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Briefwahl-Boom in Unterfranken: Wie der aktuelle Stand vor der Landtagswahl ist und was Wahlleiter als Gründe nennen

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen am 8. Oktober ist der Trend zur Briefwahl in ganz Bayern sehr deutlich - und vielleicht sogar rekordverdächtig. Einer Zwischenabfrage der Landeswahlleitung zufolge hatten bis Mitte dieser Woche bayernweit schon knapp 38 Prozent der Wahlberechtigten ihre Briefwahlunterlagen geordert. In Unterfranken liegt die Prozentzahl der Wählerinnen und Wähler, die per Briefwahl abstimmen wollen, sogar mit aktuell 39,4 Prozent noch leicht höher.

Unterpleichfeld: Lieber bei einer Tasse Kaffee zu Hause wählen als unter Druck im Wahllokal

In der kleinen Gemeinde Unterpleichfeld im Landkreis Würzburg zum Beispiel haben schon 46,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Briefwahlunterlagen bestellt. "Das werden noch mehr; die 50 Prozent knacken wir bis zum Freitag vor der Wahl locker", sagt der Geschäftsleiter der Gemeinde, Thomas Bäumel.

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In Unterpleichfeld sei die Zahl der Briefwähler immer recht hoch. Geschäftsleiter Bäumel weiß auch, warum: "Auf den Wahlzetteln stehen doch Hunderte von Namen, die wollen erst mal durchgelesen werden. Das kann ja 20 Minuten dauern." Von den Leuten im Ort höre er oft, dass sie die umfangreichen Papiere lieber ganz in Ruhe zu Hause bei einer Tasse Kaffee studieren wollten. "Und nicht unter Druck im Wahllokal, wenn hinter ihnen fünf, sechs andere Wähler anstehen."

Aidhausen im Kreis Haßberge: Hier wählen mindestens 58 Prozent der Bürger per Brief

Noch deutlich höher als in Unterpleichfeld ist der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler in den kleinen Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim im Landkreis Haßberge. In der 1390-Seelen-Gemeinde Aidhausen etwa wollen bis jetzt 56 Prozent der Wahlberechtigten per Brief abstimmen. In der Gemeinde Riedbach mit ihren 1387 Einwohnern sind es sogar, Stand jetzt, 58 Prozent.

Keine Überraschung für Oliver Hesse, den Wahlleiter der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim: "Den Trend zur Briefwahl, den haben wir gesteuert, da haben wir darauf hin gearbeitet", sagt er. Aber warum?

VG Hofheim: Zahl der Wahllokale von 40 auf acht reduziert

Man habe, erklärt Hesse, noch bei der Landtagswahl vor fünf Jahren rund 40 Wahllokale in der Verwaltungsgemeinschaft mit ihren 9000 Einwohner besetzt. "Das waren zu viele, wir haben für die 40 Wahllokale über Jahre einfach nicht genug Wahlhelfer bekommen." Man habe die Zahl der Wahllokale deshalb deutlich reduzieren müssen, sagt der Hofheimer Wahlleiter.

Aktuell gebe es in der Verwaltungsgemeinschaft nur noch acht Urnenwahllokale, die könne man gut mit Wahlhelfern besetzen. "Die Folge ist natürlich, dass die Wählerinnen und Wähler aus den kleinen Gemeinden rund um Hofheim es zu ihren Urnenwahllokalen viel weiter haben und zum Wahllokal manchmal mehrere Kilometer laufen oder fahren müssten", sagt Hesse. Statt einen Sonntagsspaziergang ins weit entfernte Wahllokal zu machen, beantragten viele Bürgerinnen und Bürger eben die Briefwahlunterlagen, was ja mittlerweile einfach gehe.

Würzburg: Teilweise wurden Briefwahlunterlagen nicht versandt

In Würzburg liegt laut Sascha Sykora vom Bürgerbüro der Stadt der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler aktuell bei knapp über 40 Prozent. In der Verwaltung herrscht wegen der Briefwahl übrigens gerade Stress; teilweise wurden in Würzburg Briefwahlunterlagen nicht versandt

Im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) beträgt der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler bis dato 45 Prozent. Mehrere Wahlleiter weisen darauf hin, dass während Corona die Bürger sich möglicherweise an die Briefwahl gewöhnt hätten und diese Möglichkeit jetzt einfach weiter praktizierten.

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Bei der Landtagswahl 2018 kamen bayernweit 38,9 Prozent der Stimmen per Briefwahl. 29,5 Prozent der Wahlberechtigten insgesamt hatten Briefwahl beantragt. Während der Pandemie war bei der Bundestagswahl 2021 der Anteil der Briefwahl-Nutzer unter den Wahlberechtigten in Bayern auf über 60 Prozent gestiegen.

Briefwahlunterlagen können noch bis Freitag, 6. Oktober, geordert werden

Und die unterfränkischen Wahlleiter weisen darauf hin, dass Briefwahlunterlagen noch bis Freitag, 6. Oktober, 15 Uhr geordert werden können. Dann müssen sie nur entsprechend schnell ausgefüllt und abgegeben werden. Ausgezählt werden die Briefwahlunterlagen übrigens nicht vorab, sondern erst ab 18 Uhr am  Wahlsonntag.