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„Bin überhaupt nicht euphorisch”: Diskussion um Großkonzerte – Veranstalter beklagen fehlende Perspektive

„Bin überhaupt nicht euphorisch” : Diskussion um Großkonzerte – Veranstalter beklagen fehlende Perspektive

Uneinheitliche Regelungen für den Konzertbetrieb, fehlende Richtlinien für Großveranstaltungen: Viele Veranstalter sind verärgert oder resigniert. Und 2022 kannibalisieren sich die Mega-Ereignisse.

Der Kulturbetrieb nimmt wieder Fahrt auf; man merkt Museumsleuten und Theatermenschen die Freude darüber an, endlich wieder Besucher empfangen zu dürfen. Gänzlich anders sieht es dieser Tage bei Konzertveranstaltern aus. Zwar gibt es in den nächsten Wochen einige Termine für Liveauftritte. Die meisten sind indes für höchstens 3000 bis 4500 Zuschauer ausgelegt wie die Strandkorb-Konzerte im Hockeypark in Mönchengladbach oder die Vor-deiner-Tür-Konzerte an der Arena in Oberhausen. Größere Ereignisse ließen sich derzeit nicht planen, heißt es.

Michael Hilgers, Geschäftsführer des Sparkassenparks in Mönchengladbach, veranstaltet Konzerte im ganzen Bundesgebiet. Er sitzt in der Bahn und regt sich auf. „In Regensburg dürfen nur 500 Menschen auf den Platz, weil angeblich An- und Abreise nicht geregelt werden können“, sagt er. „Da frage ich mich, warum im selben Bundesland 14.000 Menschen zu einem Fußballspiel dürfen.“ In Rheinland-Pfalz seien 250 Leute erlaubt, in Nordrhein-Westfalen, wo es nach Hilgers Meinung die besten Regelungen gebe, könne man mit einem guten Hygienekonzept (Mindestabstand, Sitzverteilung nach Schachbrettmuster, Test) Programm für mehr als 1000 Fans machen. „Es ist so chaotisch, was die einzelnen Bundesländer machen.“ Kaum jemand habe Lust, unter diesen Bedingungen Auftritte zu veranstalten, denn man könne schlichtweg nicht sagen, ob sie dann auch stattfinden. Tatsächlich entgegnet ein großer Veranstalter auf die Frage, ob er Zeit für ein Gespräch über die Perspektiven im Konzertbetrieb habe, dass solch ein Interview gerade keinen Sinn mache.

Berni Lewkowicz vom Concertteam NRW stimmt ein: „Nein, ich bin überhaupt nicht euphorisch.“ Derzeit sei völlig unklar, ob und was konzerttechnisch gehe. Er hofft nun auf den Herbst. Ab Oktober müsse alles wieder möglich sein, wenn man die 3G kontrolliere, findet er: genesen, geimpft oder getestet. Michael Hilgers vermisst jedoch auch in diesem Punkt eindeutige Ansagen: „Warum nicht ab September einfach wieder loslegen? Wie viele müssen denn geimpft sein, damit große Veranstaltungen wieder stattfinden können? Warum bestimmt man keinen Prozentsatz an Geimpften, und wenn der erreicht ist, geht es wieder los?“ Er plane nun sicherheitshalber keine Großveranstaltungen vor Juni 2022.

Das NRW-Kulturministerium verweist auf den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz in der vergangenen Woche, wonach die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien gebeten seien, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Die soll darüber entscheiden, wann und wie Großkonzerte mit mehr als 10.000 Besuchern stattfinden können. Außerdem solle die Arbeitsgruppe „einen abgestimmten Vorschlag zu einem einheitlichen Vorgehen bei Großveranstaltungen erarbeiten“. Das klingt gut und konkret. Wann es soweit ist, bleibt aber unklar.

Nun könnte man mit Blick auf den Konzertkalender sagen, dass die Erlösung 2022 doch auf jeden Fall kommt. Es dürfte selten ein Jahr gegeben haben, in dem so viele Großkonzerte stattfanden. Künstler wie Rammstein und die Toten Hosen treten teils mehrfach in derselben Stadt auf. Es kursiert bereits ein Witz über den „Entscheidungsnotstand“: „Zum Beatles-Konzert kann ich leider nicht, ich bin schon bei Led Zeppelin.“ Ist die Rettung also nah?

Klar, sei das toll, dass – immer vorausgesetzt, die Inzidenzzahlen steigen nicht wieder – so viele Konzerte stattfinden werden. Zwei Jahre lange habe es ja fast gar nichts gegeben. Das Weihnachtsgeschäft werde denn auch stark, prognostiziert Hilgers, Konzertkarten würden sicher viel verschenkt. Allerdings kannibalisiere man sich selbst. „Die Leute können nicht auf 200 Konzerte gehen.“ Die großen Künstler werden ihr Publikum haben, schätzt er. Sorgen macht er sich jedoch um den Mittelbau und die kleineren Veranstaltungen. „Alles, was für weniger als 3000 Menschen ausgelegt ist, wird große Probleme bekommen“, sagt Hilgers.

Dadurch, dass Nachholtermine aus 2020 mitunter drei Mal neu angesetzt wurden, müsse man derzeit neue Termine „von links nach rechts verschieben“, sagt Lewkowicz. Ergebnis: „Für 2022 und 2023 sind keine Open-Air-Termine in Stadien mehr zu bekommen. Auch Hallen sind ab Herbst 2022 ausgebucht.“ Er macht sich außerdem Sorgen um die Kaufkraft und die Lust des Publikums: Bewegt es sich wieder gerne in großen Menschenmengen oder fürchtet es ein Restrisiko?

Große Irritation also in der Branche, deren Veranstaltungen einen langen Vorlauf haben. Was sie braucht, ist Planungssicherheit.

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