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Der Klimawandel in der Kunst: Betroffenheit in vier Minuten

Anzing – Abgeholzte Regenwälder, qualvolle Tierhaltung, Dürre, Überschwemmungen und verpestete Weltmeere: so surreal, so fern? Die tägliche kompakte Informationsflut stumpft das Empfinden ab. Die Schreckensszenarien ereignen sich irgendwo und greifen selten direkt ins eigene Lebensumfeld ein. Damit befasst sich Bettina Müller aus Anzing als Künstlerin.

„In den letzten Monaten war der Klimawandel“, sagt die Anzinger Videokünstlerin Betty Mü, „in aller Munde“. Sie hat daher zu diesem Thema eine Kunstinstallation in ihrem Studio in Anzing erarbeitet. „VideoArt4Future“, so heißt das Projekt, ist der Auftakt für ein längerfristig angelegtes Umweltschutz-Kunstprojekt, das deutschlandweit Station machen soll.

Betty Mü lenkt mit eindrucksvollen, dabei hochästhetischen Bildern die Aufmerksamkeit auf das Problem der Umweltzerstörung. „Der Kunstraum ist ein überall flexibel platzierbarer Container, in dem Menschen und ihre Umwelt verschmelzen: die Besucher mit den Bildern, die sie betrachten, ebenso wie die Personen auf den Videobildern mit der Containerwand“, heißt es in einer Pressemitteilung. In einem verspiegelten „Infinity-Raum“ wird dem Betrachter der Spiegel vorgehalten. Nichts steht für sich allein, am Ende ist alles eins.

„VideoArt4Future“ ruft gemischte Gefühle hervor und brennt sich ins Bewusstsein des Betrachters ein. Viel Zeit zum Handeln bleibt nicht mehr, wenn die Erde noch ein paar Generationen mehr ertragen soll. „Nach mir die Sinflut“: keine Option für Betty Mü.

In einem abgedunkelten Container, der innen komplett mit Aludibondspiegeln ausgebaut ist, läuft als Endlos-Loop ein ca. vierminütiges Video: Bilder von Landschaften und Menschen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Deep Learning (GAN) erstellt und manipuliert wurden. Im Zentrum steht die Frage „Was hast Du damals fürs Klima getan?“.

Installation ist noch bis Sonntag in Moosach (München) zu sehen

Betty Mü nutzt einen Aufruf über ihre Social-Media-Kanäle sowie zusammengetragene Aussagen aus der Echokammer des Internets und lässt diese polarisierend aufeinanderprallen.

Verstörende Bilder von Verschmutzung, Ignoranz und Verschwendung treffen auf die Alternative einer intakten Welt. Was kann noch gerettet werden? Der Countdown läuft. „Der Betrachter ist Teil der Installation und steht inmitten eines sich immer wieder spiegelnden Raumes. Der bewusstseinserweiternde Effekt löst den Besucher aus seiner primären Realität und zieht ihn in die Tiefe seiner psychedelischen Sinneswelt“, sagt Betty Mü.

Im Idealfall führt der Aufenthalt im Container dazu, eigene Verhaltensweisen in Frage zu stellen – und sie zu ändern.

Bettina Müller, so ihr richtiger Name, entwickelt als Designerin und Bildende Künstlerin seit über 15 Jahren Fassaden- und Raummappings. In ihren Videoinstallationen verbindet sie konkrete Bildinhalte mit außergewöhnlichen Materialien und Projektionsflächen, geprägt von einer ebenso humorvoll-poetischen wie technisch ausgereiften künstlerischen Handschrift. Sie entwickelt zum einen eigene Kunstprojekte, zum anderen realisiert sie Videoinstallationen im Auftrag von Museen, Messen und Unternehmen.

Vier Minuten, die betroffen machen können

Bei ihrem bislang größten Projekt „Das Kunstareal verbindet“ bespielte sie im vergangenen Winter die Gebäude zwischen Königsplatz und Pinakotheken mit ihren Projektionen und setzte so ein Zeichen für die Kunst in Corona-Zeiten (wir berichteten).

Das Vermittlungskonzept hat die Kuratorin und Kunsthistorikerin Ánh Nguyen entwickelt. Sie war u.a. für das erste Street Art Museum in München und für den Künstlerverbund im Haus der Kunst tätig. Aktuell ist sie Projekt-Managerin der ARTMUC und Gastautorin bei der Mannheimer Kunstversicherung.

Übrigens: Versorgt wird der Container autark mit Sonnenenergie aus umwelfreundlichen Salzschmelze-Batterien, bereitgestellt von der Firma ION Energy, und der Photovoltaik-Anlage von PV TOTAL.

Mehr im Internet unter www.videoart4future.de.

Die Arbeiten der Anzinger Künstlerin sind noch bis Sonntag, täglich von 15 bis 22 Uhr, zu sehen. Sicherlich lohnt sich ein Ausflug an den Moosacher St.-Martins-Platz, in München.