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Das Protokoll der Vertuschung

Köln -

Von Peter Berger
Köln/Gelsenkirchen. Die Wahrheit über die Ursachen für die Katastrophe auf der A 3, bei der eine Autofahrerin (66) vor zwei Wochen von einer Betonplatte erschlagen wurde, kommt nur scheibchenweise ans Licht. Seit Mittwochabend steht fest: Der Landesbetrieb Straßen NRW wusste schon im Jahr 2008, dass beim Einbau der Wand nicht „regelkonform“ gearbeitet worden war. Die Baufirma sei mehrfachen Aufforderungen, einen statischen Nachweis zu liefern, dass die Konstruktion sicher ist, nicht nachgekommen. Warum die Sache dann im Sande verlief und sich offenbar keiner mehr darum kümmerte, dürfte die zentrale Frage bei der Suche nach den Verantwortlichen sein. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zeichnet die Ereignisse nach.

Freitag, 13. November, 15.44 Uhr
Wenige Stunden nach dem tödlichen Unfall kündigt der Landesbetrieb Straßen NRW eine Sonderprüfung der Lärmschutzwände auf der A 3 zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück an. Dazu müssten in beiden Fahrtrichtungen die jeweils rechten Fahrbahnen gesperrt werden.

Montag, 16. November, 10.39 Uhr
Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ stößt auf eine Spur. Demnach soll nach den Untersuchungen der Betonplatten am Wochenende im Auftrag der Staatsanwaltschaft ein Vorgutachten erstellt worden sein. Dieses kommt zu dem Ergebnis, dass die Halterungen an der Vorsatzschale falsch montiert waren. Am Dienstag titelt der „Stadt-Anzeiger“ exklusiv: „Wand war nicht richtig befestigt“.

Dienstag, 17. November, 18.59 Uhr
Am Abend bestätigt der Landesbetrieb die Recherchen dieser Zeitung. Demnach war die herabgestürzte Platte schon bei der Montage im Jahr 2007 nicht fachgerecht montiert worden. Die gleiche Konstruktion sei an sechs weiteren Platten verbaut worden. Es müsse davon ausgegangen werden, „dass es sich um einen mit Absicht herbeigeführten Baumangel handelt“. Der liege an einer „nicht einsehbaren Stelle und ist ohne Demontage des Bauwerks nicht ohne Weiteres kontrollierbar“.
Bei der letzten Hauptprüfung am 17. September 2013 habe man keine Mängel festgestellt. „Eine Sichtprüfung der fehlerhaften Konstruktion war aufgrund der verdeckten Lage nicht möglich. Deshalb ist davon auszugehen, dass auch bei zukünftigen Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre.“ Es gebe keinen Anlass anzunehmen, dass an weiteren Lärmschutzplatten diese Konstruktion verbaut worden sei.

Mittwoch, 18. November, 8.31 Uhr
Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erhält aus einer Quelle vorab den Bericht des NRW-Verkehrsministeriums an den Verkehrsausschuss des Landtags. Er enthält ein interessantes neues Detail. Die für den Sommer 2019 vorgesehene turnusmäßige Hauptprüfung der Wand wurde verschoben, weil die Prüfer überlastet gewesen seien und sich das Bauwerk bei der Prüfung im Jahr 2013 in einem sehr guten Zustand befunden habe. Diesen Fakt hatte der Landesbetrieb im Zwischenbericht vom Dienstag nicht erwähnt. Warum? War er nicht bekannt oder wurde e bewusst zurückgehalten?
Das Verkehrsministerium kommt zu dem Schluss: „Es ist davon auszugehen, dass auch bei der kommenden Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre, weil sie versteckt hinter der Lärmschutzplatte liegt.“

Mittwoch, 18. November, 13.25 Uhr
Vor der Sitzung des Verkehrsausschusses im Landtag spricht NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), dass beim Einbau der Vorsatzplatte in die Lärmschutzwand wohl mit Absicht gepfuscht worden sei. „Da hat was nicht gepasst und ist dann passend gemacht worden“, sagt der Minister. „Wann immer vom Regelwerk abgewichen wird, muss das angezeigt und aktiv genehmigt werden“, so Wüst. „Nach heutigem Kenntnisstand ist das nicht der Fall.“

Mittwoch, 18. November, 18.13 Uhr
Der Landesbetrieb kündigt die Demontage der schlampig montierten Vorsatzplatten an. Das erfolgt am Donnerstag.

Mittwoch, 25. November, 18.27 Uhr
Der Landesbetrieb Straßen NRW räumt ein, dass die „improvisierte Konstruktion“, die zum Tod einer Autofahrerin (66) geführt hat, bereits seit 2008 bekannt und im Abnahmeprotokoll für das Bauwerk vermerkt war. Man habe diese Konstruktion unter dem Vorbehalt abgenommen, dass die Baufirma noch einen statischen Nachweis erbringen müsse. Dies sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht geschehen. Ob und wann der Landesbetrieb das Nachfragen eingestellt hat, bleibt offen. Fest steht nur: Die Baufirma, die die Vorsatzplatten 2007 montiert hatte, musste sieben Jahre später Insolvenz anmelden.
Überdies berichtet Straßen NRW, dass vergleichbare Konstruktionen mit Vorsatzschalen wie auf der A 3 an weiteren 25 Abschnitten an Autobahnen, Bundesstraßen und Landstraßen in NRW verbaut worden sind. Alle Lärmschutzplatten würden „jetzt einer handnahen Sichtprüfung unterzogen“. Bisher gebe es keine Hinweise „auf ähnliche nicht regelkonforme Konstruktionen“.
Dass sich die Vorsatzplatten per Sichtprüfung kontrollieren lassen, hatte der Landesbetrieb am 17. November noch ausgeschlossen. Dieser Widerspruch lasse sich nur schwer auflösen, sagt ein Sprecher auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Prüfer wüssten nach dem Unglück jetzt sehr genau, worauf sie zu achten hätten.

Donnerstag, 26. November, 16.39 Uhr
Der Landesbetrieb veröffentlicht die Liste mit den 25 Abschnitten auf Autobahnen, Bundesstraßen und Landstraßen in NRW, auf denen ähnliche Konstruktionen mit Vorsatzplatten verbaut sind. Auf der A 3 sind das weitere Abschnitte zwischen Köln-Mülheim und dem Dreieck Heumar. 

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