Germany
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Deutschland, stabiler als gedacht

Seit jeher fehlt dem Diskurs über Wohl und Wehe der deutschen Demokratie hierzulande jene Selbstsicherheit, die in anderen Demokratien mit einer weniger blutigen Geschichte zu spüren ist. Dabei müssten es die Deutschen allmählich besser wissen.

Schließlich ist die Bundesrepublik seit gut 70 Jahren ein Ort stabilster Verhältnisse. Sie hat nichts mehr gemein mit dem „Herd nervöser Unbescheidenheit“, den der Historiker Golo Mann im Deutschen Reich bis 1945 sah. Bis heute hat sich an dieser Stabilität nichts geändert – mögen die AfD und ihre Anhänger noch so verbissen das Hexeneinmaleins vom Untergang des Abendlandes beschwören.

Der neueste Deutschland-Trend belegt es: 85 Prozent der Deutschen halten die Demokratie für eine gute Regierungsform, nur zwölf Prozent sind anderer Ansicht. Kein Grund also, sorgenvoll auf dieses Land und seine Entwicklung zu schauen.

Diese Sicherheit sollten die etablierten Parteien allerdings als Ansporn begreifen, nun mit vereinten Kräften die Migrationskrise in den Griff zu bekommen. Auch dies lässt sich dem Deutschland-Trend entnehmen: Die Landsleute wünschen sich nichts sehnlicher als das. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent fordert, weniger Flüchtlinge ins Land zu lassen. Sie setzt auf eine europäische Lösung, obgleich sie weiß: Europas Wege sind steinig und beschwerlich.

Für alle Abwehrmaßnahmen gegen unberechtigte Asylbewerber gibt es eine breite Mehrheit. Diese Mehrheit ist nicht rechts, war es nie. Anders als manchen Politikern ist ihr eine ideologische Verblendung fremd. Sie möchte Probleme gelöst sehen – und das von den etablierten Parteien.

Wenn Politiker, etwa die Mehrheit der Grünen, noch immer glauben, die allseits empfundene Migrationskrise mithilfe ihres Abrakadabras von offenen Grenzen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verdrängen zu können, treiben sie Teile der Mitte in die Arme rechter Heilsversprecher.

Der Bundeskanzler hat dies begriffen und mit seinem Machtwort gegen die grüne Außenministerin endlich die europäische Wende eingeleitet. Schlimm daran ist, dass es so lange gedauert hat. Hoffentlich weiß er auch: Dieser Schritt allein genügt nicht.