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Bio-Landwirt entsetzt über gefährlichen Trend: „Die Kulikitaka-Challenge ist dummer Unfug“

Bei der Kulikitaka-Challenge werden Kühe auf der Weide mit Bewegungen aus dem Merengue-Tanz erschreckt. Schrecklich findet das Kreisrat Leonhard Obermüller.

Kreisrat Leonhard Obermüller (CSU), selbst Bio-Bauer und Zweiter Bürgermeister von Warngau, hat diese Challenge im jüngsten Kreis-Umweltausschuss als Beispiel dafür genannt, wie sehr sich der Mensch mittlerweile von der Natur entfernt hat. Inzwischen warnen auch der Bauernverband und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber davor (siehe Bayern & Region). Wir haben mit Obermüller darüber gesprochen.

Erst verwundert, dann verärgert: Bio-Landwirt und Kreisrat Leonhard Obermüller.

Herr Obermüller, wie sind Sie auf Kulikitaka aufmerksam geworden?

Ich habe es auf Facebook gesehen. Und ich finde es einfach nur furchtbar.

Ihre erste Reaktion?

Zuerst war ich verwundert, wie man auf so was kommt. Dann kam die Verärgerung, wie dumm und dreist manche Menschen mit Natur und Tieren umgehen. So wenig Respekt und Verständnis – das ist schon bemerkenswert.

Haben Sie eine Idee, warum man so etwas macht?

Zum einen wahrscheinlich aus Langeweile – die haben viele derzeit wegen Corona. Und aus Narzissmus. Man muss in den Sozialen Medien das beste Foto oder das lustigste Video haben. Viele bringen sich dafür selbst in Gefahr, nur um diese Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die Kulikitaka-Challenge ist kein Spaß: Kühe können auch angreifen

Was passiert denn bei Kühen, wenn man mit solch schlaksigen Bewegungen auf sie zu rennt?

Sie erschrecken, bekommen Angst und laufen davon. Das ist ihr Fluchtinstinkt. Im eingezäunten Gebiet kommen sie dann wieder zurück, aber schlimm ist es auf der Alm. Da können die Tiere auch abstürzen. So ein Fall ist kürzlich bei Immenstadt im Allgäu passiert, als Nachtwanderer im Dunklen Rinder erschreckt haben. Kulikitaka ist ein dummer Unfug, der nicht nur Verletzungsgefahr mit sich bringt, sondern auch Lebensgefahr. Es ist also alles andere als nur lustig. Denn Kühe können auch angreifen, vor allem wenn sie ihre Kälber schützen wollen.

Wie geht man mit solchen Auswüchsen am besten um?

Wie immer in solchen Fällen hilft nur reden, erklären und aufklären. Meine Erfahrung ist, dass 99 Prozent der Leute das auch verstehen und einsehen. Es herrscht wahnsinnig viel Unwissenheit bei uns gerade in Bezug auf Natur, Tiere und auch Eigentum.

Was zuletzt immer wieder zu Vorfällen geführt hat.

Ja. Das Basisverständnis ist nicht da. Deshalb stehe ich auch hinter dem Vorhaben, im Landkreis Ranger einzusetzen, um aufzuklären.

Landwirte könnten haften, wenn bei der Kulikitaka-Challenge etwas passiert

Wobei das Bedürfnis, sich in der Natur auszuleben, ja nachvollziehbar ist, oder?

Klar, Sport ist super, aber es geht halt nicht, dass – wie jetzt erst am Taubenberg – Trails auf Privatgrund gebaut werden. Oder dass ein Bauer einen Weg sperrt, weil er einen Baum fällt, und ein Radler trotzdem durchfährt. Denn wenn etwas passiert, haftet der Landwirt. Das alles ist vielen gar nicht bewusst. Deshalb finde ich es auch wichtig, dieses Grundverständnis bereits den Kindern in der Schule beizubringen. Besuche auf dem Bauernhof fände ich super. Da wird manches erklärt, und das weckt Interesse. Dann versteht man vielleicht auch die Natur und ihre Bedürfnisse besser. (ddy)

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