Ein neuer Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg nennt die Gründe, warum so viele ihre Arbeit nicht mehr schaffen. Und auch der Klimawandel hat Folgen für die Gesundheit von Arbeitnehmern ...

Sie können nicht mehr. Die Psyche, der Krebs, die Bandscheiben! Diese drei Krankheiten vor allem treiben immer mehr Arbeitnehmer in der Hauptstadtregion in die Frührente.

Allein im Jahr 2018 hatte die sogenannte Erwerbsminderungsrente in Berlin-Brandenburg 14.869 Zugänge. Und es waren wieder knapp 400 mehr als im Jahr davor. Die Betroffenen können meist gar nicht mehr arbeiten – auf jeden Fall keine sechs Stunden.

Es trifft mehr Frauen als Männer und meistens die 55- bis 59-Jährigen.

Eine Frau mit Rückenschmerzen (Symbolbild) (Foto: picture alliance / dpa Themendie)
Eine Frau mit Rückenschmerzen (Symbolbild: picture alliance / dpa Themendie)

Die Ursachen

► 51,1 % in Berlin Angststörungen, Depressionen (39 % in Brandenburg)

► 11 % neue bösartige Tumore (14 % in Brandenburg)

► 9,6 % Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden (13 % in Brandenburg)

► 8,8 % Herz & Kreislauf (11,7 % in Brandenburg)

Der neue Gesundheitsbericht zeigt auch, wie es um die 2,2 Millionen Noch-Beschäftigten steht.

Krankenstand

4,9 % in Berlin (Brandenburg 6,2 %) – im Umland liegt der Krankenstand höher als im Bundesschnitt (5,1 %). Am längsten fallen Arbeitnehmer in Marzahn-Hellersdorf aus (15,1 Tage), am kürzesten in Kreuzberg (12,5 Tage).

Im Umland kränkeln die meisten im Kreis Barnim (16,2 Tage, siehe Grafiken unten).

Kosten: 4,19 Milliarden Euro/Jahr. Die Summe der Produktionsausfälle ergibt sich, da Berliner und Brandenburger im Schnitt drei Wochen krank waren (19,3 Tage), der Verdienst bei 91 Euro/Tag liegt.

Psyche: Frauen und Männer fallen hier viel länger aus: 34 Tage (Brandenburg 32). „Hier sind Arbeitgeber mit Präventionsangeboten gefragt“, fordert Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (52, SPD).

Ein Mann mit dem Kopf in den Händen (Symbolbild) (Foto: picture alliance / imageBROKER)
Ein Mann mit dem Kopf in den Händen (Symbolbild: picture alliance / imageBROKER)

Termindruck, Multitasking, Unterbrechungen am Arbeitsplatz lassen die Zahlen seit Jahren steigen. Helfen könnten z.B. Rückzugsräume in Großraumbüros, Entspannungsübungen, flexible Arbeitszeiten.

Branchen: Einen gelben Schein geben besonders oft Arbeitnehmer aus dem Bereich Wasserversorgung/ Abfallentsorgung ab – im Umland aus der öffentlichen Verwaltung.

Atemwegserkrankungen: Gerade bei jungen Leuten sorgen Bronchitis & Co für die meisten Ausfälle – kurz und akut fesseln sie im Schnitt acht Tage ans Bett.

Mehr Hautkrebs-Fälle durch Klimawandel

Unsere Sommer werden immer heißer. Und der Klimawandel hat auch Folgen für die Gesundheit.

Im vergangenen Sommer schien die Sonne über der Hauptstadt 805 Stunden, in Brandenburg 810 Stunden – weit über dem Bundesschnitt (755).

Immer gut eincremen! Straßenarbeiter sind der Sonne besonders stark ausgesetzt – und damit dem Hautkrebsrisiko (Foto: imago/Seeliger)
Immer gut eincremen! Straßenarbeiter sind der Sonne besonders stark ausgesetzt – und damit dem Hautkrebsrisiko (Foto: imago/Seeliger)

► Mehr UV-Strahlung kann zu ernsthaften Erkrankungen führen.

► Fakt ist: 2018 wurde Hautkrebs durch natürliche UV-Bestrahlung in Berlin 141 Mal als Berufskrankheit anerkannt (2017: 129), in Brandenburg gab‘s einen Anstieg von 109 auf 130 Fälle.

► Seit 2015 ist auch der weiße Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. „Wir appellieren an alle, starke Sonne zu meiden. Nicht immer ist das möglich. Der Klimawandel verschärft allerdings die Dringlichkeit“, so Inge Paulini vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Schon ab April kann die UV-Belastung durch kleine Löcher in der Ozonschicht beachtlich steigen.