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Corona-Mahnung: Drosten erklärt, warum Teillockdown nicht optimal läuft - und ob Massentests helfen

Christian Drosten schätzt in der neuen Ausgabe des NDR-Podcasts „Coronavirus Update“ die aktuelle Pandemie-Lage positiv ein. In Sachen Schnelltests appelliert er an die Politik.

Virologe Christian Drosten hat in der neuen Ausgabe des NDR-Podcasts „Coronavirus Update“ über die aktuelle Pandemie-Situation in Deutschland gesprochen - und die Entwicklungen der Neuinfektionen positiv bewertet. „Das sieht schon gut aus“, sagte Drosten auf die Frage von NDR-Moderatorin Korinna Hennig, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wirken. „Wir sehen einen leichten Rückgang, das ist schön.“

Es sei allerdings die Frage, ob der Rückgang schnell genug passiere. Momentan seien die Zahlen noch nicht stark genug gesunken, um die Krankenhäuser zu entlasten. Der Virologe lässt vor dem anstehenden Corona-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer durchblicken, dass striktere Maßnahmen wohl ein besseres Ergebnis zur Folge hätten.

Teil-Lockdown: Drosten vergleicht Deutschland mit Irland

Als Beispiel führte er Irland an, das als Vorbild für den aktuellen Teil-Lockdown* in Deutschland gilt. Allerdings seien „im Detail Dinge unterschiedlich“, wie eine sehr strikte Regel zum Homeoffice. „Das ist bei uns anders und da muss man jetzt auf weitere Details schauen.“ Öffentliche Verkehrsmittel seien in Irland zudem sehr stark reduziert worden, „das ist bei uns jetzt anders umgesetzt.“

Drosten äußerte sich auch zu Antigen-Tests genannten Schnelltests, die nicht das Erbgut des Virus nachweisen, sondern die Eiweiße. So sei ein symptomunabhängiges Massenscreening wie in der Slowakei für die Situation in Deutschland ungeeignet, da Antigen-Tests* weniger empfindlich als PCR-Tests seien. Beim derzeit herrschenden Infektionsgeschehen gebe es zu viele falsch positive Ergebnisse. Auch gebe es gar nicht genügend Tests für rund 83 Millionen Menschen, sagte Drosten.

Corona-Pandemie: Drosten fordert schnelle Einführung von Antigen-Tests

Punktuell könnten Antigen-Tests aber sehr wohl sinnvoll sein, etwa in Pflegeheimen, befand der Experte. Lässt man sich vor dem Besuch von Angehörigen testen - ob mit oder ohne Symptome - und ist das Ergebnis negativ, „kann man schon davon ausgehen, dass da einfach kein Virus ist“, sagt Drosten. Der Charité-Virologe betont allerdings, dass auf einen negativen Test am nächsten Tag nicht zwingend erneut ein negatives Ergebnis folge. Man müsse sich nochmal testen lassen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Dennoch gehöre Antigen-Tests die Zukunft bei der Bekämpfung der Corona*-Pandemie. „Ich glaube, dass Antigen-Tests ein ganz wichtiges neues Werkzeug sind.“ Man müsse jetzt möglichst schnell „vorwärtsgehen, damit man sie in die Anwendung, auf die Straße kriegt“, bevor die Winterwelle vorüber ist. „Man muss sie jetzt benutzen“, mahnt Drosten.

Drosten: Alle Corona-Impfstoffe „überraschend effizient“

Der Virologe warnte allerdings vor falschen Angaben hinsichtlich Genauigkeit und Leistungsvermögen der Tests*. Beiliegende Angaben dazu basierten allein auf Angaben der Hersteller. Tests gelten als Medizinprodukte und nicht als Arznei. Deshalb unterliegen sie keiner staatlichen Überprüfung. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind europaweit derzeit 200 Antigen-Tests zugelassen.

Die jüngsten Erfolgsmeldungen in der Impfstoff*-Forschung bezeichnete Drosten als „sehr gute Nachrichten“. Alle Impfstoffe seien „überraschend gut effizient“, sagte der Virologe. Zuletzt hatte der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca, der mit der Universität Oxford zusammenarbeitet, vermeldet, dass der von ihnen entwickelte Impfstoff einen im Schnitt 70-prozentigen Schutz bietet.

mRNA-Impfstoff: Drosten nimmt Menschen Sorgen

Man müsse allerdings noch weitere Daten abwarten. Von Vorteil sei, dass der AstraZeneca Impfstoff* im Vergleich zu anderen Stoffen günstig, monatelang bei Kühlschranktemperatur haltbar sei und viele Dosen hergestellt werden könnten. „Ich habe gelesen, dieses Jahr im Bereich von 100 Millionen und nächstes Jahr dann drei Milliarden Dosen, die geliefert werden können. Das ist natürlich eine Riesen-Menge“, schwärmte Drosten.

Sorgen von Menschen, mRNA-Impfstoffe - wie jene von Biontech* oder Moderna - könnten das Erbgut der Geimpften verändern, seien nicht angebracht. „Die mRNA wird nicht integriert in die zelleigene DNA, sondern wird nur benutzt, um das Protein herzustellen, und diese Protein-Herstellung läuft irgendwann aus, also mRNA wird abgebaut“, erklärte Drosten. (mt) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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