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Der Audio-Spezialist Sennheiser baut in der Produktion verstärkt auf Roboter

Wedemark. Immer wieder drückt ein kleiner Roboter Abschirmdeckel auf Leiterplatten, einen nach dem anderen. Für Anja Bendiks ist das eine Erleichterung. „Früher musste ich das mit der Hand machen, mit der Zeit schmerzte dann mein Daumengelenk“, berichtet die Mitarbeiterin aus der Produktion bei Sennheiser. Jetzt übernimmt der technische Helfer die monotone und physisch belastende Arbeit. Bendiks hat dadurch mehr Zeit für anderes.

Wenige Meter weiter greift ein anderer Roboter eine Leiterplatte, öffnet den Deckel eines Geräts und legt die kleine Platine vorsichtig auf eine Prüfvorrichtung. Nach dem Test nimmt er sich die nächste Platine vor.

Im Unterschied zu klassischen Industrierobotern können Cobots dank Sensoren ihre Umwelt wahrnehmen. Sie lassen sich dadurch schneller einrichten und flexibel einsetzen.

„Die ersten Leichtbauroboter habe ich 2014 auf der Motek, einer internationalen Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung in Stuttgart, gesehen“, erzählt Axel Schmidt, Director Engineering bei Sennheiser. Die Möglichkeit, dass Menschen und Roboter nebeneinander oder gar miteinander arbeiten können, faszinierte ihn sofort.

„Die Roboter waren zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch zu teuer und nicht in der von uns benötigten Größe verfügbar.“ Das änderte sich schon ein Jahr später. „Auf der Hannover Messe Industrie boten mehrere Hersteller die Helfer zu deutlich günstigeren Preisen an, wodurch es erstmalig möglich wurde, auch Montageprozesse für kleine Stückzahlen wirtschaftlich zu automatisieren.“

Zwar kommen die Cobots oft ohne aufwendige Schutzvorrichtungen und Verkleidungen aus. Doch Schmidt rät: „Wer über einen Einsatz nachdenkt, darf die Arbeitssicherheit nicht außer Acht lassen. Hierbei ist jeder Anwendungsfall im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung auf die erforderlichen Sicherheitseinrichtungen zu prüfen.“

Technik bald so einfach wie ein Smartphone zu bedienen

Fünf Leichtbauroboter sind derzeit im Einsatz, berichtet Schmidt. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis Cobots in der Produktion alltäglich sind. „Mitarbeiter werden Cobots schon bald so einfach wie ein Smartphone bedienen.“ Das vereinfacht deren Einsatz im Produktivbetrieb und macht sie für Mittelständler und Kleinbetriebe interessant.

Wichtig bei der Einführung: „Man sollte die Mitarbeiter frühzeitig in die Veränderungen einbeziehen“, rät Schmidt. „Damit sie den Roboter als Helfer und nicht als Gegner sehen.“ Genau wie Anja Bendiks. Sie sagt: „Ich bin froh, dass ich den Robi habe.“