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"Dass ich Siegtor schieße ...": Historisches Leipzig trumpft "surreal" auf

Der Außenseiter entzaubert Atlético Madrid: RB Leipzig zieht ins Halbfinale der Champions League ein und kann seinen historischen Erfolg kaum fassen. Ohne den abgewanderten Timo Werner zeigt das Team, wozu es unter Trainer Julian Nagelsmann in der Lage ist.

Als RB Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi an diesem magischen Lissabonner Abend den letzten Ball aus seinem Strafraum gefaustet hatte, war für einen Moment vergessen, dass es im Stadion leer und leise war. Trainer und Spieler von RB Leipzig stürmten euphorisiert auf das Spielfeld und fielen sich für einen Moment hemmungslos glücklich in die Arme. Ein Adrenalinschub nach 97-minütiger Ausnahmeleistung des Außenseiters. Mit 2:1 (0:0) spielten und kämpften die Leipziger den großen Favoriten Atlético Madrid nieder und zogen verdient ins Halbfinale der Champions League ein. Als erster deutscher Klub neben Bayern München seit Borussia Dortmund 2013.

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Nagelsmann weiß sich auch selbst zu loben.

(Foto: Peter Schatz / Pool)

Die Leistung, zu der sich Rasenballsport aufschwang, war international die mit Abstand beste, die der Klub je gezeigt hat. Sechs Wochen nach dem zähen Ende in der Bundesliga wurden die wenigen Hundert arbeitenden Besucher im Estádio José Alvelade von Sporting im Norden Lissabons Augenzeugen, wie das Team im 15. Champions-League-Spiel des Klubs plötzlich alles herausließ, was Julian Nagelsmann den Spielern in einem Jahr vermittelt hat.

Das war nicht nur erstaunlich reif und mutig, sondern auch hinsichtlich der mentalen und taktischen Einstellung brillant und von erstaunlicher individueller Klasse. Vor allem, weil RB in allen Elementen des Spiels auf fast allen Positionen über sich hinauswuchs. Dass die Leipziger aggressiv und giftig Bälle erobern können, ist bekannt. Unter Nagelsmann verwässerte diese Tugend im vergangenen Jahr bisweilen, weil das Team zu sehr mit den eigenen Ballbesitzmomenten beschäftigt war. Doch an diesem Abend in Lissabon zeigte RB das wohl beste Spiel unter Nagelsmann und verband beide Tugenden. Zum ersten Mal wurde vollends deutlich, was der junge Trainer gemeint hatte, als er vor einem Jahr kurz nach seiner Ankunft als Chefcoach im Trainingslager im österreichischen Seefeld seine Fußballidee umrissen hatte, die beide Schulen - Ballbesitz- und Gegenpressing-Konter-Spiel - zu einer Symbiose verbindet.

Nagelsmanns Taktik geht auf

Leipzig: Gulacsi - Halstenberg, Upamecano, Klostermann - Laimer (72. Adams), Kampl, Angelino - Sabitzer (90.+1 Mukiele), Olmo (83. Schick), Nkunku (83. Haidara) - Poulsen. - Trainer: Nagelsmann

Madrid: Jan Oblak - Kieran Trippier, Stefan Savic, Gimenez, Renan Lodi - Carrasco, Saul, Herrera (58. Joao Felix), Koke (90.+2 Felipe) - Diego Costa (72. Morata), Llorente. - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen)

Wenn Kevin Kampl und Co. den Ball hatten, zogen sie gegen Atlético beeindruckend sicheres One-Touch-Kombinationsspiel auf. Kaum ein Ball versprang, RB ließ sich von den ersten Minuten an von dieser Partie tragen - auch wenn im Stadion statt Fans nur bunte Sitze zu sehen waren, die von oben unterm Stadiondach wie Konfettischnipsel aussahen. Selbst wenn Atlético extrem hoch presste, behielt die Abwehr um den überragend sicheren Dayot Upamecano die Ruhe. Und wenn die Spanier in Ballbesitz waren, hatte RB die Kugel bald wieder erobert.

Taktisch ging der Plan von Nagelsmann voll auf, auch durch eine Raffinesse. Wenn RB den Ball hatte, spielte das Team eine 3-3-3-1-Formation, Konrad Laimer wich auf den rechten Flügel aus und Marcel Sabitzer ließ sich fallen. Gegen den Ball ließ Nagelsmann auf Viererkette in ein 4-2-3-1 umstellen, dann rückte der aggressive Laimer ins defensive Mittelfeld und Sabitzer lief weiter vorn mit an. "Dadurch haben wir uns den nötigen Zugriff erhofft, ebenso wie in der Spieleröffnung die nötigen Räume - die haben wir gefunden", sagte Nagelsmann zufrieden. "Die Spieler haben diesen Erfolg auf dem Platz errungen. Aber manchmal ist die Art und Weise, wie die Idee umgesetzt wird, auch eine Auszeichnung für das Trainerteam."

Dass es angesichts der Aggressiv-Qualitäten beider Teams nicht allzu viele Chancen geben würde, war klar. Marcel Halstenbergs Schuss über das Tor (4.) war lange die größte Möglichkeit für RB. Peter Gulacsis Parade gegen den starken Belgier Yannick Carrasco, der mal aus halblinker Position in die Tiefe gekommen war (13.), rettete RB vor einem möglichen Rückstand. Auch in der ersten Hälfte spielte RB bereits begeisternd. Doch es fehlten noch die Genauigkeit beim letzten Pass und ohne den Neu-Londoner Timo Werner, der nicht wie angedeutet zum Zuschauen nach Lissabon gereist war, der Zug zum Tor.

Olmo belohnt sich selbst

Nagelsmann hatte sich dafür entschieden, den abgewanderten Topstürmer durch die Spitze Yussuf Poulsen und die beiden spielstarken Techniker Christopher Nkunku und Dani Olmo zu ersetzen. Insbesondere Olmo wuchs über sich hinaus und belohnte sich mit dem Führungstreffer. Über Poulsen, Laimer und Marcel Sabitzer griffen die Leipziger zu Beginn der zweiten Hälfte so zwingend an, dass Atletico überfordert war von der Spiellust des international noch unerfahrenen Gegners. Von Sabitzers Chip-Ball waren gleich fünf Madrilenen überrascht, sodass Leipzigs Spanier Olmo inmitten der Traube scheinbar leicht einköpfen konnte (50.). Auch ohne Werner - so die wichtige Botschaft - kann RB in einem solchen Spiel treffen. Und vielmehr noch: Durch seine Absenz profitierte Leipzig spielerisch durch die Qualität der beiden hängenden Spitzen.

Probleme bekam RB erst, als der 126 Millionen Euro teure portugiesische Wunderknabe Joao Felix eingewechselt wurde. Nach Doppelpass konnte Lukas Klostermann den 20-Jährigen nur durch ein Foul im Strafraum stoppen. Doch selbst nachdem Felix per Elfmeter selbst zum Ausgleich verwandelt hatte (71.), ließ sich RB nicht den Schneid abkaufen. Als sich viele bereits auf eine Verlängerung eingestellt hatten, spielte Sabitzer einen glänzenden langen Ball auf Leipzigs zweiten Spanier Angeliño, der präzise auf den eingewechselten Tyler Adams ins entblößte Zentrum passte. Adams zog ab, traf Gegenspieler Stefan Savic an Hacke - und Madrids Weltklasse-Schlussmann Jan Oblak war ein weiteres Mal geschlagen (88.).

"Besser, größer, variabler"

Als die Sachsen Atléticos verzweifelte Schlussoffensive überstanden hatten und der Sieg Wirklichkeit wurde, konnte es Adams gar nicht so recht fassen. "Der Sieg fühlt sich surreal an", sagte der US-Amerikaner. "Wir sind so ein junges Team. Dass ich das Siegtor schieße, bei so einem Turnier auf so einem Level, ist wirklich surreal."

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Simeone erkennt an: Leipzig war besser.

(Foto: imago)

Kapitän Poulsen, der vor sieben Jahren zum damaligen Drittligisten RB gekommen war, konnte den Coup besser einordnen. "Wir sind als Mannschaft zwei Jahre weiter, besser, größer, variabler. Dazu machen die neuen Spieler diejenigen, die schon länger hier sind, besser", sagte Poulsen und hob auch Nagelsmanns neue Impulse und Ideen hervor, die er dem Team verleiht. Noch vor zwei Jahren bei Leipzigs Champions-League-Debüt, als RB in der Vorrunde scheiterte, wäre eine solch abgeklärte Leistung undenkbar gewesen.

Am Ende dieser aufregenden Nacht zollte auch Atlético-Trainer Diego Simeone dem jungen Kollegen Respekt und zeigte sich als fairer Verlierer. "Leipzig war besser, leidenschaftlicher, schneller. RB war aktiver und liegt am Ende in allen Statistiken vorn", sagte der Argentinier gefasst. "Wir sind gescheitert, das macht keinen Spaß."

In der Halbzeit hatte sich Simeone offenbar noch zu einer Unsportlichkeit hinreißen lassen. "Ich hätte das nicht gemacht", sagte Nagelsmann. Aber der 33-Jährige hielt gegen den heißblütigen Südamerikaner dagegen. "Im Kabinentunnel ist es unentschieden ausgegangen und im Spiel haben wir gewonnen", sagte der Trainer. Nun kommt es im Halbfinale (Dienstag, 21 Uhr im ntv.de-Liveticker) zum reizvollen Duell mit Nagelsmanns Trainermentor Thomas Tuchel gegen Paris St. Germain, gleich nebenan im Estadio da Luz. Der nächste Brocken für RB, doch Tuchel und Paris dürften angesichts der Leipziger Leistung gegen Atlético alarmiert sein.

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