes gemacht haben, deswegen machen wir uns gegenseitig keine Vorwürfe. Aber die anderen sagen schon, was ich gemacht habe, sei das Allerletzte.“

Die bestialischen Morde von Herne schockierten auch deshalb, weil Heße, damals 19, während und nach seinen Bluttaten Sprachnachrichten postete, sich in Chaträumen mit Fotos brüstete, die ihn an den Tatorten zeigten.

Abscheulich: Während der Taten zeigte Marcel Heße seine blutgetränkten Hände, sein diabolisches Grinsen
Abscheulich: Während der Taten zeigte Marcel Heße seine blutüberströmten Hände, sein diabolisches Grinsen Foto: Privat

„Heute distanziere ich mich davon, ich hatte damals keine Perspektiven, wollte mich umbringen. Aber ich war zu feige, da habe ich andere Existenzen ausgelöscht“, sagte Heße zu BILD-Reporter Frank Schneider.

Über seinen bestialischen Blutrausch sagt er heute: „Ich war Kampfsportler, 60 Messerstiche schaffe ich in unterhalb einer Minute. Jaden war schnell tot, ich konnte gut mit dem Messer umgehen, sehr schnell die Stiche setzen.“ 52-Mal stach er auf den Jungen ein. Reue klingt anders …

Und weiter: „Es war eher eine Amoktat für mich, ein Overkill, Jaden war ja keine Bedrohung für mich. Mein Plan war, ich schaffe Suizid nicht, also töte ich jemand anderes.“

Pervers: Er gibt auch seinen Opfern eine Mitschuld: „Wenn man mir die Tür nicht geöffnet hätte, wäre es wahrscheinlich verflogen, vielleicht hätte ich dann nur ein Auto zertrümmert. Ich habe mich verzweifelt gefühlt, meiner Zukunft beraubt. Ich wollte eben keinen Bürojob, das ist ja wie acht Stunden tot. Ich wollte ein lebenswertes Dasein.“

Zum Ende des Interviews, das in der BILD am Sonntag erschien, erklärt der Kindermörder: „Ich finde, ich habe eine zweite Chance verdient, auch wenn ich etwas sehr Grausames getan habe. Das darf sich nicht wiederholen. Aber Rückfallquoten sind sehr gering, Mörder sind in Freiheit also die Ungefährlichsten.“