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„Die Höhle der Löwen“: Reklame zwischen den Radspeichen

Auf einer Geschäftsreise in Australien kam Angela Gonzalez die entscheidende Idee. Ihr fielen Radfahrer mit Anhängern auf, die Werbung hinter sich herzogen – und dachte sich, dass man diese Art der Werbung doch sicher verbessern könnte. Zurück in Deutschland, erzählte sie auf einer Autofahrt ihrem Mitfahrer Patrick Klug davon – der war begeistert. So begeistert, dass er seine Anstellung im Vertrieb kündigte und mit ihr das Start-up Bikuh gründete.

Nun wurden die beiden mit ihrer Idee, den Platz zwischen Fahrradspeichen für Werbung zu nutzen und die Radfahrer dafür zu bezahlen, in die Sendung „Die Höhle der Löwen“ eingeladen. Dort konnten schon hessische Unternehmen wie die Pizzateigbäcker Lizza, die Konto-App Finanzguru und der Handyclip Flapgrip lukrative Deals mit „Löwen“ wie Milliardär Carsten Maschmeyer oder Ex-Formel-Eins-Weltmeister Nico Rosberg abschließen. Am Montagabend bekommen Gonzalez und Klug mit Bikuh ihre Chance. Ihr Beteiligungsangebot an die „Löwen“: 200.000 Euro für 20 Prozent ihrer Firma. Von der Teilnahme an der Show, die auch vergangene Woche wieder von mehr als zwei Millionen Zuschauern gesehen wurde, versprechen sich Gonzalez und Klug überregionale Bekanntheit. „Ein spannendes Thema“, bescheinigte ihnen der potentielle Investor und Grabbelkisten-König Ralf Dümmel gleich zur Begrüßung in der Sendung.

Rund 20 Cent pro Kilometer

Seit 2015 arbeiten die beiden Wahl-Frankfurter an ihrem Start-up Bikuh, das bereits einige lokale und regionale Preise gewonnen hat. Sie setzen dabei auf zwei Geschäftsmodelle. Beim ersten geht es darum, private Fahrräder mit Werbescheiben zwischen den Speichen auszustatten. Die Vergütung der Radfahrer hängt von der gefahrenen Strecke ab. Pro Kilometer kann man im Schnitt etwa mit 20 Cent rechnen, dazu kommen zum Beispiel Aufschläge für schlechtes Wetter und Vielfahrer. Das Modell lohne sich nicht für „Sonntagsfahrer“, stellt der 39 Jahre alte Klug fest (der in der Sendung noch Kolb heißt, er hat aber seit der Aufzeichnung vor einigen Monaten geheiratet). Denn Bikuh zahlt erst, wenn die Fahrer mindestens 100 Kilometer im Monat zurücklegen.

Zu den Reklamekunden gehörten bislang eine Frankfurter Hochschule, die Stadt Frankfurt, ein Ortungs-App-Anbieter und eine Genossenschaftsbank. Insgesamt hätten sie 14 Werbekunden gehabt. für ein Gebiet mit einer Million Einwohnern und 200 Rädern müssten diese 26.000 Euro im Monat zahlen, erläuterten die Gründer in der Sendung. 2019 habe der Jahresumsatz 68.000 Euro betragen.

Bikuh bezeichnet die Radfahrerwerbung als Innovation. „Unsere Werbung wird von der Zielgruppe in die Zielgruppe getragen“, erklärt die vierunddreißigjährige Angela Gonzalez. Denn eine Schwäche von Außenwerbung sei ihre schlechte Personalisierbarkeit. Diese Schwäche werde von Bikuh angegangen, denn die Radfahrer könnten selbst aussuchen, welche Werbung sie an ihre Speichen montieren. Die Folge: Den Freunden, Verwandten und Kollegen werde Werbung präsentiert, die auch für sie relevant sei, da ein Mitglied ihrer Peer Group diese ausgewählt habe. Der Veganer interessiert sich für Ernährung, wählt also Werbung aus diesem Bereich. Die Reklame wirke so besser, meint Gonzalez.

„Stellen Sie das ein, das funktioniert nicht“

Aber wenn man fahre, dann könne doch niemand die Werbung erkennen, entgegnet „Löwe“ und Unternehmer Nils Glagau in der Show. Ex-Fernsehchef Georg Kofler meint, Außenwerbung habe keine Zukunft, der Trend gehe zu digitaler und interaktiver  Reklame. „Das wird nicht funktionieren, ich bin raus.“ „Stellen Sie das ein, das funktioniert nicht“, sagt auch Carsten Maschmeyer, allerdings aus anderen Gründen: Er empfiehlt den Gründern ein B2B-Konzept, also ein Geschäftsmodell, das sich an Unternehmen richtet. Der Aufwand mit Privatkunden sei zu hoch. Auch die anderen „Löwen“ greifen nicht zu. Damit haben die Gründer keinen der Fernsehinvestoren überzeugen können.

Ein Angebot für Unternehmen hat Bikuh inzwischen entwickelt und es funktioniert ohne Werbung und Mindestkilometer. Bikuh will Arbeitgebern nun anbieten, Mitarbeiter zu motivieren, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Mit Hilfe der Bikuh-App und dem GPS im Smartphone können mit dem Rad zurückgelegte Kilometer von Arbeitnehmern erfasst werden, denen dann das Unternehmen entweder eine Geldprämie oder zum Beispiel einen freien Tag gewähren kann – quasi eine zusätzliche Pendlerpauschale vom Chef, Pendler gibt es allerdings in der Corona-Pandemie auch auf dem Fahrrad derzeit nur wenige. Somit wird abzuwarten sein, was aus mit diesem Geschäftsplan wird. Zu aktuellen Umsätzen wollen sich die Unternehmer nicht äußern. Durch Corona sei die Situation zwar „extrem angespannt“, aber die sieben Mitarbeiter könne das Start-up weiterhin bezahlen. An der Idee mit der Speichenwerbung halten die Gründer aber auch weiterhin fest.

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