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Boykott chinesischer Produkte: Volkswagen legt sich mit Neu Delhi an

Der Autohersteller Volkswagen warnt Indiens Regierung in sehr deutlichen Worten davor, immer höhere Mauern gegenüber China zu errichten. Der VW-Chef in Indien sprach von einem „alten sozialistischen Modell“, wenn kritische Komponenten aus China weiter aufgehalten würden. „Wollen wir von hier exportieren, brauchen wir bestimmte Einfuhren wie Elektronik“, stellte Gurpratap S. Boparai, Geschäftsführer von Volkswagen in Indien, gegenüber der Times of India klar.

Christoph Hein

Christoph Hein

Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

Die Regierung zeigt sich davon jedoch wenig beeindruckt. „Indien hat große Chancen bei Produkten, in denen China einen großen Anteil des Weltmarktes hält“, heizte Nitin Jairam Gadkari, Minister für den Mittelstand, Schifffahrt und Straßenbau, den Disput am Montag an.

Der chinesische Botschafter in Neu Delhi, Sun Weidong, hatte angesichts des wachsenden Drucks erst vergangene Woche gemahnt: „Unsere Volkswirtschaften ergänzen sich in einem hohen Maße, sind miteinander verwoben und hängen voneinander ab. Eine erzwungene Ablösung geht gegen den Trend und wird nur zu Verlusten auf beiden Seiten führen“. Er führte ausgerechnet die deutschen Automobilhersteller in Indien als Opfer der neuen Abschottungspolitik an.

Indien hat seine Strategie der Entkoppelung prüfen lassen. Demnach stehen nur 327 Produkte für Dreiviertel des Imports aus dem riesigen Nachbarland. Unter ihnen befinden sich Penicillin genauso wie Sonnenpaneele, Kameras und Klimaanlagen. Für sie aber gäbe es Ersatzlieferanten oder sie könnten gleich in Indien selbst hergestellt werden. „Solch ein Export-Monopoly von China muss aus strategischer Sicht verwässert werden“, fordern die Analysten der Denkfabrik RIS (Research and Information System for Developing Countries) in Neu Delhi.

Modi verfolgt auch innenpolitische Ziele

Wochen vor Amerika hatte Neu Delhi – auf Druck der Bevölkerung – Apps mit einem chinesischen Hintergrund, unter ihnen Tiktok, verbieten lassen. Später folgte die Absage an chinesische Investoren, etwa im Straßenbau. Seit März sind die indischen Botschaften in der Welt angewiesen, Ersatzlieferanten auszumachen.

Asiens drittgrößte Volkswirtschaft diente sich vor allem amerikanischen Unternehmen als Standort im letzten Wachstumsmarkt an und kassierte Milliarden Dollar Investitionen. Die Umleitung von Lieferketten gewinnt immer mehr an Gewicht: Das McKinsey Global Institute schätzt, dass ein gutes Viertel des weltweiten Exports im Gesamtwert von rund 4,6 Billionen Dollar innerhalb der nächsten fünf Jahren in neue Herstellerländer umziehen werde.

Die aktuelle Konzentration sei besonders hoch in der politisch hochsensiblen Kommunikationstechnik, heißt es. So zählen die Berater 180 Schlüsselprodukte, für die ein einziges Land für mehr als 70 Prozent des weltweiten Exportwertes steht. Gerade Hersteller von Mobiltelefonen und Kommunikationstechnik versucht Indien etwa über Zulieferer von Apple aus China wegzulocken.

Mitte Mai hatte Indiens Ministerpräsident Narendra Modi das Programm Atmanirbhar Bharat der Öffentlichkeit erklärt, in dem er ein Indien propagiert, dass sich wirtschaftlich immer stärker auf sich selbst verlässt. Innenpolitisch steht dahinter der Druck, seiner stockenden Arbeitsmarktpolitik neuen Schwung zu verschaffen. Außenpolitisch will er sich gegen Chinas wachsenden Einfluss abschotten.

Konzentration bei strategisch wichtigen Waren

Jüngst hat das Verteidigungsministerium eine Liste von 101 Produkten vorgelegt, unter ihnen Sturmgewehre, Sonargerät sowie Transportflugzeuge, die nur noch in Indien eingekauft werden dürfen. Ihr Wert dürfte sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren auf rund 57 Milliarden Dollar belaufen, die nur noch der heimischen Rüstungsindustrie zufließen sollen.

Die Strategen des RIS gehen davon aus, der Wert des wichtigsten chinesischen Imports belaufe sich auf rund 76 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Eine Einfuhr aus China wurde in den Betrachtungen des Institutes dann als sensibel bewertet, wenn die Chinesen mehr als 10 Prozent der Gesamteinfuhr halten oder der Gesamtwert bei mehr als 50 Millionen Dollar liegt – eine Bewertung, die auch in Europa auf zahlreiche Importgüter zutreffen dürfte.

Das Problem der Inder scheint bei der Konzentration auf chinesische Lieferungen von bestimmten, strategisch wichtigen Waren zu liegen: So machen die 327 Produkte, in denen Chinas Vormachtstellung überdeutlich wird, nicht einmal ein Zehntel der etwa 4000 Einfuhrgruppen aus der Volksrepublik aus.

Bei Kopfhörern, Mikrowellen oder Waschmaschinen soll China der Untersuchung zufolge aber der einzige außerindische Lieferant sein – und das wäre relativ leicht zu ersetzen. Doch Chinas Botschafter Sun kontert selbstbewusst: Sein Land liefere 92 Prozent der indischen Computer, 82 Prozent der Fernsehapparate und 85 Prozent der Bauteile von Motorrädern: „Ob es Ihnen passt oder nicht, der Trend ist schwer umzukehren“.

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