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Die Trump-Bewegung frisst ihren Gründer

Die Bewegung frisst ihren Gründer

Wie ist der Ex-Präsident in diese Lage geraten? Laut einem Insider-Bericht von "NBC" zum Debakel-Dinner in Mar-a-Lago scheint er selbstverschuldet in eine Art Falle getappt zu sein. Gestellt haben sollen sie jene radikalen Kräfte in seiner eigenen Bewegung, die Trump offenbar nicht mehr kontrollieren kann und wohl auch nie konnte. Die Make-America-Great-Again-Bewegung frisst ihren Gründer.

So soll Milo Yiannopoulos, ein Rechtsextremist, der sich schon oft gegen Trump stellte, den Besuch von Kanye West und Nick Fuentes eingefädelt haben. Das Ziel: Dem angeschlagenen Trump klarmachen, dass er ohne die Stimmen der Radikalen nichts mehr werden kann. Und ihn dann unter Druck setzen, indem das Treffen öffentlich wird und Trump sich bekennen muss.

"Ich wollte Trump zeigen, welche Art von Talent ihm entgeht, wenn er seinen schrecklichen Beratern erlaube, zu diktieren, mit wem er abhängen darf und mit wem nicht", sagte Yiannopoulos zu "NBC". Kanye West schlug Trump dann auch gleich vor, dieser solle besser als sein Vize antreten.

Yiannopoulos habe zudem eine Botschaft an Trump senden wollen: "Dass er die Menschen, die ihn am meisten lieben, die Menschen, die ihn ins Amt gebracht haben, systematisch immer wieder vernachlässigt, ignoriert, missbraucht hat". Kanye West soll von Trump darum Geld für die Anwaltskosten einsitzender Straftäter vom 6. Januar gefordert haben.

Das Dilemma für den Demagogen

Trump scheint zu wissen, wie sehr er jetzt in der Klemme steckt. Seit Jahren hat er gezielt jene Kräfte gestärkt, die insbesondere mit antisemitischen Verschwörungstheorien versuchen, Wähler für ihn zu gewinnen. Darunter auch die Kongressfrau Marjorie Taylor Greene aus Georgia, die für ihre Verweise auf QAnon-Verschwörungen bekannt ist. Trump verbreitet mitunter selbst Inhalte dieser gefährlichen Erzählungen.

Wenn er sich jetzt allzu deutlich gegen die von ihm enttäuschten Kräfte positioniert, bringt Trump sie noch mehr gegen sich auf. Es ist also kein Wunder, dass Trump nun behauptet, er kenne weder den Holocaust-Leugner Nick Fuentes, noch wisse er über die antisemitischen Ausfälle von Kanye West Bescheid.

Dass Trump solcher Gesinnung Raum in seiner Bewegung gibt, fällt jetzt auf ihn zurück. Sein Abendessen mit Antisemiten offenbart, was sich zuletzt auch im Wahlkampf bei den Zwischenwahlen zeigte: Judenfeindlichkeit und Judenhass sind in den USA längst kein radikales Randphänomen mehr. Jüdische Verbände warnen schon lange vor Trumps Anteil daran.

Trump und seine Anhänger machen Antisemiten buchstäblich salonfähig. Nicht nur in seinem Clubanwesen, sondern auch auf Wahlkampfbühnen. Trumps Kandidat für die Gouverneurswahl im Bundesstaat Pennsylvania, Doug Mastriano, überzog seinen jüdischen Gegenkandidaten Josh Shapiro mit antisemitischen Anspielungen. Im Zweifel will Trump auch dies einfach nicht mitbekommen haben.

Er hält sich nach wie vor für den größten Wohltäter Israels in der Geschichte der USA. Sogar israelischer Premierminister könne er deshalb "ganz einfach" werden, behauptete er vor Kurzem. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine klare Meinung zum Abendessen in Florida: Trumps Entscheidung, halte er für falsch, sagte er jetzt in einem Interview. "Ich denke, es ist ein Fehler. Das sollte er nicht tun."

Es wird schwer für Trump, den parteiinternen Machtkampf zu überleben. Fehler wie dieses Dinner werden ihm nicht mehr verziehen.

Trump lud Antisemiten in seinen Club ein und will von nichts gewusst haben. Damit hat er sich selbst eine Falle gestellt. Politisch kann er fast nur noch verlieren.

Wenn es um seine Leistungen geht, spricht Trump in Superlativen. "Unter meiner Regierung haben wir für Israel und die jüdische Gemeinschaft so gekämpft wie kein anderer Präsident in der Geschichte", sagte er zum Beispiel Mitte November in Las Vegas beim Jahrestreffen der jüdischen Konservativen. Er verwies auf den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv in die Hauptstadt Jerusalem, die Abkehr vom Iran-Atomabkommen und seine Friedensbemühungen im Nahen Osten. Dafür gab es Standing Ovations.

Nur drei Tage nach diesem Selbstlob saß Trump mit zwei Antisemiten in seinem Club Mar-a-Lago in Florida an einem Tisch und aß mit ihnen zu Abend. Der eine ist der US-Rapper Kanye West, dem wegen mehrfacher antisemitischer Äußerungen zuletzt auch die millionenschwere Zusammenarbeit mit dem deutschen Modeunternehmen Adidas gekündigt wurde. Der andere ist Nicholas J. Fuentes, ein notorischer Holocaust-Leugner.

Über Fuentes beteuerte Trump jetzt beim Fernsehsender "Fox News": "Ich habe noch nie von diesem Mann gehört – ich hatte keine Ahnung, was seine Ansichten waren, und sie wurden bei unserem sehr kurzen Abendessen am Tisch nicht geäußert, andernfalls wäre das nicht akzeptiert worden." Tatsächlich bespielt Nick Fuentes medial als "Kommentator" einen wichtigen Teil der Trumpisten-Bewegung. Zehntausende sehen seine Videos.

Über Kanye West gibt sich Trump ebenfalls unwissend. Dieser habe ihn "um Rat gebeten". Er habe lediglich "gehört, Kanye habe Schwierigkeiten, einschließlich finanzieller Schwierigkeiten", so Trump. Der mutmaßliche Grund für die akuten Finanznöte von West, die Aufkündigung des Adidas-Deals, ist dabei seit Wochen Thema in den Medien.

Der Vorgang in Trumps exklusivem Club und seine Folgen entwickeln sich für den Mann aus Florida immer mehr zu einem politischen Desaster. Neue Details über das Dinner zeigen drei Dinge: 1. Trump scheint sein berüchtigtes Gespür für folgenlose Grenzüberschreitungen verloren zu haben. 2. Die radikale Rechte innerhalb seiner Bewegung rebelliert gegen ihn. 3. Die übrige Parteiführung distanziert sich von ihm mit klaren Ansagen.

Die Kritiker werden immer lauter

Zwar hat es einige Tage gedauert, bis sich dann auch prominente Republikaner genötigt sahen, Trumps höchst suspektes Dinner zu kritisieren. Neben Mitch McConnell, Trumps Erzfeind und Minderheitsführer der Republikaner im Senat, meldete sich jetzt aber auch Kevin McCarthy. Jener Mann im Repräsentantenhaus, der sich eng an Trump schmiegt, weil er der künftige Sprecher dieser Kammer werden will.

"Ich verurteile seine Ideologie. Diese hat überhaupt keinen Platz in der Gesellschaft", sagte McCarthy über Nick Fuentes. In Bezug auf Trump: "Der Präsident kann sich treffen, mit wem er will." Er schob dann aber nach: "Ich denke jedoch, niemand sollte sich mit Nick Fuentes treffen." Zugleich behauptete McCarthy, Trump habe sich klar von Fuentes distanziert. Mehr als Trumps behauptete Unkenntnis ist davon aber bislang nicht zu sehen gewesen.

Die Worte vom Republikaner-Chef im Senat waren umso deutlicher. Mitch McConnell sagte: "In der Republikanischen Partei ist kein Platz für Antisemitismus oder Weiße Vorherrschaft", sagte er. "Und jeder, der sich mit Leuten trifft, die diesen Standpunkt vertreten, wird meines Erachtens höchstwahrscheinlich nie zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt." Das saß und Trump schoss umgehend zurück: McConnell sei "ein Verlierer für unsere Nation und für die Republikanische Partei".